25.06.2019 08:00

Drohne im Einsatz

Überleben für Bambi: Die Rettung aus der Luft

Mit einer Drohne samt Wärmebildkamera ausgerüstet, machen sich Tiroler Tierschützer und Jäger auf die Suche nach Rehkitzen im hohen Gras. Die Bambis flüchten bei drohender Gefahr nämlich nicht, sondern legen sich flach auf den Boden. Für Landwirte ist es so fast unmöglich, sie zu entdecken, bevor sie auf die Mahd gehen.

„Es ist ein Schrei, wie der eines kleinen Kindes“, bringt ein Oberländer Landwirt die Tragik auf den Punkt. Gemeint ist, was Schätzungen zufolge jährlich rund 25.000-mal in Österreich passiert: Ein Rehkitz im hohen Gras wird von einem Mähwerk erwischt. Das Problem: Neugeborene Rehkitze laufen bei Gefahr nicht davon, sondern kauern sich ins Gestrüpp. Für die Bauern ist es so fast unmöglich, sie rechtzeitig zu entdecken - auch wenn der Großteil der Landwirte die Felder vor dem Mähen abgeht.

Bambi-Rettungsplan
Die Bambis erleiden häufig ein furchtbares Schicksal - von dem Manuela Prantl ein trauriges Lied singen kann. Die Pitztalerin mit eigenem Tierheim - die „Krone“ berichtete - bekommt immer wieder verletzte Rehkitze. „Die meisten sind aber zum Tode verurteilt“, sagt Prantl. Ein Schicksal, das die Tierschützerin nicht hinnimmt. Gemeinsam mit Mitarbeiter Bruno Perktold entwirft sie einen Bambi-Rettungsplan.

Technik, Expertise und viel Zeit und Tierliebe
Die Zutaten: neueste Technik, engagierte Ehrenamtliche, Expertise aus dem Nachbarland, Zeit und viel Tierliebe. Bei ihrer Recherche stießen Prantl und Perktold auf einen Verein in der Schweiz, der mit Drohnen auf Kitzrettung geht. Sie nahmen Kontakt auf und investierten in hochwertiges Equipment. Kurz darauf fanden im eigenen Feld die ersten Testflüge statt.

35 gerettete Tiere in rund zwei Wochen
Die Drohne kreist über das hohe Gras, eine Wärmebildkamera spürt Tiere auf, das Bild wird live übertragen und ausgewertet - und Bambi kann vor dem Eintreffen des Mähwerks sicher entfernt werden. Am 11. Juni ging das Team Prantl und Perktold auf den ersten richtigen Einsatz - 35 Tiere retteten sie seither.

Eigene Webseite eingerichtet
Weil der Erfolg ihnen Recht gibt, wollen sie die Initiative ausweiten und richteten bereits eine eigene Webseite ein, über die sich Bauern, Jäger, aber auch Helfer und Sponsoren melden können. Denn finanziert hat das Prantl bisher großteils aus der eigenen Tasche: Rund 10.000 Euro kosteten Drohne, Wärmebildkamera und die entsprechende Ausbildung dazu. „Es haben sich aber auch Freiwillige gemeldet“, freut sich Prantl. Etwa Gerd Kühner aus Kufstein, der am Montag in Tulfes mit bei einem Einsatz war.

Auch Jäger arbeiten mit Drohnen
Ganz neu ist die Vorgehensweise in Tirol aber nicht: Bereits im vergangenen Jahr investierte der Tiroler Jägerverband in eine Drohne samt Kamera. Zahlreiche Einsätze folgten, neun Rehe wurden heuer schon gerettet. Landesjägermeister Anton Larcher freut sich über die private Initiative, mit der auch kooperiert wird. „In der nächsten Vorstandsklausur werden wir besprechen, ob wir das Angebot ausweiten“, erklärt Larcher. Die Technik sei so effizient wie keine andere. Die Jäger überlegen aktuell noch, ob sie pro Einsatz einen kleinen Unkostenbeitrag verlangen sollen. Prantl, Perktold und ihre Helfer sind ehrenamtlich auf Bambirettung. Über Spenden ist man aber dankbar. Weitere Infos: www.drohnenrettung.at

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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