02.08.2020 12:00 |

Steiermark History

Die Geheim-Burg des verliebten Erzherzogs

Auf der Burg Strechau wollte der „Steirische Prinz“ Anna Plochl, die Ausseer Postmeistertochter, heiraten. Sein Bruder, der Kaiser, schritt jedoch im letzten Moment ein. Der Hausherr öffnet uns die Pforten.

Als die Depesche des Kaisers eintraf, war das Aufgebot längst bestellt. Erzherzog Johann wollte seiner geliebten Anna Plochl auf der malerischen Burg Strechau das Jawort geben, doch Franz II. verweigerte seine Zustimmung im letzten Moment. Der Bruder des Herrschers in einer Eheverbindung mit einer bürgerlichen Postmeistertochter aus Aussee - das war dem Habsburger eindeutig zuviel. Erst Jahre später gab er seinen Sanctus zur Liebesheirat.

Die geplatzte Hochzeit auf der Burg und das Happy End - eine märchenhafte Geschichte, die man sich seit vielen Generationen im Enns- und Paltental erzählt. Einige Elemente mögen schöne Ausschmückungen sein, Tatsache aber ist, dass sich der „Steirische Prinz“ mit der späteren Gräfin von Meran tatsächlich auf der im Jahr 1074 erstmals erwähnten Festung hoch über der Stadt Rottenmann traf.

Die Rettung der Burg kam in letzter Sekunde
„Zwischen 1896 und 1926 gehörte die Burg meinen Großeltern und wurde danach veräußert. Im Jahr 1977 habe ich gehört, dass Strechau erneut zum Verkauf stand, zwei Jahre später ist sie wieder in Familienbesitz gekommen“, berichtet Hausherr Wolfgang Boesch. Die Übernahme vor mittlerweile vier Jahrzehnten war die sprichwörtliche Rettung in letzter Sekunde. „Der Zustand des Bauwerks war katastrophal“, erinnert sich der Rechtsanwalt, der wöchentlich zwischen Wien und Lassing - Strechau liegt in letzterem Gemeindegebiet - pendelt.

Man sah dem Komplex mehrerer historischer Gebäude also die bewegte Geschichte leidvoll an. Wobei - eingenommen wurde die Bergfestung nie. „Jeder, der sie von unten sah, dachte sich wahrscheinlich: Ein Angriff ist zwecklos“, mutmaßt Boesch. Ihre Hoch-Zeit erlebte die von der Autobahn gut sichtbare Wehranlage unter dem Geschlecht der Hofmann zwischen 1529 und 1629, die die Schirmherren des Protestantismus in der Steiermark waren.

Die Schatzkammer existiert noch heute
Noch heute existiert das gemütliche Arbeitszimmer des damaligen Burgbesitzers, und dahinter liegt ein Geheimraum, die Schatzkammer. „Herr Hofmann wollte damit vielleicht signalisieren: Nur über meine Leich’ kommt ihr zu meinen Reichtümern“, schmunzelt Wolfgang Boesch. Welcher der zahlreichen Räume des Gemäuers es ihm besonders angetan hat? Die Antwort aus dem Mund eines Juristen verwundert nicht: „Das Gerichtszimmer mit der Renaissance-Decke. Hier wurden auch Kapitalverbrechen verhandelt.“ Daneben liegt übrigens das Zeugenzimmer - und direkt über diesem ein Geheimgang, von dem die Beratungen heimlich belauscht werden konnten

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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