04.04.2020 12:00 |

Flüchtlingsbetreuung

Corona-Krise: Hilfeschrei von TSD-Mitarbeitern

Unter den Mitarbeitern der Tiroler Sozialen Dienste, die für die Flüchtlingsbetreuung zuständig sind, herrscht Sorge wegen fehlender Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel. Zudem gebe es Mängel bei der Kontrolle des am 12. März verhängten Besuchsverbotes. Vonseiten der Verantwortlichen gibt es lediglich eine ernüchternde Stellungnahme. Die Liste Fritz findet klare Worte: „Es ist enttäuschend und erschreckend, dass von den Verantwortlichen die Lage nicht ernst genommen wird!“

Seit Beginn des U-Ausschusses im Herbst 2019 steht die Flüchtlingsgesellschaft unter ständiger Beobachtung. Daher könnte man durchaus annehmen, dass man sich in den Asylheimen bestens auf die Corona-Pandemie vorbereitet hat. Doch dem scheint nicht so zu sein, zumindest laut Aussagen von TSD-Mitarbeitern.

„Ausbreitung nur Frage der Zeit“
„In einem Heim, in dem wir rund 100 Personen betreuen, sind nur zwei Masken und zwei Flaschen Desinfektionsmittel vorrätig“, sagen die Angestellten. Eine Ausbreitung des Virus sei nur eine Frage der Zeit. Zudem seien sie nicht darüber informiert worden, was geschehe, wenn tatsächlich ein Mitarbeiter positiv getestet und die Kollegen in Quarantäne geschickt würden. „Wer betreut in einem solchen Fall das Heim weiter?“, fragen sie berechtigt.

Meist keine Kontrollen
Seit dem 12. März gelte ein Besuchsverbot für alle Einrichtungen. „Doch das wird die meiste Zeit nicht kontrolliert. Und noch eine Sache treibt den Angestellten die Sorgenfalten auf die Stirn. „Es ist die Rede von Kurzarbeit, einige befinden sich schon im Home-Office. Wie sehen diesbezüglich die Pläne aus? Wir kennen sie nicht“, lautet der Vorwurf.

Die „Krone“ hat die zuständige Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) und TSD-Geschäftsführer Johann Aigner mit den Vorwürfen konfrontiert. Stellung dazu bezogen hat jedoch TSD-Pressesprecherin Anna Gutmann-Mackner.

Zusätzliche Mittel nötig
„Bei den Tiroler Sozialen Diensten wurde Mitte März ein interner Krisenstab eingerichtet, der in laufender Abstimmung mit der Landessanitätsdirektion arbeitet“, sagt sie. Flächen- und Handdesinfektionsmittel gebe es, Schutzmasken werden im vorhandenen Ausmaß verteilt. „Der Krisenstab arbeitet mit Hochdruck daran, zusätzliche Schutzmittel zu beschaffen. Es wird alles getan, um die Krise im Sinne der Mitarbeiter und Bewohner bestmöglich zu bewältigen“, so Gutmann-Mackner.

Organisationsrichtlinie
Ernüchternd sieht hingegen die Antwort auf die Frage aus, was passiere, wenn sich ein Mitarbeiter mit dem Virus infiziert: Der Krisenstab erarbeitet derzeit eine erweiterte Organisationsrichtlinie für den Umgang mit Covid-19 aus - in der dritten „Shutdown“-Woche wohlgemerkt!

Zur Kurzarbeit heißt es: „Die Geschäftsführung tut alles Mögliche, um alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Mitarbeiter zu suchen.“ Und das Besuchsverbot werde regelmäßig durch den TSD-Sicherheitsdienst kontrolliert.

Liste Fritz: „Erschreckend“
„Als Liste Fritz nehmen wir den Hilferuf von TSD-Mitarbeitern ernst und teilen ihre Sorge über fehlende Schutzausrüstung. Das kann es nicht sein, das ist fahrlässig“, sagt Landtagsabgeordneter Markus Sint. Zu den mangelnden Kontrollen des Besuchsverbots betont er: „Die 30 Security-Mitarbeiter und die Heimleiter können das allein gar nicht schaffen. Trotz der derzeitigen Krisensituation hat der TSD-Geschäftsführer Johann Aigner das Security-Team nicht verstärkt."

In der Obhut der TSD und damit des Landes Tirol seien rund 2000 Flüchtlinge und knapp 200 Mitarbeiter. „Die zuständige Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer, die schwarz-grüne Platter-Regierung und der TSD-Geschäftsführer stehen in der Verantwortung“, sagt Sint.

Ersuchen an Krisenstab
Die Liste Fritz habe den Krisenstab am 22. März schriftlich ersucht, etwa Schutzausrüstung und ausreichend Desinfektionsmittel zu besorgen. „Nach zehn Tagen hören wir von Mitarbeitern, dass diese Gegenstände kaum vorhanden sind. Es ist enttäuschend und erschreckend, dass von den Verantwortlichen die Lage nicht ernst genommen wird“, so der Politiker.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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