19.05.2020 06:00 |

Buch über Kultband

Joy Division: Die Geschichte einer echten Legende

Mit nur zwei Alben, wovon eines nach dem Suizid des Sängers Ian Curtis erschienen ist, haben Joy Division Popgeschichte geschrieben. Musikjournalist Jon Savage lässt in seinem Buch „Sengendes Licht, die Sonne und alles andere“ Zeitzeugen den Werdegang erzählen. Es ist auch ein Bericht über eine Stadt und eine Kultur im Umbruch - und über einen von Krankheit und inneren Dämonen gequälten Menschen.

Joy Division tauchten Mitte der 70er-Jahre in Manchester auf und sorgten zusammen mit dem Label Factory dafür, dass die damals graue Industriestadt in den Fokus der Öffentlichkeit rückte. Die Band zählt heute zu den einflussreichsten Protagonisten des Post-Punk und prägte Genres wie Gothic, Dark Wave oder Indie-Rock nachhaltig. Kurz vor der ersten großen Amerika-Tour nahm sich der charismatische wie manische und an Epilepsie leidende Curtis das Leben.

Urknall in Manchester
Der renominierte Popexperte Savage, seit 1977 für britische Publikationen von „Sounds“ bis „Mojo“ tätig, filterte aus unzähligen Interviews essenzielle Aussagen heraus und fügte sie zu einer ebenso schlüssigen wie informativen „Oral History“ zusammen. Der Autor führt zurück in eine heruntergekommene Stadt, von deren einstigem Glanz als Hochburg des Industrialismus nur noch Industrieruinen zeugten, in der Jugendliche im Punk und in Büchern von William Burroughs, Philip K. Dick und J.G. Ballard Auswege aus Tristesse und Gewalt suchten. „Es gab keine Szene, keine Bands“ in Manchester, erinnert sich Richard Boon, Manager der Buzzocks, die wie Joy Division diesen Umstand bald ändern sollten.

„Es gab keinen Plan“, blickt Gitarrist Bernard Sumner auf die Gründung von Joy Division zurück. Man wollte bloß Gefühle ausdrücken. Dass Musik eine Möglichkeit dazu war, zeigten die Sex Pistols: „Meine Güte, so gut wie die kannst du aber auch Gitarre spielen“, sagte ein Freund zu Sumner während eines Auftrittes der Punk-Ikonen.

Zufall und Kalkül
Savage gelingt es, anhand der Aussagen das Lebensgefühl der jungen Menschen im trostlosen Manchester zu vermittelt, aber auch die Atmosphäre der Subkultur und die Energie des Underground. Vieles ereignete sich zufällig, etwa dass sich Rob Gretton dazu entschied, Manager von Joy Divison zu werden statt einen Job als Kloputzer in einem Einkaufszentrum anzunehmen. Anderes passierte bei Joy Division bewusst: etwa die Ästhetik der Band, der vom Produzenten Martin Hannett geprägte Sound der beiden Alben, die Entscheidung, independent zu bleiben und den Verlockungen eines Major-Labels zu widerstehen.

Die Geschichte von Joy Division ist natürlich auch jene von Curtis, hin und her gerissen zwischen Frau mit Kind und Freundin, zwischen dem Drang, Rockstar zu sein, und den Rat der Ärzte zu befolgen, ein ruhiges Leben zu führen und auf Alkohol zu verzichten. Nach schweren epileptischen Anfällen auf der Bühne und einem ersten Suizid-Versuch hätten die Alarmglocken schrillen müssen, „aber anscheinend hat niemand welche gehört“, so Tourmanager Terry Mason. „Die Welt war außer Kontrolle.“‘

APA/Wolfgang Hauptmann

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