Sa, 15. Juni 2019
26.05.2019 15:00

Abschieds-Interview

„Spieler-Klau“: Marco Rose schließt nichts aus

Bevor Marco Rose sich in Richtung Gladbach aufmacht, gab er der „Krone“ ein großes Abschieds-Interview: Was er bereut, welche Entscheidung seine schwierigste war, wer ihn am meisten beeindruckte und ob er Lieblingsschüler hatte.

Herr Rose, Fußball bestimmt einen Großteil Teil ihres Lebens mit. Wofür interessieren Sie sich abseits davon?

Ich bin da relativ einfach gestrickt, habe keine besonderen Hobbies. Ich bin gerne zuhause bei meiner Familie. Familie und Freunde sind neben dem Sport das Wichtigste für mich.

Engagieren Sie sich in humanitärer Hinsicht?

Ich habe über viele Jahre ein Patenkind in Bolivien, versuche, hie und da noch was zu machen. Das muss ich aber nicht an die große Glocke hängen.

Sie sind gelernter Sozialversichungskaufmann. Kam ein Bürojob für Sie je ernsthaft in Frage?

Nein!

Warum die Ausbildung?

Weil ich so erzogen wurde. Mir war immer klar, dass Schule wichtig ist. Die habe ich gemacht, war dann beim Bund, und habe dann nicht gewusst, ob ich es zum Fußballprofi schaffe. Daher war klar, dass ich eine Ausbildung mache.

Als Trainer gehören Fleiß und Engagement zu Ihren Stärken. Wie waren Sie als Schüler?

Bei mir lief das nach dem Motto „Ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss“. Ich fürchte, das habe ich ein Stück weit an meine Tochter weitergegeben.

Sind Sie ein strenger Vater?

Ich bin ein unglaublich liebender Vater, dazu gehört manchmal Strenge.

Worauf sind Sie stolz?

Auf meine Tochter, meine Familie. Dazu auf Freunde, die ich über viele Jahre habe, die immer zu mir stehen. In meinem Berufsleben auf mein Team, meine Jungs, weil ich doch relativ viel investiere und preisgebe, aber auch viel verlange.

Sie sprechen stets von anderen. Sind Sie auch stolz auf sich selbst?

Natürlich ist man stolz, wenn man Titel gewinnt. Man wird heutzutage aber auch getrieben, alles ist vergänglich. Daher sollte man auch nicht vergessen, mal innezuhalten und den Moment zu genießen.

Hätten Sie vor dem Bullen-Engagement zu träumen gewagt, so viele Titel zu holen?

Ich habe nicht davon geträumt, aber ich war ehrgeizig, wusste, dass Salzburg den nächsten Schritt in meiner Trainerkarriere bedeuten könnte. Ich wollte hier die Pro-Lizenz machen, auf hohem Niveau mit guter Infrastruktur arbeiten.

Mit welchem Notenschnitt haben Sie die Lizenz geholt?

Mit 1,3. Ich wollte es gut machen, habe hart gearbeitet und mir vor der Prüfung fast in die Hose gemacht.

Gibt es einen Titel, der für sie besonders heraussticht?

Eigentlich nicht, weil es immer andere Voraussetzungen waren. Im Nachgang hat man das Gefühl, dass man die in Salzburg so rausschüttelt – dem ist nicht so. Die Youth League war herausragend, der Titel mit der U16 top. Die Freude, die man mit den Jungs erlebt – es waren tolle Erlebnisse.

In Salzburg werden Titel erwartet. Jener in der Youth League kam überraschend. Er war wohl maßgeblich für Ihre Bestellung zum Profi-Trainer. Ihr wichtigster Titel?

Das kann sein, müssen aber andere beantworten, ob es der entscheidende Punkt war, um mich zum Cheftrainer zu machen. Für mich sind alle besonders, ich bin sehr dankbar dafür.

Haben Sie Lieblingskicker?

Habe ich nicht, ich mag all meine Jungs – keinen mehr oder weniger als den anderen. Aber logisch, mit dem einen oder anderen bist du sechs Jahre zusammen. Mich verbindet viel mit Luca Meisl, der mein U16-Kapitän war. Mit dem bin ich lange einen gemeinsamen Weg gegangen. Auch Hannes Wolf habe ich viele Jahre begleitet. Es gibt keinen Lieblingsschüler, manchmal aber spezielle Beziehungen. Eigentlich verbindet mich allen etwas Besonderes, vor allem aber großer Respekt.

Sie haben als Bullen-Coach viel richtig gemacht. Gibt es auch etwas, das Sie bereuen?

Ich habe sicher viele kleine Fehler gemacht, mich dadurch aber auch weiterentwickelt. Ich hatte jedoch nie das Gefühl, dass wir mit einer großen Entscheidung so richtig falsch lagen. Das Thema Marin Pongracic (neuerliche Verletzung, Anm.) habe ich ja schon damals erwähnt. Ein Fehler war wohl, dass ich in sechs Jahren Salzburg nie auf Skiern gestanden habe, obwohl hier im Büro welche stehen. Ich bin nur todesmutig einige Pisten runtergerodelt.

Welche Momente aus Ihrer Bullen-Zeit bleiben besonders hängen?

Es gibt viele. Nie schön ist, wenn sich ein Spieler schwer verletzt. Oder wenn jemand geht, mit dem man lange gut zusammengearbeitet hat. Insgesamt gab es viele emotionale Momente.

Welche waren nun ganz besonders?

(lacht) Das sind natürlich die Titel. Da bist du am Ziel, hast etwas in der Hand. Aber auch schwierige Momente wie in Rijeka, wo wir ausgeschieden sind, die Tage danach. Das Spiel gegen Roter Stern (2:2 zuhause, Anm.). Besondere Momente haben mit extremen Emotionen und spezieller Wahrnehmung für sich selbst und die Öffentlichkeit zu tun. Entweder bist du gescheitert oder hast ein Ziel erreicht. Zwischendrin sind es die menschlichen Auf und Abs, die du zu bewältigen hast.

Ist das Aus gegen Roter Stern die größte Enttäuschung ihrer Bullen-Ära?

Jetzt sind wir ja für die nächste Gruppenphase der Champions League qualifiziert, daher mache ich mir keine Gedanken mehr darüber. Es gab aber schon Gründe für das Ausscheiden. Vielleicht waren wir damals noch nicht so weit. Wir hätten ja auch nach dem 2:2 - wie es uns oft gelang - noch ein Tor machen können. Da hatte jemand was dagegen, jetzt hat niemand mehr was dagegen (lächelt).

Jemand? Glauben Sie an den Fußball-Gott?

Ich glaube an Gott. Da gehört nicht nur Fußball dazu.

Was war Ihre schwierigste Entscheidung in Salzburg?

Eine sehr schwierige war das Torwart-Thema letzten Sommer. Wir haben das super hinbekommen, wie ich finde. Die erste Entscheidung war, dass Alex Walke nur im Pokal spielen sollte. Am Abend hatte ich dann nochmal mit Herbert (Ilsanker, Tormanntrainer) telefoniert und gesagt, das ist unfair. Wir haben ihm dann die internationalen Spiele auch gegeben. So wie es letztlich gelaufen ist , war es eine gute Entscheidung.

Wer im Verein hat Sie besonders beeindruckt?

Wir sind alle gerne zusammen, das ist gewachsen, mit den Zeugwarten Hakan und Tom, mit den Physiotherapeuten, mit Musti, Dragan und Yuki (Integration Manager, Anm.), generell mit dem gesamten Team. Wenn ich einen rausnehmen darf, ist es Christoph Freund. Er macht außergewöhnlich gute Arbeit im Verein, hat uns Trainern immer den Rücken freigehalten. Wir haben sehr kontrovers diskutiert, auch was den Kader betraf. Er hatte es hier nicht immer einfach, hat aber über Jahre gezeigt, wie stark er sich entwickelt hat, welche Persönlichkeit er geworden ist. Dazu ist er ein herausragender Mensch, mit dem man richtig Spaß haben kann.

Heute stehen Sie letztmals an der Seitenlinie als Bullen-Trainer. Wie viel Wehmut kommt auf?

Mit dem Feststehen der Meisterschaft ging das Thema los. Da wusste ich, wir haben alles erreicht, was wir erreichen wollten. Es gibt Vorfreude auf das, was kommt. Aber nochmal alle zu sehen, mit allen zusammen zu sein, noch mal zu grillen, was gemeinsam zu machen - das fand ich cool.

Wie sollen die Leute Sie in Erinnerung behalten?

Ich fände es cool, wenn man sich freuen würde, wenn ich mal vorbeischauen sollte. Ansonsten sollte es von großem Respekt geprägt sein. Ich empfinde viel Dankbarkeit den Menschen hier, dem Verein, der Region gegenüber. Es war eine außergewöhnliche Zeit.

Sie wechseln nach Gladbach, spielen Europa League. Die Bullen Königsklasse ...

Ich gönne Salzburg den Einzug von Herzen. Ich habe mich bewusst für Gladbach entschieden - mit allen Chancen und Risiken - und freue mich auf die Aufgabe und die Europa League.

Es ranken sich viele Gerüchte. Können Sie ausschließen, Salzburg-Akteure nach Gladbach zu locken?

Zu Gerüchten gehören immer zwei oder gar drei Parteien. In unserem (Salzburg-)Kader gibt’s viele gute Kicker, ich würde gerne alle mitnehmen (lacht). Das wird natürlich nicht funktionieren. Irgendwas auszuschließen ist aber schwierig.

Christoph Nister
Christoph Nister

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