28.09.2019 07:30 |

Kosmischer Todeskampf

Mit TESS beobachtet: Schwarzes Loch frisst Stern

Mit dem NASA-Weltraumteleskop TESS haben Forscher erstmals praktisch von Beginn an genau beobachten können, wie in einer etwa 375 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie ein Stern der Größe unserer Sonne durch die unvorstellbare Schwerkraft eines supermassereichen Schwarzen Lochs zerrissen wurde.

Entdeckt wurde das Ereignis mithilfe des All-Sky Automated Survey for Supernovae (ASASSN), einem Verbund von Teleskopen, die automatisiert den Himmel nach Sternenexplosionen (Supernovae) absuchen. Am 29. Jänner registrierte man mit ASASSN einen hellen Ausbruch im Zentrum einer 375 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie. Daraufhin nahmen Astronomen weltweit das Ereignis unter anderem auch mit TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) genauer unter die Lupe.

Es zeigte sich, dass die Strahlung von einem sogenannten Tidal Disruption Event (Gezeiten-Sternzereißereignis) herrührte. Ein solcher beschreibt in der Astronomie die nahe Begegnung einer Sonne mit einem supermassiven Schwarzen Loch. Dabei verlässt ein Teil der Materie des Sterns sein Gravitationsfeld und bildet eine Akkretionsscheibe, die um das Massemonster kreist. Von dort wandert die Materie langsam in Richtung des Zentrums des Schwarzen Loches.

Bis dato konnten nur wenige dieser Sternentode beobachtet werden - keiner davon rechtzeitig und so im Detail, wie es diesmal der Fall war. Der Grund: Solche Tidal Disruption Events sind äußerst selten und kommen in Galaxien von der Größe der Milchstraße nur rund einmal alle 10.000 bis 100.000 Jahre vor. Deshalb werden sie meist erst dann registriert, wenn der Stern bereits zerstört ist.

Teleskop ist mit vier Kameras bestückt
Der im April 2018 ins All gestartete Planetenjäger TESS ist ungefähr so groß wie ein Kühlschrank und mit vier Kameras bestückt. Das Observatorium untersucht - wie das auch „Kepler“ über Jahre höchst erfolgreich getan hat - rund 200.000 Sterne unserer direkten kosmischen Umgebung auf Planeten. Solche außerhalb des Sonnensystems - also Exoplaneten - wird TESS daran erkennen, dass sie sich vor ihre jeweiligen Sterne schieben und deren Licht kurzzeitig schwächer wird - der sogenannten Transit-Methode.

Man hofft auf 2000 neue Planetenkandidaten
Die NASA rechnet damit, dass man mithilfe des Observatoriums TESS bis zu 2000 Planetenkandidaten finden wird können, von denen etwa 300 in der Größenordnung unserer Erde sein sollen, mit maximal dem doppelten Durchmesser dieser. Die rund 200 Millionen Dollar teure Mission ist zunächst auf rund zwei Jahre angelegt.

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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