22.04.2020 15:45 |

„Kein Bedarf“ in Tirol

Firma bietet 57.000 Tests am Tag, Politik winkt ab

Je mehr getestet wird, desto früher können wir zur Normalität zurückkehren. Das weiß vor allem Island, das pro 1000 Einwohner bis 19. April satte 126 Tests durchgeführt hat. In Österreich sind es etwas über 20. Damit liegen wir zwar im guten OECD-Mittelfeld, aber bei Corona-Tests gilt eigentlich: je mehr, desto besser. Ausgerechnet das Land Tirol sieht das anders.

Das private Unternehmen Lead Innovation bietet gewerblich Drive-in- und Walk-through-Tests an, und zwar mittels offiziell von den Behörden anerkanntem PCR-Testverfahren. Laut eigenen Angaben wären dem Unternehmen bis zu 57.000 Tests am Tag möglich. Aus Taiwan und China würden Reagenzien und Geräte beschafft, der renommierte Virologe Prof. Christoph Steininger habe einen Prozess gestaltet, um ohne Abstrichtupfer testen zu können - denn auch die sind am Weltmarkt Mangelware.

Interesse seitens der öffentlichen Hand besteht allerdings nur wenig. Das Gesundheitsministerium gibt an, das Angebot von Lead Innovation an die Bundesländer weitergeleitet zu haben. Offenbar wurde eine Empfehlung ausgesprochen - die Corona-Tests liegen letztlich im Bereich der Bundesländer.

Aus Tirol kommt eine spannende Reaktion: „Nach sorgfältiger Prüfung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir von Ihrem Angebot derzeit keinen Gebrauch machen möchten“, heißt es in einer E-Mail des Landes Tirol an Lead Innovation, die krone.at vorliegt. Auf Nachfrage erklärt Tirol, es wären bis dato ohnehin bereits 45.000 Testungen durchgeführt worden. Das seien die meisten in ganz Österreich. „Zum Zeitpunkt des Angebots waren in Tirol benötigte Teststationen und -kapazitäten vorhanden“, schreibt die Presseabteilung der Tiroler Landesregierung.

Ischgl und das dortige desaströse Krisenmanagement hatten es in die internationalen Schlagzeilen geschafft. Tirol hat seit Beginn der Corona-Krise knapp 100.000 Anrufe bei der Hotline 1450 verzeichnet. Ob hier tatsächlich alle gemeldeten Fälle mit Symptomen getestet wurden, ist fraglich. Auch ist klar, dass intensives Testen die beste Chance darstellt, möglichst nahe am Normalzustand zu leben.

Vor einem Monat hatte die Regierung davon gesprochen, täglich 15.000 Tests durchführen zu wollen. Vor drei Tagen spricht Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im CNN-Interview von 10.000 Tests am Tag. Es ist also noch Luft nach oben.

So sieht das auch Michael Putz, Partner bei Lead Innovation: „Unser Ziel ist es einfach, Österreich möglichst schnell wieder zum Normalbetrieb zurückzuführen“, sagt er im Interview (siehe Video). „Uns ist es auch nicht erklärlich, warum hier wenig bis kein Interesse von der Regierung gezeigt wird.“

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