04.11.2019 20:51 |

Mit 20.000 € dotiert

Buchpreis geht heuer an Norbert Gstrein (58)

Der in Hamburg lebende Tiroler Autor Norbert Gstrein (58) ist am Montagabend im Wiener Kasino am Schwarzenbergplatz für seinen Roman „Als ich jung war“ mit dem Österreichischer Buchpreis 2019 ausgezeichnet worden. Der zum vierten Mal verliehene Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Den mit 10.000 Euro dotierten Debütpreis erhielt Angela Lehner für „Vater unser“.

Norbert Gstrein, am 3. Juni 1961 in Mils in Tirol geboren, ist für sein literarisches Werk bereits vielfach ausgezeichnet worden, u.a. mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis. Zuletzt erschienen die Romane „Eine Ahnung vom Anfang“ (2013), „In der freien Welt“ (2016) und „Die kommenden Jahre“ (2018). In „Als ich jung war“ erzählt er gleich mehrere Geschichten und verwebt diese gekonnt.

Jury: „Gstrein setzt Zeichen um Zeichen“
„Protagonist seines Romans ist ein Wirtssohn, der einige Jahre als Skilehrer in den USA gearbeitet hat, um dann nach Österreich zurückzukehren. Franz erzählt uns seine Geschichte, aber je mehr Details er vorbringt, umso unsicherer wird der Leser. Eine Braut ist gestorben - aber wie? Ein Mädchen wurde vergewaltigt - vielleicht. Ein anderes Mädchen ist verschwunden - wohin? Norbert Gstrein setzt Zeichen um Zeichen“, befand die Jury. „Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung, aber im Gegensatz zum Detektivroman gibt es hier kein Superhirn, das die Zeichen eindeutig interpretieren könnte.“

Gstrein nicht persönlich anwesend
Den Preis übergab u.a. Sektionschef Jürgen Meindl in Vertretung des verhinderten Kultur- und Außenministers Alexander Schallenberg. Es sei bereits der dritte zuständige Minister im vierten Jahr des Preises, merkte Burgschauspieler Philipp Hauß, gemeinsam mit seiner Kollegin Dorothee Hartinger traditionell Moderator der Veranstaltung, an: „Jedes Jahr ein neues Gesicht.“ Auch Preisträger Gstrein war nicht persönlich anwesend. Von ihm wurden Dankesworte sowie ein kurzer Auszug aus einem neuen, in Arbeit befindlichen Roman über einen 60-jährigen Schauspieler verlesen.

Auf der Shortlist standen auch Raphaela Edelbauer („Das flüssige Land“), Karl-Markus Gauß („Die abenteuerliche Reise durch mein Zimmer“), Sophie Reyer („Mutter brennt“) und Clemens J. Setz („Der Trost runder Dinge“). Den Österreichischen Buchpreis gewannen bisher Friederike Mayröcker, Eva Menasse und Daniel Wisser.

Debütpreis in weiblicher Hand 
Ganz in weiblicher Hand bleibt dagegen weiterhin der Debütpreis: Nach Friederike Gösweiner, Nava Ebrahimi und Marie Gamillscheg ging heute auch der vierte Debütpreis an eine Autorin. Angela Lehner, in Berlin lebende Klagenfurterin des Jahrgangs 1987, wurde für ihren ersten Roman „Vater unser“ heuer bereits mit dem Franz-Tumler-Literaturpreis und dem Literaturpreis Alpha ausgezeichnet und stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Über ihre in einer psychiatrischen Anstalt befindliche Ich-Erzählerin Eva Gruber hatte es schon in der Volksschule geheißen: „Die Eva lügt immer“. „Unzuverlässig ist sie, die Erzählerin, respektlos und verletzlich zugleich, und sie kehrt damit nicht nur die Welten der Irren und der Normalen um, sondern stellt auch sämtliche, zumeist männliche Autoritäten und deren Ordnungen infrage“, meinte die Jury zu dem Roman, der „Familiengeschichte, Krankenhausreport und Krimi in einem“ sei.

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