12.01.2020 09:00 |

So lebten die Ahnen

Koralm-Baustelle: Archäologischer Schatz gehoben

Die Koralmbahn ist ein milliardenschweres Mega-Projekt: Die neue Bahntrasse wurde auch zu einer riesigen Grabungsstelle für steirische Archäologen. Bronzewerkzeuge, Steinbeile und Tontöpfe dokumentieren den Alltag der frühen Steirer - zu sehen in naher Zukunft in der Burg Deutschlandsberg.

Sie waren einfache Bauern, betrieben Viehzucht und handelten mit den Siedlern in der Nachbarschaft - die vorkeltischen Bewohner der heutigen Weststeiermark, die sich vor rund 3500 Jahren in den Tal-Lagen rund um Deutschlandsberg niedergelassen hatten. Sie hatten beeindruckende Kunsttechniken entwickelt, schmiedeten scharfe Bronzeschwerter, fertigten bauchige Tongefäße für ihre Getreidevorräte an, schenkten den Damen ihrer Herzen feinst gearbeiteten Goldschmuck.

Vieles von den Alltagsgewohnheiten der Menschen, ihren Überlebensmühen und dem handwerklichen Können wäre heute längst vergessen, hätte es nicht schon damals eigene Müllhalden gegeben, in denen Scherben zerbrochener Krüge oder abgesplitterte Messerspitzen landeten. Ein Glücksfall und eine wahre Fundgrube für die Wissenschafter von heute - wie für Andreas Bernhard, Archäologe am Burgmuseum Deutschlandsberg.

Schatz aus 6500 Jahren steirischer Geschichte
Letztere Institution bekam jüngst nämlich einen wahren Schatz aus 6500 Jahren steirischer Geschichte übereignet: zigtausende wertvolle Relikte aus der gewaltigen Zeitspanne zwischen Jungsteinzeit und früher Neuzeit. Wo diese kostbaren Überbleibsel unserer Vorfahren so lange schlummerten? Entlang der Trasse der Koralmbahn, in ebendiesen Abfallgruben der „Ursteirer“.

„Einige der während der Bauarbeiten gefundenen Stücke waren aber auch Objekte, welche die Menschen schlicht verloren hatten“, erklärt Bernhard, der uns in eine von der Stadt Deutschlandsberg zur Verfügung gestellte Halle führt. Hier lagern 800 Kisten, randvoll mit unwiederbringlichen archäologischen Kostbarkeiten; darunter kleine und große Keramikteile, aus Scherben rekonstruierte Vorratsgefäße, Steingeräte oder Metallstücke.

Groß St. Florian als wahre „Fundgrube“
„Eine große Fundstelle, die von Experten der Archäologie-Service-Stelle ARGIS im Auftrag der ÖBB wissenschaftlich bearbeitet wurde, lag in Grub bei Groß St. Florian“, berichtet Anton Steffan, Kurator des Burgmuseums. Aus dieser Gegend stammen die meisten Posten, die man von den Bundesbahnen zur Erhaltung für die Nachwelt bekommen hat. Vor Ort entdeckten die Ausgräber auch Reste von Siedlungen, Gebäude-Grundrisse und Herdstellen, zudem Reibplatten (die Vorläufer von Getreidemühlen), Beile aus Stein und Keramikobjekte.

Eine weitere archäologische „Baustelle“: In Kreswald an der B 64 wurde der erste bronzezeitliche Grabhügel der Weststeiermark freigelegt, in dem Reste einer Toten-Verbrennungsstelle zum Vorschein kamen. Zudem stieß das Grabungsteam im Boden auf Nadeln aus Bronze, mit denen unsere Ahnen zum Beispiel Schulterumhänge zusammenhalten konnten. „Das edelste Stück war aber eine Henkeltasse, mit der etwa Wasser geschöpft wurde“, weiß Bernhard.

Sonderausstellung auf Burg Deutschlandsberg
Was man nun plant: Mit den schönsten Koralm-Funden - sie wurden übrigens von der örtlichen Feuerwehr in das erwähnte Zwischenlager am Fuß der Burg transportiert - wird eine Sonderausstellung in der Burg Deutschlandsberg eingerichtet. „Viele helfende Hände haben dies ermöglicht“, dankt Bernhard, während er die Tore der Halle wieder hinter sich zuzieht.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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