28.06.2020 06:00 |

Schlagfertig

Martin Grubinger: Auf der Spitze des Bullen

„Drum the Bull" - Anfang Juni bekomme ich einen Anruf aus dem Red Bull Kosmos, ob ich doch einen Ausflug an den Red Bull Ring im steirischen Spielberg planen und die 15 Meter große Bullenskulptur unterhalb der legendären Gösser-Kurve erleben möge.

Darauf müsse sich doch wunderbar trommeln lassen. Mit unserem Team vor Ort gingen mir als Motorsport-Fan sofort tausend Ideen durch den Kopf. Die Region, der Ring, der Sound der Motoren und ihre rhythmische Genesis, Kunst, Kultur, Musik. Das alles müsse in diesem Projekt zusammengeführt werden. Dazu diese aufregende Bullen-Skulptur mit ihrer grenzenlosen Akustik. Die Skulptur ist innen hohl - daher klingt schon ein gewöhnlicher Trommelschlag auf der äußeren Silhouette wie ein Blitzeinschlag.

Was dann passiert, kann mit dieser Wucht, Kreativität und Schnelligkeit wohl nur Red Bull auf die Beine stellen. Innerhalb von wenigen Wochen wurden Musiker, Hubschrauber, Piloten, Kameraleute, Produktionsteams, Sängerinnen und Sänger, Rennautos, Motorräder und Flugzeuge an die Rennstrecke gebracht, Konzertsäle bespielt, um dieses Projekt in der Kürze der Zeit Wirklichkeit werden zu lassen. Daraus hat Regie-Legende Fritz Melchert einen knapp achtminütigen Directors Cut entstehen lassen, der meines Erachtens das Genre Motorsport in Ton und Bild völlig neu definiert. Für dieses Projekt wurde eine Partitur nach dem Vorbild einer Orchesterpartitur zusammengestellt, die auf Bruchteile von Sekunden genau definiert, wann, in welcher Tonlage und an welchem Punkt der Strecke die einzelnen Rennautos klanglich mit unserer Musik auf dem Bullen verschmelzen sollen.

Ein Beispiel aus der Partitur: Bei Takt 58 taucht ein Flugzeug über dem Bullen auf, dreht in den darauf folgenden sechs 4/4-Takten zwei Schleifen über dem Kurs, hält bei Takt 64 auf den Bullen und die darauf spielenden Musiker zu, um im letzten Takt auf dem dritten Schlag im Vertikalflug hinter den Schlagzeugern im Himmel über Spielberg zu verschwinden. Die Wiederauferstehung der Formel 1 sollte eine besondere, andere Hymne bekommen. Ein Werk, das der Welt in knapp acht Minuten zeigen wird, wofür Österreich steht. Tradition und Kreativität, Technologie und ein gewisses Maß an Verrücktheit. Wunderschöne Landschaften und die Liebe zu Kunst und Kultur. Für zwei Tage wurde für diese Filmaufnahmen ein Theater der Träume erschaffen. Eine Kulisse, die diese Rennstrecke in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ihre sanften Hügel, die hinter der Schönberg-Gerade platzierte Kirche, charakteristische Kurven, die eine eigene Rennsport-Geschichte schreiben und Menschen in dieser Region, die mit und oftmals auch für diese Rennstrecke leben.

Von der Spitze des Bullen hatte ich einen wunderbaren Blick auf das steirische Murtal. Dort, wo der Motorensound der Abfangjäger auf dem Fliegerhorst Zeltweg in Nachbarschaft mit dem Klang der Rennstrecke Spielberg verschmilzt, kulminierte der Sound unserer Instrumente mit dem Klang der Region. In diesen Stunden arbeiten wir an den letzten Details für Ton und Bild. Jedes einzelne Instrument auf der Aufnahme muss im Gesamtklang gewichtet werden, die Bildkomposition den Emotionen entsprechen. In diesem Projekt haben die Besten in ihren Bereichen ihr Bestes gegeben. Darum konnte eine Idee, deren Umsetzung viele Monate Vorbereitungszeit benötigen würde, in 20 Tagen das Licht der Welt erblicken. Zu sehen ist Fritz Melcherts Directors Cut im Laufe dieser Woche im Rahmen der Formel-1-Berichterstattung aus Spielberg und auf den Online-Medien von Red Bull.

 Salzburg-Krone
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