25.06.2020 08:51 |

Gemeinderatswahl 2020

Bezirk Murau: Wahltag wird zum Politik-Krimi

Die „Krone“ beleuchtet die Ausgangslage für die Gemeinderatswahl am 28. Juni im Bezirk Murau: Besonders spannend wird es in der Gemeinde Teufenbach-Katsch, hier ist nach fünf turbulenten Jahren alles möglich. Auch Neumarkt steht mit einem „bunten“ Wahlzettel im Fokus. Muraus Bürgermeister sitzt hingegen fest im Sattel - er bedauert sogar die geringer werdende Konkurrenz.

Es gibt viele Gemeinden in der Steiermark, die fahren politisch jahrein, jahraus im ruhigen Fahrwasser. In einigen anderen geht es durchaus turbulent zur Sache. Und dann gibt es die obersteirische 1800-Einwohner-Kommune Teufenbach-Katsch, wo es ständig zu völlig überraschenden Wendungen kommt.

Der politische Krimi der vergangenen fünf Jahre im Schnelldurchlauf: Weil er mit der Gemeindefusion nicht einverstanden war, kehrte Bürgermeister Johann Gruber der ÖVP den Rücken und trat 2015 mit der eigenen „Liste Mur“ an. Das Resultat: fünf Mandate, ebenso viele wie die SPÖ, eines mehr als die ÖVP.

Überraschend einigte sich Gruber danach mit seiner früheren Partei, vereinbarte eine Halbzeitlösung im Bürgermeisteramt. Thomas Schuchnigg (ÖVP) begann - doch als es 2018 zum vereinbarten Wechsel kommen sollte, verzichtete „Mur“. Schuchnigg blieb bis zum Herbst 2019, dann trat er überraschend zurück. Zur Nachfolgerin wurde Lydia Künstner-Stöckl gewählt - sie ist von der SPÖ!

Lokale Volkspartei spaltet sich weiter auf
Damit nicht genug: Bei der Wahl am 28. Juni tritt nicht nur die „Liste Mur“ wieder an, sondern auch eine weitere ÖVP-Abspaltung, angeführt von Josef Pirker. Er war enttäuscht, weil nicht er schwarzer Spitzenkandidat wurde, sondern Peter Panzer. Der wiederum kehrte von der „Liste Mur“ zur ÖVP zurück

„Alles ist möglich“, hörte die „Krone“ bei ihren Recherchen, wenn es um die Ausgangslage in Teufenbach-Katsch geht. Wir glauben es sehr gerne.

SPÖ lag nur eine Stimme vor der ÖVP
Doch Teufenbach-Katsch ist nicht die einzige Gemeinde im Bezirk Murau mit einer spannenden Ausgangslage. Da wäre zum Beispiel St. Peter am Kammersberg, Heimatgemeinde des ehemaligen SPÖ-Bundesgeschäftsführers Max Lercher. 2015 lag die SPÖ nur eine (!) Stimme vor der ÖVP. Auch hier wurde eine Halbzeitlösung vereinbart, die aber eingehalten wurde. Seit 2018 ist Herbert Göglburger (ÖVP) Ortschef. Sein SPÖ-Konkurrent ist diesmal der junge Christoph Stolz, der bei der Landesregierung in Graz arbeitet.Zwei Wahlsieger

wurden ausgebremst Auch Stadl-Predlitz steht unter genauer Beobachtung: 2015 schlossen ÖVP (fünf Mandate) und FPÖ (vier) einen Pakt gegen die SPÖ, die mit sechs Gemeinderäten stärkste Kraft war.

Weniger Mandatare in Neumarkt
In Neumarkt ging damals ebenfalls der Wahlsieger leer aus, dort traf es die FPÖ. Rot und Grün hievten Josef Maier von der ÖVP ins Bürgermeisteramt. Die Koalition hat „bestens funktioniert. Wir agieren auf Augenhöhe“, so Maier, der nach der Fusion von sieben Gemeinden eine flächenmäßig riesige Kommune mit einem 200 Kilometer langen Wegenetz zu führen hat.

Bei den Einwohnern verzeichnet Neumarkt aber - wie der gesamte obersteirische Bezirk - einen Rückgang, daher gibt es künftig nur noch 21 statt 25 Gemeinderäte. Dabei ist der Stimmzettel heuer besonders bunt: Neu ist neben den pinken Neos auch die Liste „Zukunft Neues Neumarkt“ mit einer starken FPÖ-Schlagseite.

Viele Bürgermeister sitzen fest im Sattel
Es gibt im Bezirk aber auch Kommunen, in denen der Bürgermeister fest im Sattel sitzt. Das „rote“ Mühlen zählt genauso dazu wie einige „schwarze“ Kommunen, darunter Ranten, St. Lambrecht, Niederwölz oder Oberwölz. Auch die einzige ÖVP-Bürgermeisterin, Cäcilia Spreitzer in St. Georgen/Kreischberg, sollte bei der Wahl am Sonntag ungefährdet sein.

Weniger Konkurrenz? „Schade“
Dasselbe gilt für Thomas Kalcher in der Bezirkshauptstadt Murau. Vor fünf Jahren konnte er das Ergebnis auf 65 Prozent ausbauen. Damals waren fünf Listen am Stimmzettel, diesmal sind es nur drei (FPÖ und das Forum für Murau fehlen). „Man könnte meinen, ich freue mich darüber. Aus demokratiepolitischer Sicht finde ich’s aber schade“, sagt Kalcher zur „Krone“.

Für die nächsten Jahre stehen trotz der Folgen der Corona-Pandemie einige große Projekte an, insbesondere die Sanierung der beiden Schulgebäude um mehr als zehn Millionen Euro. Die zwei Kindergärten ziehen dann in die Volksschule. Bis zum Jahr 2023 sollen die Arbeiten fertig sein.

Offene Fragen rund um die Murtalbahn
Auch im Wohnbereich tut sich einiges in der Bezirkshauptstadt - obwohl die Bevölkerung schrumpft. „Man braucht aber dennoch ein attraktives Wohnangebot“, so Kalcher. Finanziell von Land und Bund zu tragen ist die Modernisierung der Murtalbahn, sie kann bis zu 100 Millionen Euro kosten. Offen ist die Frage des Antriebs. Kalcher favorisiert Wasserstoff. „Eine Riesen-Chance, wir könnten eine Modellregion werden.“ Die Entscheidung könnte aber auch für eine elektrifizierte Oberleitung fallen.

Jakob Traby
Jakob Traby
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