Bodenverbrauch in OÖ

Täglich drei Fußballfelder für Bau und Beton

Boden ist ein kostbares Gut, doch eine Verbauung von 1,9 Hektar pro Tag lässt diese Lebensgrundlage rapide schwinden. Die Raumordnung führt teilweise zu Fehlentwicklungen, an einer Novellierung wird derzeit noch gefeilt. Umweltanwalt Martin Donat sowie Landwirtschaftskammer erhoffen sich strengen Bodenschutz.

„Man hat die Illusion, Oberösterreich ist grenzenlos“, sagt Martin Donat, OÖ Umweltanwalt, wenn er über Flächenwidmung und Raumordnung spricht und über Bauvorhaben, etwa die Entwicklung von Betriebsbaugebieten „auf der grünen Wiese“. Dass pro Tag 1,9 Hektar in Oberösterreich verbraucht werden, erschüttert ihn: „Das entspricht einer Verbauung von 2,7 Fußballfeldern pro Tag.“ Insgesamt liegt der Bodenverbrauch aktuell bei rund 7 Quadratkilometern pro Jahr, das entspricht dann ca. 1000 Fußballfeldern. Oberösterreich (Gesamtfläche 12.000 Quadratkilometer) ist unter den Bundesländern negativer Vorreiter, was Flächenfraß betrifft.

In die Höhe
Der größte „Fresser“ ist die Bauland-Entwicklung samt Infrastruktur: „Es bleibt nicht nur beim Betriebs- oder Wohnbau, sondern Straßen, Parkflächen, Infrastruktur rund um diese Projekte beschleunigen den Bodenverbrauch“, so Donat. Ein konkretes Beispiel: In der Gemeinde Schwertberg sollen als Autoabstellfläche einer Firma - zusätzlich zu bestehenden großen Abstellfläche - wieder 5 Hektar umgewidmet und versiegelt werden. „Warum wird nicht mit begrünten Parkdecks in die Höhe gegangen? Solche Raumordnungsverfahren sind die Nagelprobe, ob man es mit dem Bodenschutz wirklich ernst meint - oder eben nicht“, sagt Donat, der sich von der geplanten Novellierung des OÖ Raumordnungsgesetzes nicht nur deutlich Bodenschutz erhofft, sondern auch ein Revitalisierungs- und Entsieglungsgebot verbauter, aber ungenutzter Flächen.

Landwirtschaft verliert Boden
Übermäßiger Bodenverbrauch führt vor allem in Ballungsräumen dazu, dass der Boden der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen wird. Die Ressource Boden kann jedoch nicht vermehrt werden. So dauert die Neubildung von einem Zentimeter Humus rund 100 Jahre. Ebene Wiesen und Äcker sind für die Landwirtschaft besonders bedeutend. Gerade diese aber werden auch für Betriebsbau- und Siedlungsgebiete bevorzugt. In der Vergangenheit wurden Äcker, die auf ebenen Flächen verloren gingen, auf Hanglagen neu angelegt. Dieser Umstand kann den Verlust an ebenen hochwertigen Flächen jedoch nicht ersetzen.


Böden schützen
Auch Landwirtschaftskammer-Chefin Michaela Langer-Weninger appelliert: „Zum Schutz unserer Nutzböden müssen landwirtschaftliche Vorrangflächen ausgewiesen werden, die auch in Flächenwidmungsplänen zu übernehmen sind.“ Darauf soll keine Baulandentwicklung möglich sein. Denn: „Boden ist so wertvoll wie Luft und Wasser!“

Wird unser schönes Oberösterreich bald nur mehr aus gepflasterten Plätzen, Straßen und unpersönlichen Betriebsbaugebieten bestehen? Martin Donat (41), Umweltanwalt des Landes Oberösterreich, rät dringend zum ernsthaften Schutz hochwertiger Böden.

„Krone“: Wenn die grüne Wiese rigoros verbaut wird, was verlieren wir?
Martin Donat: Oft fallen qualitativ hochwertige Böden zum Opfer. Nicht nur die Menge, auch die Bodenqualität muss künftig die Raumordnung beeinflussen.

„Krone“: Was erhoffen Sie?
Martin Donat: Die geplante Novelle zum Raumordnungsgesetz wird die Nagelprobe, ob wir es mit Bodenschutz ernst nehmen oder ob wir homöopathischen Bodenschutz mit einzelnen Vorzeigeprojekten, aber wenig Breitenwirkung betreiben.

Elisabeth Rathenböck, Kronen Zeitung

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