19.11.2019 13:45 |

Datenschutzprobleme

„Lernsieg“-App erzürnt die Lehrer in Salzburg

Ein Aufschrei ging durch die Lehrergewerkschaft, als die App „Lernsieg“ vorgestellt wurde: Seit dem Wochenende können Schüler ihre Lehrer in acht Kategorien mit Sternen bewerten. Einen sofortigen Stopp der App fordert der Salzburger Lehrerverein „SALVE“. Vereinsobfrau Christine Haslauer kritisiert: „Diese Art von Bewertung hat nichts mehr mit konstruktiver Kritik zu tun.“

Feedback schön und gut, aber bitte nicht so: Das ist der Tenor vieler Lehrer als Reaktion auf die App „Lernsieg“. Mit Sternchen können Schüler jetzt ihre Lehrer bewerten. Tür und Tor steht bei der App aber jedermann offen: „Man muss nicht einmal selbst an dieser Schule sein, es reicht eine anonyme Registrierung mit der Telefonnummer. Die Gefahr für Lehrer-Bashing ist dadurch natürlich groß“, beklagt sich Christoph Schwaiger, Lehrer am Polytechnikum Taxenbach.

„Das Meinungsbild wird komplett verzerrt“

Die erzürnten Lehrer plädieren stattdessen auf individuelles Feedback. „Die Rückmeldung aller meiner Schüler ist für mich wichtig. Bewerten mich jetzt aber per App nur zwei, der Rest der Klasse aber nicht, verzerrt das komplett das öffentliche Meinungsbild“, ärgert sich Lehrerin Alexia Bacher. Kurios: Obwohl sie selbst in der Karenz ist, wird die Musiklehrerin von der App aufgelistet. „Unsere Mensa hat bei der Bewertung fünf Sterne erhalten. Dabei haben wir nicht einmal eine an der Musikmittelschule Maxglan 2“, meint die junge Pädagogin verständnislos.

Auch Bildungsdirektor Rudolf Mair ist von den Sternchen wenig begeistert. Man könne konstruktive Rückmeldung geben, sondern nur Sternchen in „oberflächlichen Kategorien“, kritisiert der Lehrer-Chef.

Die Daten der Lehrer sind für jeden sichtbar

Großes Problem ist der Datenschutz: „Ich habe nie eingewilligt, dass mein Name und Arbeitsplatz in dieser App erscheinen“, ergänzt Bacher. Sie habe sofort eine Mail an den Zuständigen geschrieben, aber keine Antwort erhalten. Es ist zu erwarten, dass der Datenschutz dabei noch zu einem größeren Problem werden wird.

Stephanie Angerer
Stephanie Angerer
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