26.10.2019 09:00 |

Trotz Felssturzgefahr

Obwohl Sperrgebiet, rollt Verkehr über die A13

Am 7. April 2011 krachte ein vier Kubikmeter großer Felsbrocken in ein Wohnhaus in Gries am Brenner in Tirol. Die Folge: Auf einer Länge von knapp einem Kilometer wurde ein Sperrgebiet wegen Steinschlaggefahr verhängt. Die Verordnung ist bis heute gültig. In diese Zone fällt auch ein Teil der Brenner Autobahn, doch dort rollt der Verkehr seither munter weiter.

Auf der südwestlichen Hangseite im Ortsteil Lueg ereignete sich der Felssturz, der das Wohnhaus Lueg 218 stark beschädigte. Verletzt wurde niemand, die Familie wurde - auch auf eigenen Wunsch - ausgesiedelt.

Landesgeologe: Weitere Felsstürze nicht auszuschließen
Ein Landesgeologe wurde mit der Begutachtung des Hanges beauftragt. Die Beurteilung hat gezeigt - das geht aus der „Krone“ vorliegenden Dokumenten hervor -, dass weitere Fels- und Blockstürze rund um das Haus im Süden nicht auszuschließen seien. Und da sich diese Gefährdung sogar bis nördlich des Fußballplatzes der Gemeinde hinzieht, wurde Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner, empfohlen, eine Betretungsverbotszone von einem Kilometer Länge zu verordnen.

Ausführliche Begründung
„Der Bürgermeister ist diesem fachlichen Ratschlag gefolgt. Begründet wird diese Zone durch die herrschende Gefahr von Steinschlag, Blocksturz und Felsabbrüchen bzw. Felsstürzen aus der westlich der Sill sowie über der Luegbrücke der A13 Brenner Autobahn aufragenden Felswandbereich“, heißt es seitens der Landesgeologie.

„Diese Vorgehensweise ist völlig unlogisch“
Die A13 wird dezidiert erwähnt, eben weil sich die Abbruchstelle des Felssturzes von 2011 rund 100 Meter oberhalb der Brenner Autobahn befindet. „Ein Abschnitt der A13 ist somit auch Teil dieses ausgewiesenen Sperrgebietes“, verdeutlicht Mühlsteiger. Dennoch rollt auf der Autobahn der Verkehr bedenkenlos weiter - und zwar seit mittlerweile acht Jahren. Außerdem wurden zum Beispiel keine Auffangnetze oder Ähnliches entlang der Straße montiert.

Das sorgt nicht nur bei Anrainern in Gries am Brenner für Verwunderung, sondern auch bei Bewohnern des angrenzenden Stubaitals. „Es ist vollkommen unlogisch, dass die A13 seit dem Erlass der Verordnung in der Praxis einfach so ausgeklammert wird. Enorme Stein- und Felsbrocken können jederzeit gegen die Pfeiler donnern, diese verschieben und im schlimmsten Fall große Schäden verursachen“, äußert Martin Johann Schöpf, der im Stubaital wohnt, Bedenken.

„Die Intention dahinter weiß ich leider nicht“
Fakt ist somit: Obwohl sich die A13 seit 2011 innerhalb der Sperrzone befindet, hat man nichts gegen die akute Steinschlag- und Blocksturzgefahr unternommen. Wie kann das sein? „Die Intention dahinter weiß ich leider nicht, doch das kann bestimmt die Asfinag beantworten. Die Felsen würden wohl überwiegend unter der Brenner Autobahn durchdonnern. Zudem dürfte es als Autobahnbetreiber nicht ganz so einfach sein, eine Autobahn zu sperren“, schildert Mühlsteiger.

„Für A13 besteht gar keine Gefahr“
Die „Tiroler Krone“ hat bei Günter Fritz, Projektleiter bei der Asfinag, nachgefragt. Er verteidigt die beschlossene Vorgehensweise.

„Krone“:Sie kennen das nach wie vor gültige Fachgutachten und bestätigen, dass die A13 Teil dieses aufgelisteten Sperrgebietes ist - korrekt ?
Günter Fritz: Ja, das stimmt. Uns ist das Fachgutachten der Landesgeologie bekannt und es stimmt, dass die Brenner Autobahn in diesem Sperrgürtel aufgelistet ist. Doch für die A13 bestand nie eine Gefahr.

Obwohl sich der Steinschlag rund 100 Meter oberhalb der Brenner Autobahn gelöst hatte?
Ja, so ist es. Wir haben viele zusätzliche Untersuchungen gemacht und dabei stellte sich heraus, dass für den fließenden Verkehr keine Gefahr besteht. Falls sich Steine lösen, würden diese nicht so hoch springen, dass sie auf die Fahrbahn gelangen könnten.

Doch die Steine könnten gegen die Brückenpfeiler der Luegbrücke donnern?
Auch für die Pfeiler besteht keine Gefahr. Sollten tatsächlich enorme Steine herunterkrachen, würden diese in zahlreiche kleine Steine zerfallen und sich eine Art Steinlawine bilden. Diese Lawine würde folglich die Pfeiler zwar beschädigen, aber überwiegend um sie herum fließen.

Und warum wurden bis zum heutigen Tag keine Netze entlang der Brenner Autobahn montiert?
Weil die Untersuchungen gezeigt haben, dass gelöste Steine eben niemals auf der Fahrbahn landen würden. Temporäre Netze werden nur montiert, wenn Asfinag-Mitarbeiter in diesem Bereich Bohrungen durchführen müssen.

Obwohl für die A13 keine Gefahr besteht, wieso ist sie dann überhaupt Teil dieses Sperrgebiets?
Für diese Ausweisungen sind nicht die Mitarbeiter der Asfinag zuständig.

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