22.11.2019 09:00 |

Lokalaugenschein

Spannender Einblick ins Gemeinschaftskraftwerk Inn

Seit 2014 wird am Gemeinschaftskraftwerk Inn (GKI) im Grenzgebiet gebaut. Krafthaus und Triebwasserstollen sind fertig, 2022 soll bereits der Probebetrieb gestartet werden.

Man ist dankbar, nicht Bauarbeiter, sondern „nur“ Journalist zu sein. Es ist kalt im Schweizerischen Ovella, in der Wehranlage im V-Tal. Dort, wo alles beginnen wird, wird der Inn auf einer Länge von 2,6 km gestaut werden, um Wasser in den 23 km langen Triebwasserstollen nach Prutz zu leiten. Im dortigen Krafthaus werden zwei Francisturbinen im Vollbetrieb 440 Gigawattstunden elektrischen Strom im Jahr erzeugen, das sind immerhin acht Prozent des Tiroler Stromverbrauchs.

„Das GKI hatte seine Anfänge schon in der Zwischenkriegszeit“, erläutert Projektleiter Johann Herdina, der zur Baustellenbesichtigung geladen hatte, „2003 wurde das Projekt wieder aufgegriffen und 2014 gestartet“.

604 Mio. Euro Investition
Der Baustellenrundblick lässt die gigantischen Hangsicherungsarbeiten über der Wehranlage erkennen, die auch Grund der Zeitverzögerungen waren. Plangemäß hingegen verliefen die Bohrungen des 23 km langen Triebwasserstollens, 5,8 m im Querschnitt und einem Höhenunterschied von 160 Metern, wenn das Wasser in Prutz auf die Turbinenschaufeln kracht. Von Maria Stein aus fraßen sich zwei Tunnelvortriebsmaschinen in entgegengesetzter Richtung durch den Fels. Die Führung in den Tunnel zeigt diesen unglaublichen Koloss, 200 Meter lang, 1000 Tonnen schwer.

„Eine ist schon weg, diese hier wird gerade abgebaut“, sagt Herdina. Auch das Krafthaus in Prutz, hauptsächlich unterirdisch, sei bereits fix und fertig. Man könne sich nun auf den letzten Teil, die Wehranlage und das Dosierkraftwerk, konzentrieren. Das GKI ist ein Gemeinschaftsprojekt von TIWAG (86%) und Engadiner Kraftwerken - es zählt zu den größten Laufwasserkraftwerken im Alpenraum und soll 2022 in den Probebetrieb gehen. Geplante Kosten: 604 Millionen Euro.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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