06.10.2019 07:15 |

„Krone“ war live dabei

Gigantisch: Wenn der Hirsch nach Liebe ruft

Es ist ein gigantisches Naturereignis, das man so schnell nicht vergisst: Derzeit ist Hirschbrunft – und der Brunftschrei dieses majestätischen Tieres mit dem eindrucksvollen Geweih schallt durch die steirischen Wälder – zumindest dort, wo Rotwild noch erlaubt ist. Wir durften hautnah dabei sein.

Vor das Erlebnis hat in dem Fall nicht der liebe Gott, sondern der erfahrene Waidmann den Schweiß gesetzt. Und auch wenn er es nicht zugibt – mit diesem Pirschgang, der buchstäblich atemraubend steil hangaufwärts führt, will er sicher auch unser Durchhaltevermögen testen. Mit kleinen Schritten, dunkel gekleidet – rot oder blau wirken auf die Wildtiere wie Signalfarben – kämpfen wir uns durch den Wald, penibel darauf bedacht, bloß nicht auf eine knackende Wurzel zu steigen. Zum Glück ist uns der Wind hold, denn würde nur eine Hirschkuh uns riechen – und das kann sie über hunderte Meter – wäre die ganze Gruppe fort.

Und dann hören wir den ersten Brunftschrei – so einen Laut muss man erst einmal vernommen haben, um ihn überhaupt für möglich zu halten! Tief, langgezogen, langanhaltend röhrt es über hunderte Meter durch den Wald – wäre jetzt ein wilder Bär durch die Stämme gebrochen und auf uns zugekommen, hätte uns das vom Geräusch her auch nicht gewundert. Oder ein Dinosaurier. Jurassic Park. Mitten in der Steiermark!

Oder besser, hier bei Frohnleiten, wo der Unternehmer Franz Mayr-Melnhof-Saurau noch einen richtig beispielhaft gut geführten Forst hat. In dem Fall ist es Helmut Wilding, der junge Familienvater (34), der die „Schäfchen“ in seinem 3000 Hektar großen Bereich unter Kontrolle hat. Er weiß auch, wo die Hirsche „stehen“: „Sie haben über Jahre ihr angestammtes Revier“, sagt der Profi. Und dann brauchen sie nur noch zu warten: Hirschkühe ziehen nämlich grüppchenweise Runden – und wenn sie ins Revier des Hirsches kommen, dann umrundet er sie, bringt sie so davor ab, es wieder zu verlassen. Bis sie „beschlagen“ sind, also guter Hoffnung für das nächste Jahr. Was der Hirsch an ihnen „schmeckt“, also riecht.

Erst hören wir sie. Dann sehen wir sie: idyllisch auf einer Lichtung, der Dunst steigt durch den leichten Regen im Gegenlicht auf, ein Hirsch mit sieben „Damen“. Ein prächtiges, mächtiges Tier. Das seinen Kopf in den Nacken legt - und dann Brunftschreie ausstößt, die Tote wecken könnten. „Er spannt dafür alle Halsmuskeln extrem an“, erklärt Wilding. Und: „Damit sagt er eigentlich nichts anderes, als dass er hier der Chef ist.“ Rivalen nehmen die Warnung hoffentlich ernst; denn ein Kampf ist brutal, da geht es um Leben und Tod. Und Ende ist erst, wenn einer aufgibt. Oder elendiglich stirbt.

Helmut Wilding kennt sich richtig aus. Kein Wunder, lebt der Steirer, der auch in einem Heimatfilm mitspielen könnte, mit Frau und zwei Kindern auf 1300 Metern Seehöhe in einer entzückenden Jagdhütte. Er weiß, wo Fuchs und Hase gute Nacht sagen, füttert Hirsche und Rehe gut über den Winter, kennt sein Revier und die Tiere darin, ihre Gewohnheiten, oft auch ihre Geschichten. Man möcht’ ihm ewig zuhören. Ein großes Erlebnis, Danke an den Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof, der die „Krone“ mitgenommen hat auf den Pirschgang.

„Bei Privaten wie ihm funktioniert das Gefüge noch“, sagt uns Martin Prumetz, vehementer Kritiker der Bundesforste und deren Taktik in ihren Gebieten. Das ist jetzt der traurige Teil der Geschichte: „Früher war auch das Hochschwabgebiet flächendeckend vom eindrucksvollen Brunftgeschehen belebt. Aber weil man Wildtiere als ,Schädlinge‘ beinhart zurückdrängt wird das selten.“ Ein Schrei aus der Vergangenheit und besseren Zeiten für Rotwild

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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