06.06.2020 16:00 |

Es begann in Kufstein

Zwischen Leben und Tod: 30 Jahre Notarztsystem

Eine zufällige Begegnung bei einem Unfall im Jahr 1990 sollte den Weg für das Notarztsystem in Tirol bereiten. Seither hat sich viel getan - ein Rückblick zu den Anfängen in Kufstein, als Arzt Wolfgang Hengl noch mit seinem Privatauto zu den Einsatzorten fuhr. 

Herzinfarkt, Schlaganfall, Bade- oder Verkehrsunfall. Immer, wenn es um Erste Hilfe geht, spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Hier kommt nun seit 30 Jahren der Notarzt mit ins Spiel, da es am Einsatzort meistens um Leben und Tod geht.

Schon im Jahr 1990 entstand das Notarztsystem in Kufstein und wurde wegen seiner optimalen Effizienz und Kostenangemessenheit zum Paradebeispiel für ganz Tirol. Wobei hier ein Arzt aus Kufstein, Medizinalrat Wolfgang Hengl, maßgeblich verantwortlich zeichnet, dass dieser wertvolle Dienst zum Wohle der Allgemeinheit heute zum professionellen Standard im Rettungswesen des Landes wurde. Der heutige Rettungsdienstleiter des Samariterbundes Tirol, Robert Lauf, war im Jahre 1989 junger Sanitäter beim Roten Kreuz.

Er erinnert sich: „Es war eine laue Sommernacht im Jahre 1989 und wir waren zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Wildbichlerstraße in Ebbs gerufen worden. Doktor Hengl war Augenzeuge des Vorfalls, da er gerade von einer Ärztetagung kam. Auf seine Frage, was macht ihr denn, wenn ich jetzt nicht zufällig vorbeigefahren wäre? Antwortete ich, dass am Tag der Notarzthubschrauber komme und am Land der Sprengelarzt mit Notarztausbildung, aber wir im Bereich Kufstein ganz alleine unterwegs wären.“

Für den Rest des Jahres machte Doktor Hengl dann Bereitschaftsdienst für das Rote Kreuz und war jederzeit mittel Pager erreichbar. Als Notarztfahrzeug verwendete er sein Privatauto, einen roten Nissan „Bluebird“, welcher ihm den Spitznamen „Roter Blitz“ einbrachte. Die damals noch exotische Notfallausrüstung war an der Ortsstelle des Roten-Kreuzes in Kufstein stationiert und konnte bei Bedarf vom Rettungswagen mitgenommen werden. Wolfgang Hengl wurde dann von 1991 bis 1994 Ortstellenleiter der Rot-Kreuz Ortsstelle Kufstein.

1990, der Startschuss für das Notarztsystem
Im Jänner 1990 begann der Start des Pilotprojektes „Notarzt“ in Kufstein. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es nur den an der Universitätsklinik Innsbruck stationierten Notarztwagen. Einige Ärzte aus Kufstein absolvierten die neue Notarztausbildung und jeder übernahm einen Wochentag. Zeitgleich wurde geplant, dass es für den Bezirk Kufstein eine Leitstelle, welche alle Rettungseinsätze koordiniert, geben soll. Was heute selbstverständlich ist, waren damals noch völlig neue Ideen, welche der Politik und den eigenen Funktionären präsentiert und schließlich auch umgesetzt werden mussten.

Hier taten sich aber auch schon die ersten Schwierigkeiten auf, die aber von den „Pionieren des Notarztsystems“ – Wolfgang Hengl, dem damaligen Bezirksstellenleiter Reinhard Ott, Werner Zenz als Referent Rettungsdienst und Leitstellenleiter Gernot Vergeiner – durch Fleiß, professionelle Arbeit und dem notwendigen Quantum Diplomatie aus dem Weg geräumt wurden. Sie haben somit dem unverzichtbaren Notarztsystem im Land zu seinem Erfolg verhalfen.

Hubert Berger, Kronen Zeitung

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