17.04.2020 08:15 |

Nicht zutraulicher

Landesjägermeister: „Coronavirus lässt Tiere kalt“

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Hirsch, Reh, Gams und Co. aus? Die „Krone“ hat bei Landesjägermeister Anton Larcher nachgefragt. Der Eindruck, dass die Tiere nun zutraulicher wären, ist ein Trugschluss.

„Krone“:Herr Landesjägermeister, Covid-19 ist derzeit das bestimmende Thema. Ist die Krise auch in den Tiroler Jagdrevieren angekommen?
Anton Larcher: Grundsätzlich kümmert es die Natur wenig, ob wir Menschen mit dem Virus beschäftigt sind oder nicht. Daher müssen Jäger, Jagdaufseher und Berufsjäger auch jetzt ihre Arbeit machen. Dazu zählt die Aufrechterhaltung der Wildfütterungen sowie die Vorbereitungen in den Revieren.

Haben sich die Quarantäneverordnungen auf das Verhalten der Tiere ausgewirkt?
Nur weil plötzlich weniger los ist im Land, ändern die Tiere ihr Verhalten nicht. Was allerdings feststellbar ist und auch positive Effekte hat, ist das Faktum, dass weniger Schneeschuhwanderer und Tourengeher unterwegs waren und das Wild deutlich mehr Ruhe hatte. Aus diesem Grund gehen wir in gewissen Gebieten von einer Verbesserung der Wildschadenssituation aus.

Waren die frühzeitigen Schließungen in den Wintersportregionen auch spürbar?
Unsere Wildtiere haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in gewisser Weise an die Skigebiete und Seilbahnen gewöhnt. Sie meiden bestimmte Zonen, aber man kann zum Beispiel in Ischgl auch in der Hochsaison Rotwild beobachten, das schon bei Tageslicht vertraut zur Fütterung zieht, die nur durch einen Bach von der Piste getrennt ist und unterhalb der Seilbahntrasse liegt.

„Krone“-Leser berichten, dass sie mehr Wildtiere sehen. Kommen die Tiere näher an die Siedlungsräume?
Nein, die Tiere verhalten sich wie immer. Die Evolution verändert sich ja nicht binnen 14 Tagen. Aber die Menschen haben nun mehr Zeit, schauen genauer hin - und daher fallen ihnen die Tiere auch stärker auf.

Überall wird propagiert, daheim einzukaufen und auf Regionalität zu setzen. Spüren das die heimischen Jäger?
Die Jagdsaison auf Rot- und Rehwild geht erst am 15. Mai los. Wir arbeiten derzeit aber gerade eine österreichweite Lösung aus, die Jäger, Verarbeiter und Abnehmer ohne große Hürden zusammenbringen soll.

Wie sehen Sie die Meldungen rund um die Rotwildkeulung in Kaisers?
Wir bekennen uns klar zur TBC-Bekämpfung und haben diesbezüglich in den vergangenen Jahren aktiv mitgearbeitet. Wer aber auch nur den geringsten Respekt vor dem Leben hat, der tut so was wie in Kaisers nicht, zumal es viele Methoden gegeben hätte, diese Tiere schonend zu töten. Wenn nun Ministerialbeamte und vermeintliche Experten auftreten, dann rate ich nur dazu, die Bilder aus Kaisers anzuschauen - dann sieht man, was da passiert ist.

Markus Gassler
Markus Gassler
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