21.03.2020 15:42 |

Debatte neu angefacht

Überträgt sich das Coronavirus über die Luft?

Seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus beschäftigt die Wissenschaft vor allem eine Frage: Wie genau wird das Virus übertragen - und ist auch eine Übertragung über die Luft möglich? Eine Studie im angesehenen Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ (NEJM) hat die Debatte in dieser Woche erneut angefacht.

Darin kommen die Autoren aus den USA zu dem „beunruhigenden Ergebnis, dass die Übertragung des Virus SARS-CoV-2 per Aerosol“, also in Form von Schwebeteilchen, durchaus möglich sei. Experten raten aber von vorschnellen Schlüssen ab: Ihnen zufolge lässt sich aus der Studie keineswegs ableiten, dass das Virus Menschen ansteckt, indem es in der Luft bleibt, wenn ein Erkrankter hustet.

Sicher ist bis heute nur, dass SARS-CoV-2 hauptsächlich über die Atemwege sowie durch Körperkontakt übertragen wird. Deshalb raten die Gesundheitsbehörden immer wieder, mindestens einen Meter Abstand zu halten.

„Tröpfchen fallen ziemlich schnell zu Boden“
In ihrer Studie wiesen die Forscher des NEJM nach, dass das Virus drei Stunden lang als Schwebeteilchen in der Luft überleben kann. Dafür versprühten sie das Virus mit einer Art Zerstäuber. Ihre Kollegen weisen allerdings darauf hin, dass das Experiment mit der Realität wenig übereinstimmt: Muss ein Erkrankter husten oder niesen, „fallen die Tröpfchen im Vergleich zu einem Aerosol ziemlich schnell zu Boden“, weil sie schwerer sind als die Schwebeteilchen aus einem Sprühnebel, sagt Paul Hunter von der britischen Universität von East Anglia.

Hunter bleibt bei seiner bisherigen Einschätzung der Risiken, die vor allem bestehen, wenn jemand zu nah bei einem Infizierten steht oder Oberflächen berührt, auf denen Speicheltröpfchen haften. Nach dem Berühren kontaminierter Oberflächen besteht nämlich die Gefahr, dass man sich mit der Hand über das Gesicht fährt und sich seinerseits über Nase, Augen oder den Mund infiziert.

Infektion hängt von Menge der Viren ab
In der vom NEJM veröffentlichten Studie ließ sich das Virus noch bis zu drei Tage lang auf Kunststoff- oder Edelstahloberflächen nachweisen und auf Pappe bis zu 24 Stunden. Ob man sich aber tatsächlich infiziert, hängt von der „Menge der Viren“ ab. „Unser Rat lautet deshalb immer, sich vorsichtshalber regelmäßig gründlich die Hände zu waschen“, meint Experte Hunter dazu.

Andererseits kann eine Übertragung des Virus über die Luft derzeit auch nicht völlig ausgeschlossen werden. „Wir können die Idee nicht völlig beiseite wischen, dass das Virus in der Lage ist, eine bestimmte Strecke in der Luft zurückzulegen“, sagte der renommierte US-Immunologe Anthony Fauci dem US-Fernsehsender NBC. Sollte sich die Hypothese bestätigen, würde dies auch die bisherigen Ratschläge zu den geeignetsten Schutzmaßnahmen radikal verändern - beispielsweise die Annahme, dass es wenig sinnvoll ist, im Alltag Atemschutzmasken zu tragen, wenn man nicht krank ist.

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