Joseph Schiefer aus Graz, Franz Krenn aus Abtissendorf oder Johann Pacher aus Dobrova (ehemalige Untersteiermark): Es sind Namen, die wohl schon lange in Vergessenheit geraten sind. Vielleicht sind es aber auch Namen von Personen, über deren Schicksal die Nachfahren bis heute rätseln.
Sie stehen - gemeinsam mit 1.471 weiteren Personen - auf Listen, die Peter Rieser von seiner Italienreise mitgebracht hat. Gestorben in Kriegsgefangenschaft, begraben in italienischer Erde, vergessen von den heimischen Behörden!
Niemand interessierte sich für Gräber
Wer die Listen überfliegt, bekommt eine Ahnung von der Größe des Habsburger-Reiches: Da stehen Ungarn neben Böhmen, Galiziern, Bosniern und Polen. Zum Teil sind nur die Namen überliefert, zum Teil aber auch genaue Daten wie Geburtsort und Sterbedatum. "Der Anstoß für meine Reise kam vom Journalisten Mario Sacca", erzählt Rieser. "Er hat uns darauf hingewiesen, dass auf vielen Friedhöfen k.u.k. Soldaten begraben sind, aber sich bisher keine offizielle Stelle in Österreich dafür interessiert hat." Im Schwarzen Kreuz fand Sacca den richtigen Ansprechpartner: Im In- und Ausland kümmert man sich um Soldatenfriedhöfe und Kriegsgräberanlagen.
Rieser spulte in Italien ein dichtes Programm ab: Die Reise führte über Kalabrien und Apulien bis Sizilien. Es gab Zeremonien, auch Gedenktafeln wurden enthüllt. Schon bald sollen die Namen der Verschollenen im Internet veröffentlicht werden. Wer einen in italienischer Kriegsgefangenschaft verstorbenen Ahnen vermutet, kann auch direkt das Schwarze Kreuz kontaktieren (Telefonnummer: 0316/321601). Damit die Ungewissheit vielleicht nach 90 Jahren endlich ein Ende hat.
Bild: Dieser Tage besuchte eine Delegation aus dem sizilianischen Vittoria die Steiermark. Am Grazer Zentralfriedhof legte man zusammen mit Peter Rieser (vorne re.) einen Kranz nieder - im Gedenken an die italienischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind.
von Jakob Traby, "Steirerkrone"
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