05.03.2020 06:05 |

Prozess in Graz

Sportlerin angefahren, entführt, beinahe getötet

Freiheitsentziehung, schwere Nötigung, schwere Körperverletzung und versuchte Bestimmung zur Falschaussage - was hier ganz trocken juristisch formuliert ist, gibt wohl die schlimmsten Stunden der 27-jährigen Nathalie Birli wieder. Sechs Stunden mit Erinnerungen, die sie hoffentlich irgendwann verarbeiten, vermutlich aber nie mehr vergessen wird. Heute findet in Graz der Prozess gegen ihren Peiniger statt.

Es ist der 23. Juli 2019, als die Steirerin mit ihrem Rennrad eine Ausfahrt unternimmt. Plötzlich, wie aus dem Nichts, wird sie von einem Auto angefahren.

Sechs Schläge mit Werkzeugstiel
Als sie mit dem Fahrer sprechen will, schlägt dieser wie von Sinnen mit einem Werkzeugstiel sechs Mal auf sie ein. Ihre linke Elle und ihr Hinterhauptbein brechen, dazu kommen die Prellungen, Hämatome und Abschürfungen von dem Sturz.

Der zu diesem Zeitpunkt noch unbekannte Mann fesselt die Triathletin und verbindet ihr die Augen. „Ich habe Todesängste gehabt“, erzählte Nathalie damals. „Ich habe schon geglaubt, der bringt mich jetzt irgendwo in den Wald und vergräbt mich dort.“ Doch der 34-Jährige führt sie zu seinem Haus. Dort schleppt er sie über eine Stiege und sperrt sie in einen Kasten.

Panische Angst um kleinen Sohn
Als sie das Bewusstsein etwa zwei Stunden später wieder erlangt, liegt sie in einem Bett. Nackt und noch immer gefesselt. Neben den Schmerzen ist es dabei auch die Angst um ihren kleinen Sohn, die sie panisch macht.

Der Täter fordert sie auf, mit ihm Wein zu trinken - vielleicht war es in seinen Augen eine kranke Art eines romantischen Dates. Dann bringt er die Steirerin ins Bad, zwingt sie in eine Wanne mit eiskaltem Wasser.

„Das ist ein Vorgeschmack“
Als die junge Mutter zögert hineinzusteigen, wird er wütend und drückt ihren Kopf mehrmals unter Wasser. „Er hat dann gesagt: Das ist ein Vorgeschmack darauf, wenn ich nicht das tue, was er mir aufträgt.“

Später soll der 34-jährige Steirer ein weiteres Mal versucht haben, sie zu ersticken - indem er ihr ein Stoffstück gegen Nase und Mund drückt.

Sie kann ihn zur Freilassung bewegen
Doch er lässt von ihr ab, es entwickelt sich ein Gespräch. Er löst ihre Fesseln - und bringt sie nach sechs qualvollen Stunden in Gefangenschaft nach Hause: „Ich sollte sagen, dass ich mit dem Rad ein Reh angefahren hatte.“ Die Polizei nimmt den Peiniger kurz darauf fest.

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Ich habe meinen Mandanten als höflichen, freundlichen, bescheidenen, sehr vereinsamten Menschen kennengelernt. Doch er soll seine Geschichte lieber in seinen eigenen Worten erzählen.

Verteidiger Bernhard Lehofer

Heute findet in Graz der Prozess gegen den gelernten Gärtner statt. Wegen seiner laut Gutachten großer Gefährlichkeit ist eine Einweisung beantragt.

Für Nathalie Birli ist die Verhandlung hoffentlich wieder ein kleiner Schritt auf dem langen Weg der Aufarbeitung.

Eva Stockner
Eva Stockner
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