26.07.2020 17:00 |

171 Einsätze

Tierischer Alarm für die Tiroler Feuerwehren

Wenn sich ein Tier in einer misslichen Lage befindet, rücken die Tiroler Florianijünger aus. Zu 171 Tierrettungen wurden die Feuerwehren allein im Vorjahr gerufen. Die Katze am Baum wird ebenso gerettet wie die Ente in der Jauchegrube oder die abgestürzte Almkuh.

In den vergangenen Wochen häuften sich die Einsätze, bei denen es tierischen Vier- oder Zweibeinern zu helfen galt. Zuletzt handelte es sich – wohl saisonbedingt – häufig um Rinder, die in Jauchegruben gefallen waren oder auf sumpfigen Almböden feststeckten. Nicht nur, dass sie sich selbst nicht mehr befreien können, es besteht zudem Lebensgefahr.

Die Almwiesen im Kühtai scheinen ein besonderer Hotspot für Tiere in (Berg)not zu sein. Die Freiwillige Feuerwehr Silz, zu deren Einsatzgebiet das Kühtai gehört, kann ein Lied davon singen. „Bei uns stürzt jedes Jahr mindestens eine Kuh irgendwo hinein beziehungsweise ab oder steckt fest“, erzählt Michael Haslwanter, Kommandant der Silzer Florianijünger. In diesem Sommer galt es freilich bereits fünf Kühen zu helfen. „In 99 Prozent der Fälle gelingt es uns, das Tier unverletzt zu bergen“, freut sich Haslwanter.

Zuletzt war ein Rind auf einer sumpfigen Almwiese eingesunken. Meist werden Tiere in solchen Situationen mittels Kran am schweren Rüstfahrzeug an extra breiten Gurten quasi aus dem Schlamassel gezogen. „Hier mussten wir aber zu Fuß zur Kuh und sie händisch mit Brachialgewalt herausziehen“, sagt Haslwanter.

Kuh auf der Trage
Weil das Tier dann neuerlich einzusinken drohte, transportierten es die Florianijünger auf einer Trage auf festen Boden. Der zu solchen Einsätzen in der Regel mitalarmierte Tierarzt musste dem total erschöpften, aber unverletzten Rind anschließend zwei Infusionen verabreichen. Dem Tier ging es wieder gut, die Trage ist nicht mehr verwendbar.

Die breite Berufspalette in den Reihen der Feuerwehren stellt ein Ass im Ärmel bei den tierischen Einsätzen dar. „Einige von uns sind Bauern, die genau wissen, wie man mit einer Kuh umgeht“, sagt Haslwanter.

An sich könnte die Feuerwehr auch den Hubschrauber zur Rettung alarmieren. Dazu braucht es jedoch eine schriftliche Anforderung bei der Landeswarnzentrale, die daraufhin den Auftrag ausschreibt und an das bestbietende Hubschrauberunternehmen vergibt. Dieses Prozedere dauert ungefähr eine Stunde – bis dahin könnte das Tier leicht verendet sein. Deshalb fackeln etwa die Silzer Florianijünger meist nicht lange, sondern schreiten selbst zur unbürokratischen Rettungstat.

Heuer gab es in Tirol bis heute 91 Alarmierungen wegen Tiernotlagen. Gut möglich, dass die 171 des Vorjahres übertroffen werden.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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