15.12.2019 10:30 |

Steiermark History

Die geheimen Gänge der alten Grazer Burg

Die Burg hütet viele Geheimnisse: Der Herrschersitz des 15. Jahrhunderts hatte etwa einen zweigeschoßigen Übergang zur Domkirche, bei Renovierungsarbeiten im Jahr 2012 wurde eine mysteriöse Wandnische entdeckt und das Kapellenzimmer hat Fenster aus Panzerglas.

An einem Sonntag im Jahr 1453 lässt sich Kaiser Friedrich III. seine edlen, goldbestickten Repräsentationsgewänder anlegen und schlüpft in die feinen Schuhe aus Leder. Seit der Krönung im Jahr davor weilt der neue Herrscher des Heiligen Römischen Reiches nur selten in der alten Grazer Residenz. Bei seinem kurzen Aufenthalt diesmal möchte er aber die Heilige Messe in der Domkirche besuchen.

Der Himmel ist wolkenverhangen, vor der Burg regnet es in Strömen. Gut, dass er beim Bau der mächtigen Stadtfestung einen zweigeschoßigen Verbindungsgang von seinen Räumlichkeiten zum Dom errichten hat lassen, sinniert Friedrich. So kann er jetzt trockenen Fußes zu seiner privaten Herrscherloge gelangen und hoch über den Köpfen der Kirchengeher dem Hochamt beiwohnen. Ein halbes Jahrtausend später ist dieser historische Gotteshaus-Übergang längst aus dem Bild der Grazer Stadtkrone verschwunden. Im 19. Jahrhundert wurde das Bauwerk mit anderen desolaten Teilen der Grazer Burg - beispielsweise dem so genannten Trompetergang über dem Haupteingang - abgerissen. 

Der Kaiser zeigte dem Volk exotische Vögel
Doch es kommen auch wieder längst vergessene architektonische Schätze aus Friedrichs III. Zeit zum Vorschein. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 2012 stieß man auf eine mysteriöse kleine Wandnische an der Außenfassade der Burg. Zu erkennen waren Wandmalereien und sehr natürliche Darstellungen von Pflanzen und Vögeln. „Wir konnten eine Distel, einen Pfau und einen Sittich identifizieren. Offenbar handelte es sich um eine Ausstellungsnische für Prunkvögel“, erklärt Margit Stadlober, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Graz. Diese gefiederten Exoten wurden im 15. Jahrhundert nach Graz importiert, galten als Prestigeobjekte des Kaisers und wurden in diesem Mauervorsprung dem staunenden Volk präsentiert.


Zugeschüttete Geheimgänge
Zugeschüttet, verfallen und (fast) vergessen sind auch alte Geheimgänge im Sitz des Landeshauptmannes und seines Stellvertreters. Diese reichten sogar bis in die Sporgasse. Von der Existenz eines finsteren „Schlurfs“ im ersten Stock der Burg, direkt neben dem repräsentativen Weißen Saal, wissen etwa nur Eingeweihte. Wie der ehemalige Protokollchef des Landes in den 1980er-Jahren, Georg-Christoph Gartner. Er öffnet für uns die Garderobe, in der die Gäste von Ehrenzeichen-Verleihungen ihre Mäntel ablegen, und schließt ein kleines Türl auf. Dahinter kommt ein unverputzter, schmaler Gang zum Vorschein. „Er führte an sämtlichen Sälen der Burg vorbei - hier konnte in alten Zeiten verschwinden, wer nicht gesehen werden wollte“, schmunzelt Gartner.

Schusssichere Fenster im Kapellenzimmer
Der pensionierte Landesbeamte kennt sämtliche Geheimnisse der Burg, wie auch das des schusssicheren Fensters im nicht öffentlich zugänglichen Kapellenzimmer, einem früheren kaiserlichen Bethaus. „Der Raum sollte Ende der 1970er-Jahre für die Landesregierungssitzungen adaptiert werden. Da seine Fenster zum Burggarten zeigen, wurden sie mit Panzerglas verstärkt. Damit wollten die Regierer rund um Landeshauptmann Friedrich Niederl ein mögliches Schussattentat von außen verhindern“, erklärt Georg-Christoph Gartner. Übrigens fand hier dann nur eine einzige Sitzung statt.

Jörg Schwaiger
Jörg Schwaiger
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