16.02.2020 06:00 |

Politik-Groteske

Steiermark zahlt für abgelaufene Schutzmasken

Seit elf Jahren zahlt das Land Steiermark Lagerkosten für mittlerweile „abgelaufene“ Grippe-Schutzmasken. Chinesen wollen sie aufgrund des grassierenden Coronavirus nun kaufen...

Erinnern Sie sich noch? 2006 war’s, da hielten Schweinegrippe, Influenza und andere Grauslichkeiten die Welt in Atem. Die WHO rief eine Pandemie (Länder und Kontinente übergreifende Infektionskrankheit) aus. Es brauchte Schutzmasken, auch in Österreich - und zwar in ordentlicher Dimension

Wie, auf gut Steirisch, die „aufg’scheuchten Hendl’n“ war die Politik unterwegs, die damalige Ministerin, Maria Rauch-Kallat ließ im Schnellschuss neun Millionen Schutzmasken ankaufen. Die Menschen sollten in die Apotheke gehen und sie zum günstigen Tarif kaufen. Die Aktion scheiterte grandios, von den neun Millionen ging gerade eine knappe Million weg. Was tun mit dem Rest? Lagern!

Seit mittlerweile elf Jahren dürfen sich Lagerhaus-Besitzer über fette Einnahmen freuen. Für Masken, deren Haltbarkeitsdatum längst abgelaufen ist

Schweigen über Miethöhe
Auch in der Steiermark. Im Süden von Graz stapeln sich - wie viele genau es sind, darüber gibt’s keine Auskunft - Zigtausende Kartons auf Paletten. Und das Land zahlt brav und pünktlich Miete dafür. Wie viel, auch darüber hüllt man sich in tiefes Schweigen

Eine Groteske, und es geht, wie so oft in der Politik, um Zuständigkeiten. Gekauft hat sie der Bund, Lager zahlt das Land. Warum eigentlich für Masken, die, weil das Ablaufdatum überschritten ist, ohnehin im Fall einer Pandemie nicht mehr verteilt werden?

„Minister hat Krisenstab gebildet“
Da kommt auch die Landessanitäts-Direktorin, Ilse Groß, auf „Steirerkrone“-Anfrage in Erklärungsnotstand. Der guten Ordnung halber muss man der Medizinerin zu Gute halten, dass sie erst kurz im Amt ist und die G’schicht geerbt hat. „Ja, wir haben solche Masken, aber, wie gesagt, die Problematik fällt in Bundeskompetenz, der Minister hat einen Krisenstab gebildet, wir werden sehen“

Hongkonger wollen steirische Masken
Was die Sache jetzt allerdings brisant macht, ist, dass es gerade in China, wo das Corona-Virus weiter wütet, einen Schutzmasken-Engpass gibt. Chinesen suchen weltweit danach, auch nach solchen, deren Ablaufdatum überschritten ist. Weil, alleweil besser als gar keinen Schutz zu haben. Eine Gruppe von Geschäftsleuten aus Hongkong wäre bereit, die steirischen Masken zu übernehmen, sie würden einen namhaften Betrag für ein karitatives Projekt, das vom Land benannt werden kann, spenden.

Klingt vernünftig: statt Lager-Kosten für etwas, das bei uns ohnehin als Abfall gesehen wird, Geld, um Gutes zu tun.

Gerhard Felbinger
Gerhard Felbinger
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