07.07.2020 13:00 |

Warnung von Experten

Kinder ertrinken oft schnell und lautlos

Daheim ertrinken mehr als doppelt so viele Kinder als im öffentlichen Freibad oder im Badesee. Davor warnt Univ.-Prof. Dr. Holger Till, Klinikvorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie in Graz und Mitglied der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), in dem Report „Ertrinken von Kindern in Österreich“. Viele Familien denken vielleicht in diesem Jahr daran, zuhause Urlaub zu machen. Doch sollte dabei auch an die Sicherheit von Kindern am und im Wasser gedacht werden. Ein Pool muss mit einem Zaun (1,5 Meter hoch mit selbstschließender Tür) oder einer Überdachung gesichert sein, wenn sich kleine Kinder im Umfeld befinden. Auch das Planschbecken sollte kein Wasser enthalten, wenn es nicht in Gebrauch ist. Gartenteiche und Regentonnen bergen ebenso ein Risiko für kleine Kinder und sollten sicherheitshalber abdeckt werden.

Ein Großteil der Ertrinkungsunfälle bei kleineren Kindern ereignet sich, wenn Kinder ohne Aufsicht und unbemerkt in die Nähe von Wasser gelangen „Kinder ertrinken meist ohne zu schreien und zu strampeln. Aufgrund ihres überproportional großen Kopfes verlieren insbesondere kleine Kinder leicht den Halt. Fallen sie mit dem Kopf ins Wasser, löst dies reflexartig eine Art Schockreaktion aus, die Stimmritze im Rachenraum schließt sich, atmen ist nicht mehr möglich. Babys und Kleinkinder schwimmen mit dem Gesicht im Wasser und zeigen wenig oder keine Bewegung mit den Armen oder Beinen. Bei Babys taucht der Kopf tiefer als der Körper ein, sodass es aussieht, als wolle es tauchen“, beschreibt Univ.-Prof. Dr. Holger Till die Situation.

Ältere Kinder reagieren bei Problemen im Wasser, wie z. B. bei nachlassender Kraft oder drohendem Untergehen, mit der sogenannten instinktiven Ertrinkungsreaktion. Instinktiv schlagen sie mit den Armen seitlich ausgestreckt auf das Wasser, um ihren Körper noch oben zu bringen, sodass ihr Mund wieder über die Wasseroberfläche kommt. Es fehlt ihnen die Kraft, noch zu schreien und mit den Armen zu winken. Auch wenn Kinder bereits schwimmen können, befindet sich ihr Körper eher senkrecht als waagrecht wie beim Schwimmen im Wasser. Der Kopf ist abwechselnd über der Wasseroberfläche, während der Ertrinkende das Kinn nach oben drückt und nach Luft schnappt, und nach vorne gebeugt mit Mund unter der Wasseroberfläche. Die Haare können dabei wirr nach vorne über die Stirn und die Augen fallen. Die Phase dauert häufig nur 20 bis 60 Sekunden. Dann sinkt der Ertrinkende unter die Wasseroberfläche. Mit jeder Minute, die ein Kind unter Wasser bleibt, vergrößert sich sein Risiko für bleibende Folgen, wie Gehirnschäden, Spastik, Schluckprobleme, oder einen tödlichen Ausgang“, warnt Univ.-Prof. Till.

In Europa sterben jährlich etwa 300 bis 400 Kinder unter 15 Jahren durch Ertrinken, davon knapp die Hälfte im Alter zwischen einem und vier Jahren. Eltern sollten folgende Sicherheitstipps beachten:

Kinder sollten immer beaufsichtigt werden, wenn sie im Wasser sind. Schwimmhilfen bieten keinen Schutz vor dem Ertrinken.
Kleine Kinder sollten jederzeit in Reichweite (Armlänge!) eines Erwachsenen sein. Ältere Kinder sollten immer mit einem Partner schwimmen.
Eltern sollten ihr Kind mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit beobachten und sich nicht durch Gespräche oder das Handy ablenken lassen.
Kinder sollten das Schwimmen lernen (in der Regel etwa ab einem Alter von 4 Jahren sinnvoll).
Heranwachsende sollten über die Gefahren von offenen Gewässern aufgeklärt werden.

Michael Jakl
Michael Jakl
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