13.06.2019 10:40 |

Nur acht Standorte

Ganztagsschule bleibt der Ausnahmefall

Die Städte und Gemeinden müssen immer mehr Geld für die schulische Nachmittagsbetreuung in die Hand nehmen. Alleine in der Stadt sind es in den nächsten fünf Jahren 55 Millionen Euro. Dennoch wehren sich vor allem die Eltern gegen die Einführung von echten Ganztagsschulen, obwohl diese viele Vorteile hätten.

„Die Lehrer können sich viel mehr Zeit für die Kinder nehmen. Und wir sind eine echte Gemeinschaft, weil wir den ganzen Tag zusammen sind und auch alle gemeinsam zu Mittag essen.“ Berta Wimmer, Direktorin des Polytechnikums in Bad Gastein, schwärmt von der Ganztagsschule, die es im Tal schon seit fast 40 Jahren gibt – aktuell für knapp 35 Mädchen und Burschen.

Ihre Kollegin Gabriele Heidinger vom „Poly“ in Taxenbach spricht von einer „idealen Form“ für ihren Schultyp: Die Jugendlichen seien von 7.55 bis 16.10 Uhr in der Schule. „Das bereitet sie auf das Berufsleben vor.“

Obwohl landesweit bereits mehr als 6700 Pflichtschüler im Alter von 6 bis 15 Jahren am Nachmittag betreut werden, gibt es nur acht echte Ganztagsschulen. Dabei seien diese laut Experten pädagogisch das beste System, meint Birgit Heinrich von der Bildungsdirektion. Aber vor allem Eltern lehnen den Schultyp ab, weil sie flexiblere Betreuung wollen – sehr zum Ärger der Gemeinden. Denn diese müssen nicht nur die Umbauten an den Schulen bezahlen, sondern auch das Betreuungspersonal am Nachmittag.

In der Stadt kostet das alleine 4,5 Millionen Euro im Jahr, weniger als die Hälfte fließt durch Elternbeiträge retour. „Durch die Nachmittagsbetreuung verschieben sich die Personalkosten von Bund und Ländern auf Städte und Gemeinden“, sagt Stadtvize Bernhard Auinger (SPÖ).

Großer Bedarf an Nachmittagsbetreuung

Exakt 6706 Kinder werden derzeit in mehr als 300 Gruppen an 117 Schulen am Nachmittag betreut. Es gibt aber nur acht echte Ganztagsschulen: Die „Polys“ in Bad Gastein, Bischofhofen, Mattsee, Taxenbach und Tamsweg, die Sonderschule für körperbehinderte Schüler, die Anna-Bertha-Königsegg-Sonderschule und eine je dritte und vierte Klasse in der Volksschule Lehen 2 (alle Stadt Salzburg).

Für die Einrichtung der Nachmittagsbetreuung erhalten die Gemeinden eine einmalige Förderung von 55.000 Euro. Für’s Personal gibt es in Regelgruppen 9000 Euro pro Jahr. Werden Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf betreut, sind es 18.000 Euro pro Jahr.

Die Stadt Salzburg investiert bis 2024 insgesamt 65 Millionen in Schulbauten - die Hälfte des Geldes entfällt auf die Nachmittagsbetreuung.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
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