Irre E-Mail ans FBI

Grazer “Terror-Insider” wollte die USA erpressen

Steiermark
26.05.2010 12:07
Im obersteirischen Knittelfeld hat die Polizei am Wochenende einen mutmaßlichen Erpresser verhaftet, der mit vorgegaukeltem Insiderwissen über Terrorismus das große Geld machen wollte. Der 42-jährige Grazer hatte relativ unbeholfen - per E-Mail - versucht, von den USA über die dortige Bundespolizei FBI insgesamt 1,3 Millionen Euro abzustauben. Im Gegenzug versprach er Informationen über geplante Anschläge: Amerikanische Familien seien in Gefahr!

Der Grazer hatte am vergangenen Freitag dem FBI in New York sowie zwei amerikanischen Zeitungen jeweils ein E-Mail geschickt, in dem er von den Vereinigten Staaten 300.000 Euro sofort und im Nachhinein eine Million Euro auf ein Bankkonto forderte. Als Gegenleistung bot er eine Namensliste von 200 potenziellen Attentätern sowie Informationen über einen Transport von vier "schmutzigen Bomben" (radioaktives Material in Verbindung mit konventionellem Sprengstoff) in die USA an.

"USA für 100 Jahre verseucht"
Würden diese Bomben explodieren, seien "die USA für die nächsten 100 Jahre verseucht", versicherte er in seinen Mails, die er zum Teil auf Deutsch verfasst hatte. "Den USA läuft die Zeit davon", wenn er das Geld nicht bald bekomme, sollten die Amerikaner "ihre Familien in Sicherheit bringen", ist weiters in den Mails zu lesen, so ein Sprecher der Sicherheitsdirektion Steiermark gegenüber steirerkrone.at.

Die Ermittler bezeichneten den Erpressungsversuch als dilettantisch, trotzdem seien die E-Mails von den amerikanischen Behörden und den heimischen Ermittlern als indirekte Drohungen qualifiziert worden. Der Fall wurde an die Kriminalisten des steirischen Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung übergeben. Ein umfangreicher Einsatz lief an - denn "wir müssen solche Fälle immer ernst nehmen. Schließlich weiß man erst, mit wem man es zu tun hat, wenn der Verdächtige vor einem steht", erklärte der Sprecher der Sicherheitsdirektion.

Bei vorgetäuschter Übergabe geschnappt
Nachdem der Grazer zu einer schriftlich vereinbarten Geldübergabe am Samstagvormittag in Knittelfeld nicht erschienen war, gelang es den heimischen Ermittlern, mit dem Verdächtigen telefonischen Kontakt herzustellen. Im Zuge einer weiteren vorgetäuschten Übergabe konnte der Grazer schließlich gegen 17 Uhr in einem Knittelfelder Café festgenommen werden.

Bei den Einvernahmen gestand der 42-Jährige, dass er die E-Mails vom PC einer gleichaltrigen Freundin aus dem Bezirk Knittelfeld an das FBI geschickt hatte. Auch die Frau wurde ausgeforscht und war sofort geständig. Die Ermittler stellten in ihrer Wohnung einen Computer mit Kopien von sechs belastenden E-Mails sicher.

Grazer verhaftet, Komplizin angezeigt
Nach den Einvernahmen wurde die mutmaßliche Komplizin des Grazers - sie soll ihm beim Verfassen der Texte geholfen haben - auf freiem Fuß angezeigt. Der wegen Betrugs vorbestrafte 42-Jährige wurde wegen Verdachts auf schwere Erpressung in die Justizanstalt Graz-Jakomini überstellt. Obwohl der verschuldete Verdächtige beteuert, nicht geblufft zu haben, kann laut Polizei ausgeschlossen werden, dass er tatsächlich über Insiderwissen in Sachen Terrorismus verfügt.

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