04.06.2020 20:00 |

Aufwändige Renovierung

Steirischer „Radio-Flüsterer“ veredelt alte Geräte

Der gebürtige Obersteirer Richard Sbüll restauriert in Wien alte Radiogeräte - und bringt sie aufwändig ins digitale Zeitalter. Hunderte Arbeitsstunden sind notwendig, die Preise liegen deshalb bei einigen tausend Euro. „Wir machen keine Massenabfertigung.“

Dunkelgraue Fassade, das Firmenlogo „Supersonic“ auf handgefertigtem schwarzem Glas, in der Auslage ein komplett überarbeiteter Radioschrank aus den 1950er-Jahren, neu lackiert in Türkis, als käme er frisch aus der Fabrik. So präsentiert sich das Geschäft von Richard Sbüll im vierten Wiener Gemeindebezirk.

Hier repariert, renoviert und neuinterpretiert Sbüll alte Radiogeräte, die zu neuem, also auch digitalem Leben erweckt werden. Und das in zwei Varianten: „Bei ,Sonic‘ kommt immer neue Technik in die Geräte. Das ist z. B. bei einem Radio aus den 1930er-Jahren sinnvoll, wo man nicht einmal mehr UKW empfängt, hier kommt Bluetooth für die Anbindung an die digitale Welt. Wir verschieben die komplette Musikquelle in die App-Welt hinein.“

Alleine Lackierung dauert 100 Stunden
Die „Resound“-Geräte sind die Deluxe-Variante: Aufwändigst werden die Geräte renoviert, sodass sie wieder wie neu scheinen. Die originale Technik bleibt erhalten und wird mit neuer Mikroelektronik kombiniert. Neben der Werksfunktion (Radio) kann somit auch gestreamt werden. Musikschränke werden komplett zerlegt und überarbeitet, allein die Lackierung kann da 100 Arbeitsstunden umfassen. Das kann bis zu 10.000 Euro kosten!

Angeboten werden auch Reparaturen von alten Röhren-Radios ab den 1930ern. Die Geräte werden zerlegt, Kondensatoren und Regler ausgetauscht oder gereinigt.

Geboren wurde Richard Sbüll in Leoben, auf die Gymnasialzeit in Bruck folgte die HTL in Kapfenberg, dort schloss er später auch sein FH-Studium in Industrieller Elektronik ab. Nach nur einem Angestellten-Jahr folgte der Schritt in die Selbstständigkeit 2005, spezialisiert auf Halbleitertechnik und Mikrochip-Design. Die unternehmerische Ader hatten schon seine Eltern: Die Mutter führte ein Restaurant und Kaffeehaus in Bruck, der Vater betrieb einen Chemiegroßhandel.

Alter Musikschrank in Neuzeit übersetzt
Sbüll meldete mit seinem Team mehr als 20 Patente an, ehe es 2015 nach Wien ging, wo er schon zuvor immer wieder in beliebten Szenelokalen Musik aufgelegt hatte. Er traf in der Hauptstadt auf den kunstfertigen Tischler Martin Kristofcsak. Die Zusammenarbeit führte zum bisherigen Vorzeigeprojekt, dem extravaganten Supersonic SS1000, der „obwohl etwas ganz Neues, die Re-Interpretation alter Musikschränke ist: Radio, TV etc. in einem Gerät, quasi in die Neuzeit übersetzt“.

Bislang wurde nur ein Prototyp produziert. Allein 6000 Euro betragen die Materialkosten. Die Elektronik ist komplex, dazu der Aufwand für das kunstfertige möbeltechnische Gehäuse. Interesse? Käufer bräuchten etwa 30.000 Euro! Sehr viel Geld, dennoch würde es sich für Sbüll nicht wirklich rechnen, da der Arbeitsaufwand extrem hoch war.

„Wir machen keine Massenabfertigung“
Der Obersteirer bewegt sich also in einer wirtschaftlichen Nische. Seine Philosophie passt dazu: „Unser Vorteil ist, dass wir keine Massenabfertigung machen. Wir schaffen pro Monat etwa drei ,Resound‘-Geräte, mehr geht sich mit zwei Teilzeit-Mitarbeitern auch gar nicht aus...“

Peter Bernthaler, Kronen Zeitung

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