19.06.2019 09:00 |

Ausweitung der Tests

„AIDS hat heutzutage seinen Schrecken verloren“

2341 Steirer kamen im Vorjahr zum HIV-Test in die AIDS-Hilfe, 4962 zur Beratung. Warum die einst so gefürchtete Krankheit ihren großen Schrecken verloren hat, wie zeitgleich andere Geschlechtskrankheiten um sich greifen und was das Ende des Lifeballs für Betroffene heißt weiß Chef Manfred Rupp.

„Kronen Zeitung: Herr Rupp, wer kommt eigentlich zu Ihnen zum Testen und zur Beratung?
Manfred Rupp:
Das kann ich Ihnen klar sagen: alle. Ein Viertel unserer Klienten ist homosexuell, da ist vom Zustrom her noch Luft nach oben. Der Jüngste war im Vorjahr 15, der Älteste 80. Die meisten sind in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren.

Was sind Hauptgründe?
Im Wesentlichen sind das vier: Kontrolle, neue Beziehung, Angst und wechselnde Partner. Die Hemmschwelle, zu uns zu kommen, ist zum Glück nahezu gefallen. Es läuft auch alles anonym und sehr freundlich ab.

Sie bieten ja auch Syphilis-Tests an?
Ja, diese kosten, im Gegensatz zum Gratis-HIV-Test, 18 Euro. Im Vorjahr wurden 323 solcher Tests gemacht - die Zahlen dahingehend sind in den vergangenen Jahren gleich um das Doppelte gestiegen!

Wie viele von HIV und AIDS Betroffene haben wir in unserem Bundesland?
Es sind an die 350 Menschen aktuell in Behandlung, die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen. In ganz Österreich gehen wir von 10.000 Betroffenen aus.

Das Thema AIDS war früher doch viel präsenter und mehr in der Gesellschaft verankert.Oder täuscht das?
Damit haben Sie komplett recht. Vor 15 Jahren war die Rate bei den Diagnose noch extrem viel höher, bis 2015 ist sie dann gesunken, danach allerdings wieder angestiegen. Auch deswegen, weil AIDS seinen Schrecken verloren hat, seit bekannt ist, dass es sich gut therapieren lässt. Im besten Fall schluckt man ja eine Tablette am Tag, kann damit ganz normal leben und hat auch eine gleich lange Lebenserwartung wie Nicht-Infizierte. Man kann eine Familie gründen, ganz normal zur Arbeit gehen, auch als Chirurg oder Zahnarzt arbeiten.

Aber..?
Aber wie ich gesagt habe, im besten Fall ist das so. Man darf auch nicht vergessen, dass die Behandlung eine anspruchsvolle ist. Es führt manche Menschen auch in finanzielle Katastrophen. Es werden zum Beispiel Impfungen nötig, die extra zu bezahlen sind, außertourliche Behandlungen, man kann schon auch bei der Arbeit ausfallen. Alles in allem ist das kein Thema, das lustig ist. Deswegen sollte man es wirklich nicht sorglos behandeln, auch wenn es ein wenig aus dem Bewusstsein der Bevölkerung gerutscht ist.

Gleichzeitig steigt auch die Zahl anderer sexuell übertragbarer Krankheiten.
Genau, das hat auch damit zu tun, dass man das Kondom mehr weglässt, weil man sich um AIDS nicht mehr so sorgt. Wir haben deswegen auch viel vor. Es ist an der Zeit und gesellschaftlicher Anspruch, dass wir unser Testangebot ausweiten, auch auf Tripper oder Chlamydien. Man darf nicht vergessen, dass ein Drittel der Geschlechtskrankheiten symptomlos verlauft! Aber dennoch zu schweren Folgen führen kann. Das muss man unbedingt erst nehmen, Vorkehrungen treffen. Syphilis zum Beispiel ist seit den 80er-Jahren und mit der AIDS-Angst weit ins Hintertreffen geraten. Seit die guten Therapiemöglichkeiten bekannt geworden sind steigt die Rate aber messbar dazu an. Das Kondom hat leider noch nicht ausgedient.

Was bedeutet das Ende des Lifeballs für die AIDS-Hilfe?
Das ist schon eine Katastrophe. Wir haben in manchen Jahren bis zu 40.000 Euro aus dem Ball lukriert. Nicht für uns selbst, sondern für jene unserer Klienten, die das Geld wirklich brauchen, weil sie eben, wie eingangs erwähnt, durch die Krankheit in ernsthafte finanzielle Bedrängnis geraten sind. Für Spenden sind wir also sehr gerne offen.

Alle Informationen bei der Aids-Hife.

Christa Bluemel
Christa Bluemel

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