03.09.2019 14:15 |

Nachteinsätze

Fehlalarme halten Tiroler Bergretter auf Trab

Mit einer starken Zunahme von Fehlalarmierungen in der Nacht hat die Tiroler Bergrettung zu kämpfen. Der Grund: Immer mehr Bergfreunde sind nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs, deren Lichter werden im Tal häufig als Notsignale fehlgedeutet. „Wir müssen dafür eine Lösung finden“, so der Landesleiter der Tiroler Bergrettung, Hermann Spiegl.

Besonders betroffen von diesem Phänomen ist die Bergrettungsortsstelle Ehrwald. „Wir hatten in diesem Zusammenhang zuletzt einige Fehlalarmierungen und unnötige Ausrückungen“, berichtet Ortsstellenleiterin Regina Poberschnigg.

Hochzeitsfeier am Berg
Nicht selten melden sich gleich mehrere Personen, wenn irgendwo am Berg Lichter zu erkennen sind. Sehr oft handelt es sich jedoch um Fehleinschätzungen. Meist gibt es für die Lichter ganz simple Erklärungen. „Zuletzt riefen gleich acht Personen bei der Leitstelle an, die Lichter und Leuchtraketen als Notsignal deuteten. In dem Fall wussten wir zum Glück, dass ein Bergführer am Berg eine Art Hochzeitsfeier abhielt“, sagt Poberschnigg.

Picknick auf Schneefeld
Ein anderes Mal entpuppte sich der vermeintliche Notfall als Picknick einer Gruppe von Indern in einem Schneefeld. Dies stellte sich freilich erst heraus, nachdem die Bergretter vor Ort eingetroffen waren. Schlechtwetter machte den Fehleinsatz außerdem zu einer zähen Angelegenheit.

Hubschrauber hilft
Im Außerfern stellt in solchen Fällen der Notarzthubschrauber RK-2, der seit einigen Wochen abends bis 22.30 Uhr fliegt, eine große Hilfe dar. „Er verfügt über starke Scheinwerfer und bringt im wahrsten Sinn des Wortes oft Licht ins Dunkel“, so Poberschnigg.

Die Ortsstellenleiterin findet die Entwicklung, dass die Menschen dank erstklassiger Ausrüstung inzwischen selbst bei Dunkelheit unterwegs sind, gut: „Allerdings wird die Zunahme an Fehlalarmierungen für uns langsam heikel.“

„Praktisch zu jeder Jahreszeit Lichter im Gelände“
Davon kann auch und besonders die Ortsstelle Innsbruck ein (Klage-)Lied singen, wie Hermann Spiegl, Landesleiter der Tiroler Bergrettung, bestätigt. „Zwischen Nordkette und Patscherkofel sieht man praktisch zu jeder Jahreszeit Lichter im Gelände“, weiß Spiegl. „Die Innsbrucker Kollegen gehen inzwischen so vor, dass sie bei einem Notruf die Situation zunächst zusammen mit der Alpinpolizei besprechen. Dann wird gemeinsam entschieden, ob ein mühsamer Einsatz notwendig ist oder eben doch nicht“, informiert der Landesleiter.

Im Unterinntal war der Tunnel ins Kaisertal bei Kufstein einige Zeit lang Ursache für Fehlalarmierungen. Autofahrer auf der A12 meldeten wiederholt ein alpines Notsignal in den Wänden bei Ebbs. Tatsächlich blinkte nur ein Licht am Tunneleingang.

„Müssen ein System finden“
„Wir wollen nicht, dass die Menschen abends die Berge meiden, und kreiden niemandem einen Fehlalarm an. Allerdings müssen wir ein System finden, um solche unnötigen Einsätze zu reduzieren“, betont Spiegl. Er gibt zu bedenken, dass im Handyzeitalter ohnehin fast niemand mehr eine Notlage mittels Lichtsignalen bekannt gebe.

Zum Schmunzeln: Einmal löste ein Liebespaar in einem Auto einen Fehleinsatz aus. Dass der verheiratete Mann nicht mit seiner Gattin im Wagen war, behielten die Einsatzkräfte diskret für sich.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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