09.11.2019 11:30 |

Hälftebesitzer uneinig

Jenbach: Stelzen-Bau wegen marodem Gebäude

Bei der Verbreiterung der Kasbachstraße in Jenbach steht ein abbruchreifes Haus im Weg, dessen einheimische Bewohner liebend gerne abgewandert wäre. Ein Münchner, der eine Gebäudehälfte geerbt hat und kaum da ist, verweigerte aber jede Ablöse. Folge: Die Fahrbahn muss künftig zur Seite schwenken, seit Monaten ist eine Mega-Baustelle im Gang.

„Bei unserem Haus war eine Engstelle, hier hat es sich täglich gestaut, der Verkehr direkt vor der Tür ist seit der Existenz der Navi-Geräte enorm gestiegen“, erzählt Hälfteeigentümer Klaus Peterwagner (65).  Bei der Planung der Straßenverbreitung wurde dem ehemaligen Tankstellenbetreiber ein Angebot gelegt, ohne eigene Mehrkosten in ein anderes Haus in Jenbach übersiedeln zu können. Das Uralt-Haus, das normalen Wohnstandards längst nicht mehr erfüllt, hätte man abgerissen . . .

Zweiter Eigentümer nur sporadisch in Tirol
. . . wäre da nicht der deutsche Besitzer der anderen Haushälfte, der nur sporadisch in Tirol ist. „Wir haben uns intensiv bemüht und ihm ein sehr faires Angebot für den Verkauf gemacht. Doch wir sind gescheitert und enteignen können wir den Besitzer auch nicht“, schildert Jenbachs Bürgermeister Dietmar Wallner.

„Durchzugsverkehr fährt fast über die Zehen“
Bewohner Peterwagner ist nun dazu verurteilt, weiter an der viel befahrenen Route zu wohnen. „Der Gehsteig vor dem Haus ist noch einmal um zehn Zentimeter schmaler geworden. Die Autos fahren mir mit 60 bis 70 km/h fast über die Zehen.“ Die Straßenplaner des Landes mussten nun eine Variante wählen, bei der die Kasbachstraße auf Pfeilern quasi einen Bogen um das Haus macht. Unterbau, Spritzbetonwände, Errichtung der Stelzen, die Verlegung der Wasserleitung und eine 60 Zentimeter dicke Betonauflage sind unter anderem nötig – seit Monaten wird gearbeitet.

Schildbürgerstreich?
Im Ort schütteln manche den Kopf über den Aufwand und die „Krone“ fragte beim Land nach: Zwang hier ein Anrainer die öffentliche Hand zu einem teuren Schildbürgerstreich? Nach internen Recherchen sagte Christian Molzer, Leiter der Abteilung Verkehr und Straße: „Das Projekt kostet 1,2 Millionen Euro, davon zahlt 300.000 Euro die Gemeinde.“ Und ergänzt überraschenderweise: Die Variante sei „kostenneutral“ im Vergleich zum Hangverlauf der Straße, den ein Hausabriss möglich gemacht hätte. Mit dem Bau befasste Insider können dies nur schwer glauben.

Spätes Ja zum Verkauf kam leider zu spät
Die Pointe zum Schluss: Der deutsche Hausbesitzer wollte – als die nunmehrige Baustelle schon anlief – einen Rückzieher machen und sein selten genutztes Refugium doch noch verkaufen – es war aber zu spät.

Andreas Moser
Andreas Moser
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