01.10.2019 09:35 |

Reportage

Die Familie jubelt über Abwahl von FPÖ-Nationalrat

Der einzige blaue Bürgermeister im Land, Christian Pewny (52) aus Radstadt, verliert seinen Parlamentssitz. Er trägt’s mit Fassung.

Kaiserwetter am Wahlsonntag im Pongau. Christian Pewny macht am späten Vormittag einige Minuten Pause von seinem Job als Gemeindewahlleiter. Vor dem Rathaus raucht er eine Zigarette der Marke „Lucky Strike“ – das Wahlglück wird ihm an diesem Tag aber nicht hold sein. „Sehr blau ist es heute, Herr Bürgermeister“, meint ein älterer Radstädter im Vorbeigehen. Pewny blickt in den Himmel und lächelt tiefsinnig. Ob er schon ahnt, dass der Tag kein gutes Ende für die FPÖ nimmt?

Die Spesendebatte um HC Strache habe er zuletzt nicht mehr verfolgt, sagt er: „Ich hatte genug mit der Wahlvorbereitung zu tun.“ Ibiza? „Das war für die Leute am Land nicht das brennende Thema. Die wollen wissen, wie es mit der Regierung weitergeht.“ Ist er persönlich enttäuscht von seinem Ex-Parteichef? „Diese Frage habe ich mir noch nicht gestellt. Für mich stand nicht die Person im Vordergrund, sondern immer das Programm“, weicht Pewny geschickt aus.

Mittags gibt’s Carpaccio in einem Gastgarten am Stadtplatz. Pewny schüttelt viele Hände und plaudert – auch mit deklarierten Vertretern anderer Parteien: „In einer kleinen Gemeinde muss man immer das Miteinander suchen.“

Kurz nach 17 Uhr dann die erste Hochrechnung – nur 13,7 Prozent für die Blauen in Salzburg. Damit ist klar: Pewny fliegt nach zwei Jahren wieder aus dem Parlament. Er selbst leitet in diesen Minuten das Auszählen der Stimmen im Radstädter Rathaus.

Sein Telefon läutet pausenlos. „Es ist so, wie es ist. Ich vermute, der Bund hat mehr reingespielt als vermutet.“ Mehr will er zur Ursache der blauen Niederlage nicht sagen. Seine Abwahl trägt er mit Fassung: „Ich habe jetzt mehr Zeit für Radstadt und meine Familie. Die hat schon ,Juhu!’ geschrien.“

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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