Allein diese Vielzahl an Fällen, sie sind ständig mit Tierleid konfrontiert – woher nehmen Sie die Kraft, immer wieder weiter zu machen?
Daraus, dass ich an die Sache glaube. Und solange hilflose Tiere unsere Hilfe brauchen, will und werde ich alles, was an uns herangetragen wird, bearbeiten.
Sie sind bekannt dafür, dass Sie in Ihre Arbeit Ihr ganzes Herzblut stecken. Kann Sie nach so langer Zeit noch ein Fall erschüttern?
Jeder einzelne Fall von Tierquälerei erschüttert mich zutiefst. Wenn man tote Tiere im Mist findet, skelettierte, neben denen noch lebende, halb verhungerte stehen – schrecklich. Die Liste ist endlos, vieles ist grauenvoll. Dagegen kann man als fühlender Mensch kein Schutzschild aufbauen.
Sind die Menschen verroht?
Es gibt sicher welche, die Tierquäler sind. Aber vielfach ist Vernachlässigung von Tieren auch ein Hilfeschrei von Menschen, die überfordert sind, krank sind, selbst Hilfe brauchen. So wird Tierschutz sehr oft zu Menschenschutz, wenn man da auch helfen kann.
Charly Forstner, der Chef des Aktiven Tierschutzes hat berichtet, dass beim Großteil der abgegebenen Tiere eklatant auffällt, dass sie falsch gehalten wurden. Fehlt bei vielen auch der Hausverstand bei Tierhaltung?
Auf jeden Fall, der ist sicher weniger geworden. Es fehlt aber auch das Mitgefühl, der Respekt vor den Bedürfnissen von Lebewesen – wenn ich allein dran denke, wie Kaninchen oft gehalten werden! Es wird vielfach vergessen, dass Tiere fühlende, Schmerz empfindende Mitgeschöpfe sind.
Kommt man bei uns zu leicht zu Haustieren?
Das würde ich so sehen, ja. Früher ist man zum Züchter gefahren, hat sich die Elterntiere angeschaut, die Haltungsbedingungen, hat den Welpen kennengelernt, Kontakt aufgebaut. Heute kriegt man einen Hund oft einfach ins Haus geliefert, zu lächerlichen Preisen. Tierhaltung ist vielfach der Wegwerfgesellschaft angepasst. Wenn Hunde oder Katzen nicht „funktionieren“, entledigt man sich ihrer. Das ist die Verrohung der Gesellschaft.
Welche Baustellen gibt es bei uns im Tierschutz?
Auch da ist die Liste lang. Wir brauchen verbesserte Haltungsformen für Nutztiere. Ferkelkastration ohne Narkose, das routinemäßige Kupieren von Schwänzen, Tiertransporte – das sind immer noch Missstände, da passiert in unserem modernen Zeitalter noch so viel, das nicht mehr sein dürfte.
Sie sind aber auch als sehr positiver Mensch bekannt.
Daher möchte ich auch betonen, was alles möglich war! Tierschutz im Unterricht, Streunerkatzenprojekte, die Kinder-Tierschutzkonferenz, der Hochschullehrgang. Ich bin auch glücklich über Tierschutz-Landesrat Anton Lang, dem Tiere ein wirkliches Anliegen sind und mit dessen Hilfe sehr viel umsetzbar wird.
Haben Sie einen Appell an die Steirer?
Ja: Niemals wegschauen, wenn Tierleid passiert! Tiere haben keine Stimme. Sie brauchen unsere.
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