Marin Leovac

Wie die Austria den Kroatien-Teamkicker „übersah“

Er hat 173 Profi-Spiele für den FK Austria Wien absolviert, ist mehr als 11 Jahre lang als „Veilchen“ erblüht, ein Hauptverantwortlicher für den erstmaligen Einzug seines Klubs in die Champions League gewesen und doch hat er letztlich keine Ära in Wien-Favoriten prägen dürfen - Marin Leovac ist der lebende Beweis dafür, dass Qualität dann und wann auch einmal übersehen wird. Denn aus dem ehemaligen Austria-Youngster ist ein in Kroatien und Griechenland gestähltes Abwehr-Ass mit internationaler Anerkennung geworden - und zudem Stammkraft bei Champions-League-Starter Dinamo Zagreb sowie mehrfacher Teamspieler bei Vizeweltmeister (!) Kroatien. sportkrone.at traf den von Austria, dem Klub, und Austria, dem Land, übersehenen Leovac in Zagreb zum Interview!

sportkrone.at: Nach sechs Jahren Pause ist es wieder so weit: Der in Aschbach-Markt in Niederösterreich aufgewachsene Marin Leovac ist zurück in der Champions League. Wie groß ist die Freude darüber, sich mit den Teams von Atalanta Bergamo, Manchester City und Schachtjor Donezk messen zu dürfen?
Marin Leovac: Erst einmal danke, dass ihr da seids! Es ist schön, wieder einmal Leute aus Österreich zu sehen. Natürlich sind wir sehr froh, dass wir wieder einmal in die Champions League gekommen sind! Letztes Jahr hat es ja leider nicht geklappt, da waren wir nur in der Europa League. Aber heuer haben wir es geschafft …

sportkrone.at: In der Saison 2013/14 bist du mit der Wiener Austria schon einmal im „Konzert der Großen“ dabei gewesen. Was unterscheidet für dich das Antreten in der CL als Youngster für die Austria von dem als Routinier nun für Dinamo?
Leovac: Der große Unterschied ist, dass ich jetzt und auch schon seit der vergangenen Saison Stammspieler bin, was ich vor fünf, sechs Jahren bei der Austria leider nicht war. Da habe ich bei der Qualifikation nur gegen Dinamo Zagreb gespielt… (lacht)… und auch zum Glück auswärts das Tor zum 1:0 geschossen. Also ich kann sicher sagen, dass ich jetzt ein Ruhigerer bin als früher - ich bin ja doch schon 31 Jahre alt, auch wenn ich mich wie 24 fühle (lacht)

sportkrone.at: Generell: Was bedeutet die Qualifikation eines kroatischen Klubs für die CL?
Leovac: Sehr viel! Bei Dinamo Zagreb haben wir leider keine Groß-Sponsoren, so wie es sie in Österreich oder in England gibt. Wir leben nur von Spielerverkäufen, Spielerlösen oder von der Champions League bzw. der Europa League. Von dem her ist es sehr, sehr wichtig für den Verein, dass wir in der Champions League sind.

sportkrone.at: Und für die Menschen hier selbst ist das wahrscheinlich auch von großer Bedeutung …
Leovac: Ja, sicher, sowieso! Überhaupt nach dem Erfolg der Nationalmannschaft, wir sind ja Vize-Weltmeister geworden. Das Volk ist generell fußballbegeistert und ich kann es gar nicht mehr erwarten, dass das Stadion in der Champions League voll mit den Fans ist.

sportkrone.at: Zurück ins Jahr 2013, damals waren bei der Austria mit dabei: Nenad Bjelica als Coach sowie Emir Dilaver und du als Spieler. Jetzt seid ihr in Zagreb wieder vereint und wieder in der CL, das Leben spielt manchmal schon …
Leovac: …verrückt! (lacht) Ja, so ist der Fußball, man weiß nie, was er einem bringt. Schon damals hat es gut geklappt mit dem Trainer, wir sind super miteinander ausgekommen - und auch mit dem Emir, den kenne ich ja schon aus der Akademie. Auch wenn wir uns dann in Europa verstreut haben - jetzt, nach sechs Jahren, sind wir wieder zusammen. Das ist Fußball!

sportkrone.at: 2013 hat die Austria gegen Atletico Madrid, Zenit St. Petersburg und den FC Porto 1 Sieg, 2 Remis sowie 3 Niederlagen eingefahren - eine gute Bilanz verglichen mit den Teams von Dinamo bei deren jüngsten vier Teilnahmen. Da gab es in 24 Partien bei 1 Sieg und 1 Remis satte 22 Pleiten - was darf man heuer von euch erwarten?
Leovac: Der Unterschied zwischen den Misserfolgen und Erfolgen wird sicherlich der Trainer sein: Mit Nenad Bjelica bei der Austria haben wir uns in einer Gruppe, in der eigentlich nichts zu erwarten war, nicht blamiert, ganz im Gegenteil - wir haben die Austria in Europa sehr, sehr gut präsentiert. Und ja, Dinamo hat bei den letzten vier Malen in der Champions League leider, leider nicht so gut abgeschnitten. Aber jetzt mit dem Nenad Bjelica auf der Trainerbank wird das anders!

sportkrone.at: Welche Rolle wird die Erfahrung spielen, die ihr in der vergangenen Saison mit dem Einzug ins Achtelfinale der Europa League gemacht habt? Kann man daraus etwas für die CL mitnehmen?
Leovac: Ja, in der letzten Saison haben wir in der Europa League Geschichte geschrieben - als wir nach 49 Jahren erstmals wieder im Europacup überwintert haben. Das war eine Riesensache! Die Mannschaft ist seitdem ziemlich dieselbe geblieben, wir haben nur zwei, drei Spieler dazubekommen und keine Abgänge. Das wird sicherlich ein großer Faktor sein. Ordentlich Selbstbewusstsein haben wir ebenfalls getankt - ich glaube, wir können da gut daran anschließen!

sportkrone.at: Du selbst bist ja nicht nur Spieler von Dinamo Zagreb, sondern tatsächlich seit jeher auch Fan - und familiär bedingt hättest du ja noch dazu viel früher hier bei Dinamo landen müssen, oder?
Leovac: Also da ich Kroate bin und Dinamo DER Verein ist in Kroatien, bin ich Dinamo-Fan - umso schöner ist es von daher, dass ich jetzt auch bei dem Klub spiele. Ich bin sehr froh darüber und ich hoffe, ich bleibe noch ein bisschen länger hier - und erfolgreich ... (lacht) Außerdem ist meine Frau aus Zagreb, ihre ganze Familie lebt schon seit Längerem hier. Mein älterer Sohn ist zwar noch in Wien geboren, aber jetzt spielt er auch bei Dinamo Zagreb bei den Buben. Der Zweite ist überhaupt schon hier geboren, also von dem her bin ich schon sehr mit Zagreb verbunden … (lacht)

sportkrone.at: Wenn im kroatischen Fußball nationale Titel vergeben werden, ist die Chance relativ winzig, dass Dinamo Zagreb dabei leer ausgeht - seit 2005 hat man lediglich zweimal NICHT die Meisterschaft gewonnen ...
Leovac: Was Kroatien angeht, ist es fast Pflicht, dass wir Meister werden - mit der Qualität im Kader und auch damit, was wir schon erreicht haben als Verein. Ich glaube, normalerweise haben wir keinen wirklich ernsthaften Gegner im Kampf um den Titel - außer vor zwei Jahren, als Rijeka wirklich verdient Meister geworden ist. Ich glaube, es wäre besser für den kroatischen Fußball, wenn mehr bessere, mehr stärkere Teams in der Liga wären, damit es ein bisschen spannender wird.

sportkrone.at: Worin unterscheidet sich der Fußball, wie er in Österreich gespielt wird, von jenem in Kroatien?
Leovac: Die Liga in Kroatien ist von der fußballerischen Qualität her besser - aber wenn du unsere Stadien anschaust, dann vergeht dir die Lust am Fußballspielen! Es ist leider so, dass wir in Kroatien vielleicht zwei, drei gute Stadien haben, wenn überhaupt. Und der Rest ist einfach alt und nicht zu vergleichen mit jenen in Österreich.

sportkrone.at: Knapp zehn Monate nach deinem Abgang von der Austria Anfang 2014 hast du dein Debüt für Kroatiens Team gefeiert. Wie ist es möglich, dass man das Potenzial eines zukünftigen kroatischen Teamspielers übersehen konnte?
Leovac: Das wäre eine super Frage für die Leute bei der Austria! Aber das war ja nicht nur bei mir. Es gab schon viele Spieler, bei denen man geglaubt hat, die sind nicht gut genug für die Austria, es gibt bessere Spieler - und dann haben die woanders einen erfolgreichen Weg eingeschlagen! Jetzt, glaube ich, hat sich schon auch ein bisschen etwas geändert, es sind neue Leute am Ruder. Etwa der Ralf Muhr, den ich schon seit meiner Jugend in der U14 kenne, oder mit dem Peter Stöger. Natürlich wird es ein bisschen dauern, aber ich bin guter Dinge.

sportkrone.at: Die Austria hat seit dem Meistertitel 2013 nur zwei Saisonen in den Top-3 beendet - acht Trainer hat man zudem seither „verbraucht“. Wie beurteilst du von außen das Geschehen rund um die Austria?
Leovac: Ehrlich gesagt verfolge ich die Austria jetzt nicht so besonders. Aber hin und wieder schaue ich dann doch auf die Ergebnisse und man sieht nicht allzu viel Positives. Also wenn man im unteren Play-off mitspielt, anstatt dass man um den Meistertitel mitkämpft mit Salzburg oder mit Rapid oder mit dem LASK … (überlegt) Seit meiner Zeit hat sich vieles getan, viele Trainer sind gewechselt worden - aber irgendetwas fehlt, irgendetwas stimmt da nicht. Aber natürlich wünsche ich der Austria das Beste, immerhin bin ich dort Profi geworden und ich hab ihr vieles zu verdanken ...

sportkrone.at: Inzwischen hast du in fünf Länderspielen deine Knochen für Kroatiens Nationalteam hingehalten, beginnend mit dem Debüt gegen Argentinien im Jahr 2014 und zuletzt im März gegen Ungarn. Zur Weltmeisterschaft in Russland hast du es nicht in den Kader des späteren Vizeweltmeisters geschafft - trauerst du dieser historischen Gelegenheit nach?
Leovac: Natürlich schmerzt das, aber so ist das Leben - man kann nicht immer alles haben! Ich war eigentlich fast bei der ganzen EM-Quali davor im Kader und bin erst zum Schluss hin weggefallen. Und auch für die WM in Russland wars ähnlich - da war ich in den Playoff-Spielen noch dabei. Trotzdem: Kroatien ist Vize-Weltmeister geworden, was gibt es Besseres?

sportkrone.at: Was unterscheidet Österreich in Sachen Fußball von Kroatien? Wie ist es möglich, dass das eigentlich recht kleine Kroatien offenbar Quell eines schier unerschöpflichen Reservoirs an Weltklassespielern ist?
Leovac: Bei uns in Kroatien ist der Lebensstandard einfach nicht so hoch wie in Österreich. Es gibt nicht so viele Wege, dass es du schaffst im Leben. Fußball ist eine der Möglichkeiten, dass du wirklich vieles erreichen kannst. Die Menschen in Kroatien lieben den Fußball! Man muss nur daran denken, wie die Mannschaft bei der Rückkehr von der Weltmeisterschaft empfangen worden ist - da waren, glaube ich, 500.000 Leute auf den Straßen Zagrebs. Da gab es unglaubliche Szenen. Wir sind einfach unglaublich mit dem Herzen dabei - das ist der große Unterschied.

sportkrone.at: Zum Abschluss noch etwas Persönliches: Dein Bruder Ivan Leovac spielt derzeit in der oberösterreichischen Landesliga beim ASKÖ Oedt, als Leihspieler ausgerechnet von Rapid. Tut Dir das als altem Austrianer nicht im Herzen weh?
Leovac:(grinst) Nein, nicht unbedingt - jeder muss seinen eigenen Weg machen! Natürlich gab es Fragen von Ralf Muhr (inzwischen Technischer Direktor der Austria, Anm.), ob der Ivan nicht zu den Violetten kommen will. Aber ich wollte mich da nicht einmischen. Nein, der Ivan macht seinen Weg, da bin ich mir sicher!

Hannes Maierhofer (in Zagreb), krone.at

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