03.02.2020 16:30 |

Hans als lebende Ampel

Freund und Feind der Staugeplagten bei Wiesing

Jetzt im Februar erreichen die Urlauberreisewellen in Tiroler Skiorte neue Höhepunkte. Die Landespolitik will Anrainer an Ausweichrouten schützen, dazu braucht es Personal „an der Front“. An der Dorfeinfahrt Wiesing fungiert Hans aus Ebbs als eine Art lebende Ampel. Ein Besuch.

Haben Sie hier ’n Dixie-Klo? Meene Kids müssen dringend“, tönt es aus dem Auto mit dem Berliner Kennzeichen, nachdem sich das Fenster der Beifahrertür geöffnet hat.

Es ist der vergangene Samstag, 14 Uhr. Dichte Kolonnen wälzen sich über die Achenseestraße in Richtung Zillertal. An der nördlichen Ortseinfahrt von Wiesing steht „Absperrer“ Hans aus Ebbs. Wie viele andere Straßenaufsichtsorgane in den Bezirken Kufstein, Schwaz, Reutte und Innsbruck-Land soll er Urlauber davon abhalten, ihrem Navi zu folgen und eine elegante Abkürzung durch einen Ort zu nehmen. In diesem Fall, um die anderen Urlauber auf dem Weg nach Mayrhofen oder Zell abzuhängen.

Urlauber nicht selten 14 Stunden unterwegs
„Heute ist viel los, aber es geht viel schlimmer und manchmal stehen die Pkw 20 Minuten bei mir still. Grund ist meist die Blockabfertigung vor dem Brettfalltunnel“, erzählt der 63-Jährige. Nicht selten sind die Urlauber aus Norddeutschland, Holland oder Dänemark schon 14 Stunden unterwegs, wenn es auf den letzten Kilometern noch einmal so richtig stockt. Da bleibt hin und wieder auch die Höflichkeit auf der Strecke. „Ausreden kenne ich alle schon – einer will im Wiesinger Zentrum eine E-Tankstelle suchen. Andere ein Lebensmittelgeschäft, obwohl es an der Hauptroute gleich mehrere gibt“, erzählt Hans. Wenn jemand behauptet, in Wiesing eingemietet und damit fahrberechtigt zu sein, verlangt der „Absperrer“ die Buchungsbestätigung. So leicht lässt er sich in der bereits vierten Saison in diesem Job nicht mehr überlisten.

Die Balance zwischen Strenge und Verständnis
Die Kunst ist es, die Balance zwischen der strengen Einhaltung seiner Pflichten und Verständnis zu finden und auch einmal mit einer Portion Humor zu reagieren. Die gute Laune steht bei Hans auf dem Spiel, wenn es – wie kürzlich – fast den ganzen Samstag regnet. Unterschlupf hat er nämlich keinen. Dann ist der Dienst von 7.30 bis 18 Uhr kein Honiglecken. Der Trost ist dann der Zuspruch der Bevölkerung: „Viele sind dankbar, da gibt’s schon einmal zwei Wurstsemmeln. Und der Bürgermeister höchstpersönlich brachte kürzlich Kaffee und Schokolade.“

Hauptberuflich ist Hans übrigens Apotheken-Angestellter, seinen Nebenjob will er noch länger machen: „Der Verkehr wird immer schlimmer, es ist ein krisensicherer Job.“

Andreas Moser
Andreas Moser
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