02.04.2020 09:30 |

Ortschef besänftigt

Altenpflegerin wollte „niemanden zurücklassen“

Trotz Virus zur Arbeit im Altersheim - diese Nachricht aus dem Tiroler Alpbachtal sorgte für Furore. Bürgermeister Johann Thaler klärt den Vorfall auf.

Hunderte Kommentare stehen unter dem „Krone“-Online-Artikel - denn der Inhalt regt auf. Die Mitarbeiterin eines Altersheimes verrichtete am Sonntagabend ihren Dienst - obwohl sie positiv auf Corona getestet wurde. Eine anonyme Anzeige machte die Polizei auf den Fall aufmerksam, die die Situation, nach einem Wortgefecht, schließlich auflöste.

Nur mit Infizierten in Kontakt
„Das stimmt auch“, sagt Johann Thaler, Bürgermeister aus Reith im Alpbachtal, wo sich alles zutrug. „Aber jede Geschichte hat zwei Seiten“, gibt er zu bedenken und erklärt: „Das positive Ergebnis erhielt die Frau, als sie schon im Marienheim war.“ Sie habe sich bemüht, Ersatz zu finden, was auf die Schnelle aber nicht gelang. „Pflegekräfte gibt es nicht in Hülle und Fülle“, sagt Thaler. „Zudem war sie ausschließlich in einem separaten Bereich, in dem sich nur Corona-Patienten aufhielten. Es gab keinen Kontakt zu gesunden Anwohnern.“ Einige Bewohner des Heims waren schon zuvor positiv getestet worden - wie das Virus in die Einrichtung kam, sei jedoch nicht mehr nachvollziehbar.

„Wir stehen hinter ihr“
„Aber bei dieser Mitarbeiterin handelt es sich um eine engagierte Fachkraft, die ihre Arbeit sehr gut macht - und die Bewohner nicht einfach alleine lassen wollte.“ Man stehe deshalb hinter der 31-Jährigen, ein Rundschreiben soll auch bei den Bürgern für Klarheit sorgen.

Gemeinde über Testergebnis nicht informiert
„Es bedurfte intensiver Bemühungen, dass Bewohner und Mitarbeiter überhaupt getestet wurden“, sagt Thaler und kritisiert: „Über ein Testergebnis wird die Gemeinde nicht informiert.“ Er stehe somit vor demselben Dilemma wie Hausärzte. „Ich bin darauf angewiesen, dass mich Mitarbeiter über Tests und Ergebnisse informieren“, betont Thaler. Das funktioniere zum Glück auch, aber: In dieser schwierigen Zeit sollte Gesundheit vor Datenschutz stehen", meint Thaler.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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