15.11.2019 06:00 |

„Krone“-Bim-Interview

Frau Klimt-Weithaler, ist die KPÖ die bessere SPÖ?

Claudia Klimt-Weithaler will die KP weiter im steirischen Landtag halten - in Graz sind die „Kummerln“ ohnehin fixe politische Größe. In der „Krone“-Kunst-Bim erklärte sie ihre kommunistischen Ideen für die Steiermark.

„Krone“:Frau Klimt-Weithaler, im Namen des Kommunismus wurden Millionen Menschen getötet. Fällt es da nicht schwer, sich noch Kommunistin zu nennen?
Claudia Klimt-Weithaler: Nein, denn die KPÖ hat sich ganz klar von den Verbrechen des Kommunismus losgesagt und diese verurteilt. Und wir sehen uns auch in der Tradition der österreichischen Kommunisten, die im Untergrund gegen Hitler und die Nazis gekämpft haben und so ein wichtiger Bestandteil in der Erschaffung der Zweiten Republik waren.

Sie sind gelernte Kindergartenpädagogin. Wie hat Sie Ihr Umgang mit Kindern auf die Politik vorbereitet?
Sehr gut, ich würde sogar sagen, es gibt keinen besseren Weg, um sich auf die Politik vorzubereiten. Als Pädagogin lernt man zuzuhören, auf Menschen einzugehen und zuerst nachzudenken, bevor man etwas sagt. Das sind Qualitäten, die es in der Politik braucht.

Ist die Politik nicht oft ein Kindergarten?
Ich wehre mich dagegen, das so zu sagen. Weil das andeutet, dass in Kindergärten nicht ernsthaft und gut gearbeitet werden würde.

Gut zwei Drittel Ihres Gehalts fließen in einen Sozialtopf. Wenn Sie sich die 4000 Euro einmal behalten könnten, was würden Sie kaufen?
Also ich bin keine große Prasserin. Aber wenn mir Geld übrig bleibt, dann versuche ich, die Welt zu sehen.

Welche kommunistischen Ideen könnten die steirische Wirtschaft ankurbeln?
Ich finde, die öffentliche Hand sollte mehr selbst in die Hand nehmen und nicht alles privaten Firmen und Investoren überlassen. Zum Beispiel in der Bildung, im Sozial- und Gesundheitsbereich oder auch bei den Wohnungen wünsche ich mir mehr Steuerung durch den Staat. Sonst würde ich vor allem in kleinere Firmen investieren, die vor Ort langfristig Jobs sichern.

Sie kommen aus dem Murtal. Die Region blüht zur Zeit dank Dietrich Mateschitz wieder auf, wie sehen Sie das?
Ich freue mich sehr für die Region, sehe es aber auch kritisch, dass man sich da so von einem Mann abhängig macht. Ich nenne ein Beispiel: Jeder Verein, der ein Fest macht, muss eine Lustbarkeitsabgabe zahlen. Aber wenn Herr Mateschitz seine Rennen macht, und die kann man jetzt auch aus Umweltsicht kritisch sehen, muss er die Abgabe nicht zahlen. Als unser Gemeinderat in Spielberg nachgefragt hat, warum, hieß es, man will es sich nicht verscherzen. Das geht einfach nicht: Was für jeden Verein gilt, muss auch für einen Milliardär gelten.

Warum ist Graz so eine kommunistische Hochburg?
Ich glaube, wir haben uns über viele Jahre einen guten Ruf erarbeitet, weil wir ein bisschen anders und sozialer Politik machen als die anderen. Wenn ich jeden Monat mit den 6000 Euro heimgehen würde, die mir als Klubchefin zustehen, würde ich die Probleme der arbeitenden Gesellschaft auch nicht mehr verstehen. Und dank der Mietrechtsberatung stehen unsere Türen immer offen und wir erfahren wirklich, wo der Schuh drückt, und versuchen genau dort Initiativen zu starten.

Zum Thema Leitspital Liezen: Die steirische KPÖ war da ja immer kritisch, wie sehen Sie das Projekt nach der Landtagswahl?
Ich glaube, das Leitspital Liezen hat eine nicht unwichtige Rolle gespielt, dass wir früher wählen, weil so vieles an dem Projekt noch nicht klar war. Ich glaube, man wird das Projekt nach der Wahl wieder in Angriff nehmen, aber finde, man sollte da die Wünsche der Bevölkerung viel mehr einbeziehen. Und ich will da nichts verhindern, ich bin sehr für Reformen im Gesundheitsbereich, aber es darf halt am Ende nicht weniger werden. Und wenn aus drei Spitälern eines wird, dann wird definitiv weniger.

Wie gehen Sie mit dem Ruf der Kommunisten als ewige Verhinderer um?
Mit dem kann ich im Grunde sehr gut leben, weil ich finde, dass es manchmal verantwortungsvoller ist, nein zu sagen, als alles gleich durchzuwinken.

Sind die Kommunisten die besseren Roten?
Früher einmal war die SPÖ eine Arbeiterpartei, die sich für deren Anliegen eingesetzt hat. Und wenn man es so sehen will, dann sage ich ja, weil wir für die arbeitende Bevölkerung da sind.

Was ist Ihr persönlicher Beitrag zum Klimaschutz?
Ich fahre eigentlich immer mit dem Rad oder mit der Bim. Das Auto nehme ich nur sehr selten. Wir trennen zu Hause sehr genau den Müll und ich bin die, die immer das Licht abschaltet und schaut, dass keine Geräte länger laufen als nötig.

Haben Sie Laster?
Ja, ich rauche viel zu viel!

Erklären Sie einem Kind, warum man Sie wählen soll.
Die KPÖ soll man wählen, weil eine andere Welt möglich ist, eine bessere. Im Moment ist es leider so, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Es gibt ein paar, die können sich alles leisten und immer mehr Menschen werden immer ärmer. Und ich bin für die da, die ärmer werden, weil ich glaube, dass man alles viel besser aufteilen könnte. Wer die KPÖ wählt, der wählt die soziale Gerechtigkeit.

Interview: Christoph Hartner und Gerald Schwaiger

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