04.11.2019 13:00 |

Borkenkäfer

Kalter Mai bewahrte Tiroler Wald vor dem Supergau

Spätestens seit den katastrophalen Schäden im Mühlviertel ist klar: Der Borkenkäfer kann ganze Wälder ausradieren. Auch die Tiroler Waldbewirtschafter saßen auf Nadeln!

Tief ins Gedächtnis gebohrt haben sich die unfassbaren Bilder von hektarweisem Fichtenkahlschlag im Mühlviertel. Der Borkenkäfer zerstörte heuer riesige Nutzwaldgebiete im Osten Österreichs, in Bayern und Tschechien, für die Waldbesitzer der Supergau. „Das Problem ist die sich häufende Kombination von Wärme und Trockenheit“, weiß Landesforstdirektor Josef Fuchs, „die stresst die Bäume und sie senden Duftstoffe aus, die der Borkenkäfer wahrnehmen kann.“

Psychischen Stress hatten auch die Waldbesitzer in Tirol bis vor kurzem. Die außergewöhnlich hohen Oktobertemperaturen bargen nämlich ein Risiko, das auch für den Tiroler Wald fatale Folgen hätte: Sind die Witterungsbedingungen für den „Buchdrucker“ optimal (über 16 Grad), kann sich eine dritte Generation bilden, durch die es zu einem unglaublichen Exponentialeffekt kommen kann: Aus 200 Käferweibchen können sich bis zu 3,2 Millionen Nachkommen bilden! Ein aussichtsloser Kampf gegen die kleinen Monster, die die Nährstoffbahnen unter der Rinde zerstören. Der Baum ist dann dem Tode geweiht und muss gefällt werden.

3. Generation blieb aber aus
Diesen ungleichen Kampf dürfen sich die hiesigen Waldbauern heuer sparen, denn vom Landesforstdirektor gibt‘s Entwarnung: „Gott sei Dank war der Mai außergewöhnlich kalt. So konnte sich die befürchtete dritte Generation nicht entwickeln.“ Grundsätzlich sei das heurige Jahr – im Gegensatz zu den drei vergangenen (siehe Grafik) – ein Jahr ohne Auffälligkeiten, die Menge des Schadholzes habe sich im Vergleich zum Vorjahr sogar halbiert. „Der letztjährige Oktobersturm in Osttirol fegte rund 600.000 Festmeter Bäume um“, fährt Fuchs fort, „da besteht immer die Gefahr, dass sich im Schadholz eine Riesenmenge an Käfern entwickelt. Auch da hatten wir Glück, das Holz ist offensichtlich über den Winter gut ausgetrocknet.“

Das Wichtigste: schnell und gezielt reagieren
Dass Tirol an einer Katastrophe vorbeischrammte, sei aber nicht nur dem Glück zu verdanken, sondern auch den Strukturen. Den Waldaufseher in jeder Gemeinde gebe es nur in Tirol und Vorarlberg und dessen Rolle sei im Kampf gegen den Borkenkäfer zentral. Fuchs: „Das Wichtigste ist, schnell zu reagieren und das machen unsere Waldaufseher in enger Zusammenarbeit mit den Bezirksforstinspektionen exzellent.“ Eine Art Notfallplan definiere exakt die Maßnahmen, die im Ernstfall zu treffen sind.

Allerdings ein schwacher Trost für die Waldbewirtschafter, denn die müssen nach dem verheerenden Sturmtief „Vaia“ das Sinken des Holzpreises um ein Drittel hinnehmen. Was wird für die Zukunft wichtig sein? Josef Fuchs: „Eine saubere Waldwirtschaft, schnell reagieren und vermehrt Mischwälder pflanzen.“

Hubert Daum

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