21.09.2019 12:00 |

Welt-Alzheimer-Tag

„Plötzlich steht man in Japan an der Kreuzung“

Rund 11.000 Menschen leiden in Tirol an Demenz. Tendenz steigend. Am Welt-Alzheimer-Tag am heutigen Samstag soll auf die Situation der Betroffenen und deren Angehörigen aufmerksam gemacht werden. Denn gerade in der Begegnung mit dementen Menschen braucht es Offenheit, Sensibilität und viel Wissen.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in Japan an einer Kreuzung. Alleine. Sie haben Ihre Reisegruppe verloren. Über den Zebrastreifen gehen Hunderte, vielleicht sogar Tausende Menschen, sie drängeln sich an Ihnen vorbei, vor Ihnen, hinter Ihnen, neben Ihnen. Ein Stimmengewirr in einer fremden Sprache dröhnt Ihnen ins Ohr – Sie wissen nicht, wohin Sie gehen sollen und haben kein Handy bei sich.

So könnte sich das Leben für rund 11.000 Menschen in Tirol anfühlen – die Betonung liegt allerdings auf könnte, denn „kennst du einen Menschen mit Demenz, kennst du einen Menschen mit Demenz“, wie „Memory Nurse“ Verena Friedrich, von der auch die Japan-Metapher stammt, zitiert. Demenz – ein Wort und so viele Realitäten wie Betroffene. Aber was bedeutet all das eigentlich?

Eine Heilung gibt es nicht
„Demenz ist der Überbegriff vieler Krankheiten, die die kognitiven Funktionen der Betroffenen beeinträchtigen“, erklärt Josef Marksteiner, Primar an der Psychiatrie in Hall. „Die häufigste Demenzerkrankung im Alter ist Alzheimer“, so Marksteiner. Die Tendenz ist alleine aufgrund der Demografie steigend. „Die Zahl umfasst aber alle Betroffenen, also jene am Beginn und am Ende der Krankheit. Die Bedürfnisse sind je nach Stadium völlig anders.“ Die Krankheiten äußern sich also individuell. Eine Heilung gibt es nicht.

Wohl aber Therapiemöglichkeiten. „Man kann medikamentös und nicht medikamentös behandeln“, klärt der Arzt auf. Aber auch hier spielt die Individualität eine Rolle, denn Betroffene reagieren unterschiedlich auf die Medikamente. Im besten Fall könne man das Fortschreiten verlangsamen. Egal, wie man es dreht: Demenz verlangt Sensibilität.

„Memory Nurses“ gehen auf Bedürfnisse ein
Darum wurde von den tirol kliniken auch ein Netzwerk geschaffen, in dem sich 200 Personen verschiedener Berufe um demente Menschen kümmern. Unter ihnen auch die „Memory Nurses“, die durch eine spezielle Ausbildung besonders auf die Bedürfnisse der Betroffenen eingehen können.

„Menschen mit Demenz arbeiten viel über die emotionale Ebene. Weil es zum Abbau von Hirnstrukturen kommt, können Betroffene nicht mehr so gut reagieren wie früher oder Gewohnheiten und Bedürfnisse ausreichend ausdrücken“, schildert „Memory Nurse“ Friedrich. Mit Hilfe von Fragebögen können Angehörige und Patienten diese Infos mit dem Klinikpersonal teilen, so dass man besser darauf eingehen kann.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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