03.03.2020 09:00 |

Schneebrett ausgelöst

Kostenlawine für australischen „Glücksritter“

Die Suchaktion nach dem Lawinenabgang am Freitag im Tiroler Zillertal dürfte für den Australier, der das Schneebrett auslöste, teuer werden. Der 25-Jährige war der Lawine entkommen, ohne dies zu melden. Drei Helikopter und 16 Bergretter standen im Einsatz. Strafen, wie in Südtirol, lehnt die Bergrettung aber ab.

An sich ist der Australier ein Schoßkind des Glücks, quasi der Gustav Gans der Freeriderszene. „Er fuhr ohne Lawinenausrüstung in den steilen Hang im freien Gelände im Skigebiet Horberg. Das Schneebrett warf ihn aber wieder ab“, erzählt Andreas Eder, Ortsstellenleiter der Bergrettung Mayrhofen. „Hätte die Lawine den Mann weiter mitgerissen, wäre er 150 Meter über felsdurchsetztes Gelände abgestürzt – mit geringen Überlebenschancen.“

Der zunächst unbekannte Freerider fand es nicht nötig, den glücklichen Ausgang zu melden, ein Zeuge schlug jedoch Alarm, die Rettungskette kam in Gang. Drei Hubschrauber brachten 16 Bergretter und einen Suchhund zur Lawine. Der Skifahrer spazierte unterdessen zur Bergstation, wo man ihn auf das Schneebrett ansprach. Fazit: Die Suche konnte nach einer Stunde abgebrochen werden. Der Mann gab an, davon nichts gewusst zu haben.

Eigenverantwortung
„Leider gibt es pro Jahr zwischen zehn und 20 Einsätze nach sogenannten Negativlawinen“, informiert Gregor Franke von der Tiroler Bergrettung. Strafbar hat sich der Australier allerdings nicht gemacht, indem er das Auslösen des Schneebretts verschwieg. „Dafür sieht der Gesetzgeber keine Strafen vor“, weiß Viktor Horvath, Leiter der Tiroler Alpinpolizei. Er ist grundsätzlich kein Befürworter von Strafen, Eigenverantwortung sei gefragt: „Egal, ob man Zeuge einer Lawine wurde oder ihr selbst entkam - dies soll unbedingt gemeldet werden!“

Hermann Spiegl, Landesleiter der Tiroler Bergrettung, hält von Strafen ebenfalls nicht viel. „Unsere Südtiroler Kollegen raten davon ab“, sagt Spiegl. Weil in Italien nach einem Lawinenabgang stets der Staatsanwalt vor der Haustüre steht, machen sich die Verursacher unerkannt aus dem Staub, sofern sie nicht verschüttet wurden. Konsequenz: unzählige unbezahlte Fehleinsätze südlich des Brenners.

Der Australier muss hingegen tief in die Tasche greifen. Allein jede Einsatzstunde eines Bergretters wird mit 38 Euro verrechnet, von den Hubschrauberstunden ganz zu schweigen. „Ob das Geld eingebracht werden kann, stellt freilich eine andere Frage dar“, meint Spiegl.

Wichtig: Melder müssen die Einsatzkosten auf keinen Fall tragen!

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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