29.04.2020 14:42 |

Berater schlagen Alarm

Corona-Krise verschärft Schuldenprobleme enorm

Die Corona-Krise bringt Menschen mit Schuldenproblemen in besondere Bedrängnis, so die Schuldenberater. Durch Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit brechen die Einnahmen ein. „Das hat Auswirkungen auf laufende Schuldenrückzahlungen und verschärft Schuldenprobleme enorm“, gibt Clemens Mitterlehner, Geschäftsführer der Dachorganisation asb, am Mittwoch zu bedenken. Er rechnet mit deutlich mehr Anfragen und fordert mehr Mittel für Personal - sonst werde es zu extrem langen Wartezeiten kommen.

Es seien von der Regierung bereits von den Schuldenberatern geforderte Maßnahmen rasch umgesetzt worden wie etwa das Aussetzung von Delogierungen und die Stundung von Kreditraten und vereinbarten Raten im Zahlungsplan beim Privatkonkurs. „Es war sehr wichtig, diese Erleichterungen schnell umzusetzen“, so Mitterlehner laut Pressemitteilung. Weitere Maßnahmen seien aber nötig. So sollten etwa Lohnpfändungen und Kündigungen von Kontenrahmen gänzlich ausgesetzt werden. Um die Menschen zu entlasten, hat die Regierung am Mittwoch zudem eine rasche Steuerreform in Aussicht gestellt.

Rund 40% mehr Anfragen erwartet
Die Schuldenberatungen befürchteten, dass sich bei vielen Menschen die schon vor der Krise Probleme hatten, auch geringere Einkommensverluste wie etwa durch Kurzarbeit negativ auswirken. Hauptgründe, sich an die Schuldenberatung zu wenden, sind zu mehr als der Hälfte Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensverlust und gescheiterte Selbstständigkeit. Diese Personengruppen seien auch jetzt mehr betroffen, daher geht man davon aus, dass sich viele Menschen an die Schuldenberatung wenden werden. Er rechne damit, dass die Schuldenberatungen rund 40 Prozent mehr Anfragen haben werden, so Mitterlehner zur Austria Presse Agentur.

Corona-Krise wirkt sich auch auf Zahl der Privatkonkurse aus
Auf die Privatkonkurse wird sich die Corona-Krise nach Einschätzung von Mitterlehner im heurigen Jahr wahrscheinlich leicht durchschlagen, ein Anstieg eher mittelfristig erfolgen. Es gebe bei Betroffenen oft vordringlicher Probleme wie etwa, dass jemand von Wohnungsnot betroffen ist. Die Vorbereitungen dauerten oft einige Monate und auch bei den Verfahren selbst dauerte es einige Monate bis zum Beschluss einer Regelung.

Vieles werde auch davon abhängen, wie sehr die Schuldenberatungsstellen in der Lage sind, „diesen Ansturm zeitgerecht zu verarbeiten“. Sie seien bereits in normalen Zeiten ohne eine solche Krise sehr gut ausgelastet, teilweise überlastet. Wenn es kein Sonderbudget aus dem Corona-Hilfspaket gebe, mit dem die Schuldnerberatungen mit Personal ausgestattet werden, werde es zu extrem langen Wartezeiten kommen.

Die Schuldenberatungen brauchten daher so früh wie möglich eine Zusicherung von Seiten des Bundes und der Länder für eine Aufstockung der Mittel. Es sei eine gewisse Vorlaufzeit nötig, etwas für das Einstellen und Schulen von Personal und das Einrichten von Arbeitsplätzen. Aktuell liege das Budget inklusive Finanzbildung bei 15 Millionen Euro im Jahr, davon stammen 87,5 Prozent von den Ländern. Vorgeschlagen wurde eine Aufstockung um 15 Prozent.

Im Vorjahr 60.000 Menschen unterstützt
Im Vorjahr haben die zehn staatlich anerkannten Schuldenberatungen mehr als 60.000 Menschen unterstützt, wie aus dem Schuldenreport 2020 hervorgeht. 35 Prozent der Kunden der Schuldenberatungen waren arbeitslos, 42 Prozent hatten höchstens einen Pflichtschulabschluss und 26 Prozent nicht mehr Einkommen als das Existenzminimum. Die Finanzbildungsangebote erreichten rund 22.000 Menschen.

Arbeitslosigkeit bzw. Einkommensreduktionen sind der häufigste Grund (rund 30 Prozent) für Überschuldungen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Schuldenreport der asb-Dachorganisation der staatlich anerkannten Schuldenberatungen hervorgeht. Dahinter folgt mit rund 22 Prozent die gescheiterte Selbstständigkeit, der Umgang mit Geld (20 Prozent), Scheidung/Trennung (14 Prozent), persönliche Härtefälle (11 Prozent) und Wohnraumbeschaffung (9 Prozent).

Eine Langzeituntersuchung zu Schulden von Ex-Selbstständigen zeige eine Wechselwirkung zwischen Arbeitslosigkeit und (gescheiterter) Selbstständigkeit, heißt es in der Pressemitteilung. 29 Prozent der Befragten hätten das Unternehmen aus einer Arbeitslosigkeit heraus gegründet. 41 Prozent seien nach Beendigung ihrer unternehmerischen Tätigkeit erneut arbeitslos gewesen.

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