11.11.2019 08:00 |

Im Fall David

Zwei Ärzte, ein Spital und ihre Rollenbilder

Vergangenen Donnerstag wäre David P. drei Jahre alt geworden. Eine völlig misslungene Operation kostete dem Kind das Leben. Zwei Ärzte müssen vor Gericht. Der Fall hat die SALK schwer getroffen. Hat er was verändert?

Der 7. November ist ein schmerzhafter Tag für Davids Eltern: Ihr verstorbener Sonnenschein hätte seinen Geburtstag gehabt. Der Tag weckt nur noch Erinnerungen an jenen schicksalhaften 16. April 2018, der alles veränderte. Eine Bagatell-Operation auf nicht-nüchternem Magen. Ein zu viel an Narkosespritzen.

Es war, wie Gutachter Michael Zimpfer zusammenfasste, ein „bedauerlicher und äußerst erschütternder tödlicher Behandlungsverlauf.“ Davids behandelnde Ärzte – ein Kindchirurg und ein Anästhesist, beide selbst Väter – haben allen Gutachten nach versagt. Am 11. Dezember werden sie im Landesgericht Rede und Antwort stehen müssen. Grob fahrlässige Tötung wird ihnen vorgeworfen. Beide haben ihren Job jetzt auch endgültig verloren.

Die Salzburger Landeskliniken sind – zumindest im Strafverfahren – nurmehr in der Zuschauerrolle. Durch das Verbandsverantwortlichkeitsgesetz – das Strafrecht für Firmen – wäre ein Platz auf der Anklagebank denkbar gewesen. Aber nur denkbar, die Staatsanwaltschaft entschied sich dagegen. Kein Organisationsverschulden, kein Fehlverhalten leitender Angestellter, wie es heißt. Oberärzte seien keine leitende Funktion. Scheinbar auch nicht das Mitschreiben an Klinik-Richtlinien in Sachen Patienten-Aufklärung, wie im Falle des Kinderchirurgen.

SALK wird auch keinen Schadenersatz fordern
Selbst Stefan Rieder, der Anwalt der Eltern, verzichtet auf einen Antrag zur Fortführung der Ermittlungen in puncto SALK. „Wegen der Gutachtenslage“, verweist Rieder auf Zimpfer. Tatsächlich schreibt der Gutachter: Allgemein-präventive Maßnahmen hätten die Komplikationen nicht verhindern können. „Ein Fehlverhalten der SALK ist somit nicht nachweisbar.“

Die SALK könnten sich sogar dem Strafverfahren anschließen und als „Opfer“ Schadenersatz fordern. Was sie aber nicht tun werden, lässt der neue Klinik-Sprecher ausrichten: „Die SALK werden sich dem Verfahren nicht als Privatbeteiligte anschließen oder Schadenersatz fordern, das obliegt der Haftpflichtversicherung.“ Die Angeklagten dagegen könnten mit dem Dienstnehmerhaftpflichtgesetz (DHG) argumentieren: Dies könnte sich sogar mildernd auswirken. Es bleibt abzuwarten, wie die Strafrichterin entscheiden wird.

Handlungsanleitung für Ärzte-Entscheidungen
Den größten Kritikpunkt dürften die SALK spät aber nun doch erkannt haben: ihr fragwürdiges Auftreten, der fragwürdige Umgang mit dem Todesfall. Wenig überraschend machte SALK-Geschäftsführer Paul Sungler den Ex-Journalisten Wolfgang Fürweger zum neuen Sprachrohr und Leiter der Unternehmenskommunikation. Fürweger kündigt einen „offenen Dialog“ an, spricht auch von „gezogenen Konsequenzen“ im Fall David. So wurde das gesamte medizinische Personal auf die Einhaltung der SOP-Regeln (Standard Operating Procedure) hingewiesen. Im Falle einer „dringlichen OP-Indikation“ wird nun jedes Mal eine Blutuntersuchung durchgeführt. Unterlagen zur Patienten-Aufklärung wurden präzisiert, zusätzliche Schulungen angeboten. Bei Ärzte-Entscheidungen gibt es eine „klare Handlungsanleitung“ und „strenge Dokumentationspflicht.“

Umgang mit dem Prinzip der Menschlichkeit
Ob dies einen zweiten Fall David verhindert, wird die Zukunft weisen. Fürweger kann sich aber die Worte seines Tiroler Pendant, Johannes Schwamberger von den Tilak, gleich notieren, der mit dem Fall Amel eine ähnliche Krise meisterte: „Wir verfolgen das Prinzip der Menschlichkeit und größtmöglichen, eben auch rechtlich erlaubten, Offenheit. Nur so sind unsere tatsächlichen Bemühungen um Aufarbeitung auch glaubhaft. Wichtige Dinge wie der laufende Kontakt, Hilfsangebote und eine aufrichtige Entschuldigung können viele Situationen schon im Vorfeld entschärfen.“

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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