Barisic und Stöger:

„Das Nasenreiberl ist typisch fürs Wiener Derby!“

Als Spieler und Trainer erlebten Peter Stöger und Zoran Barisic viele rassige Wiener Derbys mit- und gegeneinander. Vor dem ersten Duell als Sport-Bosse am Sonntag (17 Uhr, live im sportkrone.at-Ticker) bat sie die „Krone“ zum großen Interview.

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An einem neutralen Ort, dem Panorama-Restaurant in Mödling mit Blick auf Wien, sprachen die beiden über Derby-Anekdoten und die aktuelle Situation bei ihren Klubs:

„Krone“:Peter, du hast 37 Derbys für Rapid und Austria gespielt. Welches war das unvergesslichste?
Stöger: Der Sieg mit Austria im Cup-Finale 1991. Wir lagen in der 91. Minute 0:1 zurück. Andi Ogris wollte den Freistoß schießen, ich sagte, das ist die falsche Seite. Er meinte eh schon wurscht, ich konterte, hast recht. Dann machte er das 1:1 mit seinem Linken. Mir war klar: Wenn wir das nicht gewinnen, dann nie mehr. In der Verlängerung schoss ich das 2:1, Hasenhüttl das 3:1.

Hier im Video sehen Sie, was Austria-Kicker Dominik Prokop vor dem Derby im sportkrone.at-Studio zu sagen hatte:

Zoki, welches deiner neun Derbys blieb bei dir hängen?
Barisic: Jenes 1996 - wir siegten im Happel-Stadion 2:0, ich traf zum 1:0. In der Nachspielzeit stürmte Austria-Keeper Wohlfahrt nach vorne, lancierte ich mit Didi Kühbauer einen Konter. Er führte den Ball, ich dachte mir in der Aufregung, warum spielt er nicht ab. Und registrierte erst, nachdem er den Ball ins Tor geschoben hatte, dass dieses leer war.

Kühbauer und Ogris schrieben 1996 mit dem berühmten Nasenreiberl Derby-Geschichte. Ihr beide habt es als Teamkollegen im Dress von Rapid hautnah miterlebt.
Stöger: Dieses geniale Bild, das um die Welt ging, sagt alles aus. So soll ein Wiener Derby sein, das ist typisch dafür: Nase an Nase, wo jeder sein Revier abgrenzt und sagt, was ihm nicht passt, sich aber niemand eine blutige Nase holt.
Barisic: Ich musste Didi öfter mal beruhigen oder zurückhalten, ob im Derby oder in anderen Spielen.

Sonntag trifft der Sechste Rapid auf den Siebenten Austria. Tut das weh?
Barisic: Es bleibt unabhängig vom Tabellenstand ein besonderes Spiel. Umso wichtiger ist es, diesmal erfolgreich rauszukommen.
Stöger: Es ist die Chance, etwas gutzumachen, weil es gerade nicht so läuft.

Machen LASK und Wolfsberg derzeit etwas besser als die Wiener Großklubs?
Stöger: Klar! Wir reden ja nicht von fünf Runden, wo ich sage, es wird schon. Sondern von zwei Jahren. Sie können zwar, wenn es mal nicht so läuft, im Gegensatz zu Rapid und Austria weiter in Ruhe arbeiten. Doch mit Ruhe allein gewinnen auch der LASK und Wolfsberg keine Spiele. Sie machen einfach einen guten Job. Da haben wir Aufholbedarf.
Barisic: Es ist bloß ein kleiner Aspekt: Aber wenn man bedenkt, wie viele Spieler von Salzburg in der Liga verliehen sind, ist das schon etwas wettbewerbsverzerrend. Zumal die Klubs die Spieler wohl nicht voll bezahlen müssen. Wir bekommen keine, müssen sie entwickeln.

Salzburg bleibt auf Jahre hinaus wohl Nummer eins.
Barisic: Das Eine ist: In Salzburg haben sie die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Die andere Seite ist aber jene, dass sie auch gut arbeiten. Man kann nicht immer alles aufs Geld reduzieren.
Stöger: Man sieht auch trotz Liga-Reform mit der Punktehalbierung, dass da ein Unterschied zu Salzburg ist. Das ist aber aktuell nicht unser Thema, da ich das Gefühl habe, dass wir relativ weit entfernt sind, um uns diesen Schuh anzuziehen.

Peter, du hast das Derby von beiden Seiten erlebt, wie war das, emotional gesehen?
Stöger: Ich bin das fünfte Mal bei der Austria, dreimal haben sie mich gefeuert. Es bleibt mein Verein, ich bin 500 Meter davon entfernt aufgewachsen. Wenn ich einen Job mache, hänge ich aber überall emotional drinnen. Egal, wo das gerade ist.

Erleben wir am Sonntag ein friedliches Wiener Derby?
Barisic: Wir wünschen uns alle ein spannendes Match. In dem beide Teams von ihren Fans lautstark unterstützt werden. Für Gewalt ist da kein Platz.
Stöger: Das letzte Derby betraf eine Thematik, die nichts mit Rapid und Austria, sondern mit Rapid und der Exekutive zu tun hatte. Seitdem die Austria im neuen Stadion spielt, verlief bislang jedes Match ruhig.

Peter Klöbl und Christian Reichel, Kronen Zeitung

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