08.08.2019 18:48 |

Nach Einsatz im Kongo:

„Jede Woche sterben 80 Menschen an Ebola-Virus“

Ein Jahr ist es nun her, dass Ebola in der Demokratischen Republik Kongo erneut ausgebrochen ist. Die Ausbreitung der Krankheit hat seitdem Tausende Todesopfer gefordert. Einer, der sich mit den Gefahren dieses Virus bestens auskennt, ist der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen, Marcus Bachmann. Moderatorin Vanessa Kuzmich hat sich mit dem gebürtigen Osttiroler, der erst vor einem Monat von einem Einsatz im Kongo zurückgekehrt ist, über die Zustände vor Ort und die harte Arbeit der dort stationierten Ärzte unterhalten. Das ganze Interview sehen Sie oben.

„Ebola ist eine virale Fiebererkrankung, die durch Blutungen und Multi-Organversagen zum Tod führt“, beschreibt Bachmann die hohe Gefahr, welche von dem Virus ausgeht. Ebola könne direkt oder indirekt über jede Art von Körperflüssigkeiten an andere Menschen weitergegeben werden, so der Experte. Hinzu komme die hohe Sterblichkeitsrate: „Je nach Ausbruch liegt die Sterblichkeitsrate bei 25 bis 90 Prozent der Betroffenen, bei Kindern und schwangeren Frauen nahezu bei 100 Prozent.“

„Jede Woche sterben 80 Menschen“
Die aktuelle Situation in den zwei betroffenen Provinzen im Nordosten des Landes sei im Moment „äußerst besorgniserregend“, der Ausbruch „nicht unter Kontrolle“. „Das Virus hat fast neun Monate gebraucht, um die ersten 1000 Menschen zu infizieren, es hat dann nur mehr weitere neun Wochen gedauert, um weitere 1000 anzustecken“, beschreibt Bachmann die enorme Beschleunigung der Verbreitung. „Jede Woche stecken sich 80 bis 100 Menschen mit dem Virus an, 70 bis 80 sterben wöchentlich daran“, so der Ebola-Experte über die erschreckenden Zahlen dieser Erkrankung.

Weitere Gefahr gehe von Goma, einer Stadt von der Größe Wiens, aus: „Das ist eine Stadt mit annähernd zwei Millionen Menschen, welche nun von Ebola betroffen ist. Das ist wie eine Bombe, die man in eine Stadt hineinwirft.“ Die hygienischen Bedingungen in der Stadt seien sehr schlecht, zudem sei Goma ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, von dem aus eine Verbreitung des Virus in andere Regionen Afrikas ausgehen könnte.

Großes „Informationsbedürfnis“ bei den Bewohnern
„Es gibt ein riesengroßes Interesse der Menschen in der Region daran, wie sie sich und ihre Familien vor Ebola schützen können“, so Bachmann, der bereits über 20 Auslandseinsätze hinter sich hat. Doch auch dieses große „Informationsbedürfnis“ mache es schwer: „Ich muss die Information so vermitteln können, dass die Menschen es auch verstehen. Außerdem ist es schwer, den Menschen zu erklären, dass sie sich viel öfter die Hände waschen müssen, während Wasser jedoch nicht ausreichend vorhanden ist.“

„No Touch Policy“
Die Arbeit der Ärzte, die in diesen Regionen täglich mit dem Leid der Patienten konfrontiert sind, sei dementsprechend belastend. Aufgrund der schlechten hygienischen Bedingungen gilt bei den dort stationierten Medizinern die „No Touch Policy“. Um einer Ansteckung vorzubeugen, wird während eines ganzen Ebola-Einsatzes kein Mensch berührt - laut Bachmann eine „große Disziplinübung“: „Man erkennt die neuen Mitarbeiter daran, dass sie reflexartig die Hand zur Begrüßung ausstrecken, daran muss man sich erst gewöhnen.“

Die Ärzte ohne Grenzen, die sich zu 98 Prozent aus privaten Spenden finanzieren, organisieren und verwalten alle Ebola-Behandlungszentren selbst. „So wie es aussieht, wird der Ausbruch auch in den nächsten Monaten nicht unter Kontrolle zu bringen sein. Wir stehen vor enormen finanziellen Herausforderungen“, schaut Bachmann in die Zukunft: „Wir sind daher ganz dringend auf Spenden angewiesen.“

Wenn auch Sie für Ärzte ohne Grenzen und die Bekämpfung von Ebola spenden möchten, können Sie das über folgende Bankverbindung tun:

Stichwort „Ebola“
Erste Bank
IBAN: AT43 2011 1289 2684 7600
BIC: GIBAATWWXXX

Markus Steurer
Markus Steurer
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