krone.at-Interview

Zech: Von Altach nach Polen ist KEIN Rückschritt!

2492 Tage lang hat er seine Knochen für den SCR Altach in die Waagschale geworfen, doch seit diesem Sommer muss man im Ländle ohne ihn auskommen - Benedikt Zech hat sich eine neue Herausforderung gesucht und diese in Polen bei Pogon Szczecin gefunden! Mit sportkrone.at plauderte der Ur-Vorarlberger Abwehr-Recke über seine de facto „berglose“ neue Heimat an der Ostsee, über seine sportlichen Ziele mit Pogon und wieso er seinen Wechsel nach Polen definitiv nicht als Rückschritt sieht!

krone.at: Warszawa statt Wien, Gdynia statt Graz oder Lubin statt Linz: Polen ist wohl kein typisches Ziel für einen österreichischen Fußballer. Was waren die Beweggründe für den Ur-Vorarlberger Benedikt Zech, in Polen anzuheuern?
Benedikt Zech: Ich habe eine neue Herausforderung gesucht und bin jetzt glücklich, dass ich die mit Pogon Szczecin gefunden habe. Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt. Klar waren bei mir am Anfang auch ein bisschen Zweifel da, aber ich hab‘ mir dann alles vor Ort angeschaut, hab‘ mir die Philosophie vom Verein angehört und bin dann mit einem guten Gefühl wieder nach Hause geflogen. Am Ende habe ich mir gesagt: Das will ich machen!

krone.at: Geboren bist Du im kleinen Dorf Ludesch am Eingang zum Großen Walsertal in Vorarlberg, eingebettet zwischen steil aufragenden Bergen mit 2000 Metern und mehr - und jetzt bist Du in Szczecin, einer Großstadt in West-Polen, auf Meeresniveau und ohne auch nur ansatzweise bergähnliche Erhebung. Droht da nicht ein Kulturschock?
Zech: (schmunzelt) Nein, ich bin ein Mensch, der gerne reist und immer wieder Neues sucht, neue Herausforderungen, neue Erfahrungen. Szczecin gefällt mir sehr gut, auch meiner Frau, und wir haben uns von Anfang an wohlgefühlt. Aber ja, die Berge werde ich schon vermissen - darum wird es gut sein, in der Länderspiel-Pause nach Hause zu fliegen.

krone.at: Interesse an Dir wurde im Frühjahr etwa auch von der Wiener Austria kolportiert - wäre denn zumindest ein Verbleib in Österreich gar keine Alternative gewesen?
Zech: In der kleinen österreichischen Liga, spielen wir sehr oft gegeneinander. Ich glaub‘, da erkenne ich mittlerweile schon jedes Stadion blind. Daher hab‘ ich mal etwas Neues gesucht, eine neue Herausforderung.

krone.at: Was für eine Rolle hat man Dir vonseiten Deines neuen Klubs zugedacht?
Zech: Schon klar als Innenverteidiger! Bei Pogon wollten sie einen erfahrenen Spieler, auch um den jungen Spielern Tipps zu geben, ihnen zu helfen und sie weiterzuentwickeln. Das ist eine Rolle, die mir sehr gut gefällt. Generell versuche ich mit meiner Schnelligkeit und mit meinem Stellungsspiel dem Team zu helfen…

krone.at: Auch wenn Testspiele in der Vorbereitung nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sein müssen, so ist es doch eine Tatsache, dass Du auf die meisten Einsatzminuten aller Innenverteidiger-Kandidaten gekommen bist…
Zech: (lacht) Ja, in der Vorbereitung musste ich mehr spielen als geplant, da wir auf der Innenverteidiger-Position ein bisschen Verletzungspech hatten. Aber ich sag‘ immer: Spiele sind besser als Trainings - und deshalb war das eher positiv für mich. Schön, dass ich im ersten Liga-Spiel bei Legia Warschau gleich das Vertrauen des Trainers bekommen habe und auflaufen hab‘ dürfen. Das war auch ein sehr wichtiger Sieg für Pogon Szczecin - die haben davor seit über 30 Jahren nicht mehr bei Legia gewonnen gehabt! Es fühlt sich gut an, gleich Teil von etwas Historischem zu sein…

krone.at: Weißt Du schon, was für ein Fußball Dich hier in Polen erwarten wird? Hast Du Dich vorab informiert?
Zech: Wichtiger war für mich, wie unser Trainer spielen lässt - und er (Kosta Runjaic, Anm.) steht für spielerischen Fußball, auch was die Eröffnung von hinten anbelangt. Das ist auch in meinem Sinn, das war mir wichtiger als zu wissen, wie unsere Gegner spielen. Ich glaube, die polnische Liga wird körperlich vielleicht ein bisschen härter sein, nicht so taktisch geprägt wie das vielleicht in Österreich der Fall ist.

krone.at: Wie wichtig ist es für Dich, dass mit Coach Runjaic der Trainer ein Beinahe-Wiener und mit David Stec ein Landsmann hier beim Klub am Werken und Wirken sind? Srdjan Spiridonovic ist ja dagegen erst nach Dir gekommen…
Zech: Wichtig war auf jeden Fall der Trainer, ich hatte mit ihm vor unserem ersten Treffen einige Telefonate. Er hat mir einiges erzählt über den Klub und über seine Philosophie. Natürlich ist es einfacher, wenn man die Philosophie und die Ideen des Trainers auf Deutsch erklärt bekommt und nicht auf Englisch - ja, das war schon auch wichtig für mich! Wir reden viel über taktische Sachen und das wird durch die gemeinsame Sprache natürlich schon sehr vereinfacht.

krone.at: Wie schauen die sportlichen Ziele von Pogon Szczecin hier in der polnischen Ekstraklasa aus? In der vergangenen Saison hat man es in der 16er-Liga in die Meisterrunde und dort dann auf Platz 7 geschafft…
Zech: Die Meisterrunde ist auf jeden Fall ein großes Ziel - und dann wird man sehen. In Polen werden anders als in Österreich die Punkte (bei der Trennung in Meister- und Quali-Runde, Anm.) nicht halbiert, sondern man nimmt die vollen Punkte mit. Ich hoffe, dass wir da im Rennen um die vorderen Plätze gut mit dabei sind und würde mir wünschen, nächstes Jahr wieder international zu spielen. So wie ich das schon zweimal mit Altach erlebt habe...

krone.at: Szczecin liegt zwar keine zehn Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt, aber in den Köpfen auch vieler Österreicher macht der Unterschied zwischen Deutschland und Polen wohl den Unterschied zwischen Sein und Nicht-Sein aus. Hast Du keine „Angst“, hier vom Radar zu verschwinden? Vielleicht auch von jenem des Teamchefs?
Zech: (lacht) Das weiß ich nicht, da müssen Sie vielleicht den Teamchef persönlich fragen! Aber ich glaube, generell ist Polen eine gute Adresse, hier gibt’s eine gute Liga, auf die man international schaut. Viele Spieler aus der Ekstraklasa gehen zu richtig großen, guten Klubs und ich glaube nicht, dass das für mich gegenüber Österreich ein Rückschritt ist…

krone.at: Du bist mit den Jahren irgendwie zum typischen Altacher geworden. Nach sage und schreibe 2492 Tagen beim Klub, gibt’s keinen Zech mehr rund ums Schnabelholz. Was jetzt, was machen die in Altach ab sofort ohne Dich?
Zech: (lacht) Das müssen Sie die in Altach fragen. Aber ich glaub‘, die haben mich gut ersetzt - ich hab‘ ein paar Vorbereitungsspiele von denen gesehen und ich finde, die machen das richtig gut. Aber generell: Was wir in Altach hatten, mit vielen langjährigen Wegbegleitern, das gibt‘s wirklich selten. Ich bin froh, dass ich da ein Teil davon war.

krone.at: In Altach wurde ja generell groß umgebaut: Neben Dir sind etwa mit Andi Lienhart, Andi Lukse oder Louis Mahop gleich mehrere langgediente Spieler abgegangen. Braucht ein Klub manchmal so einen Schnitt?
Zech: Das ist normal im Fußball. Ich war sieben Jahre in Altach, Andi Lienhart war zehn Jahre da, Louis Mahop sowie Hannes Aigner waren sieben Jahre da und Andi Lukse fünf Jahre - wir haben eine Ära in Altach geprägt. Aber so ist das im Fußball, das ist ein Kommen und Gehen - man wird älter, sucht neue Herausforderungen und manche beenden ihre Karriere. Aber ich glaube nicht, dass Altach Probleme haben wird. Trotzdem hoffe ich, dass sie uns vermissen werden.

krone.at: Einen ordentlichen Schnitt machst Du zweifellos auch in sprachlicher Hinsicht, weg vom alemannischen Deutsch hin zum Polnischen. Hast Du von daher gar keine Bedenken gehabt, nach Polen zu wechseln?
Zech: Eine neue Herausforderung ist eben so. Ich glaub‘, dass das nicht nur fußballerisch ein Schnitt für mich ist, sondern auch persönlich. Ich kann jetzt nicht mehr in meiner Komfortzone leben, ich kann jetzt nicht mehr nur Deutsch sprechen. Ich muss mit Polnisch eine neue Sprache lernen, aber so eine Herausforderung hab‘ ich gesucht und ich werd‘ so schnell wie möglich versuchen, ein paar Wörter zu lernen, um mich unterhalten zu können…

krone.at: Hast Du vielleicht jetzt schon ein paar Kostproben für uns?
Zech: Dzien dobry. Mam na imię Benedikt. Dawai! (lacht)

krone.at: Und das hat was geheißen?
Zech: Das war: „Guten Tag, mein Name ist Benedikt.“ Und „Dawai“ ist so wie „Gemma!“ auf Österreichisch….

Hannes Maierhofer (in Szczecin), sportkrone.at

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