Di, 21. Mai 2019
21.04.2019 08:00

Nach heftiger Kritik

Steirische LKH werden auf Kunstfehler versichert

Bei der steirischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes, die zuletzt laufend in der Kritik war, bahnt sich ein Paradigmenwechsel an: Die Spitäler sollen jetzt gegen Kunstfehler versichert werden, damit bei menschlichen Tragödien nicht um jeden Euro gefeilscht werden muss. Die Kosten liegen jährlich im zweistelligen Millionenbereich.

Drei Jahrzehnte gibt es die steirische Spitalsgesellschaft KAGes, so gebeutelt wie dieser Tage hat es sie aber noch nie. Die Patientenombudsfrau schießt aus allen Rohren, kaum ein Tag, an dem nicht menschliche und/oder medizinische Tragödien durch die Medien geistern.

Sieht man von der Herzchirurgie einmal ab, ist es aber gar nicht die medizinische Versorgung, die im Fokus steht, sondern das Schadensmanagement; besser gesagt, wie es betrieben wird. Da wird um jeden Preis gemauert und abgestritten - (Kunst-)Fehler gibt’s nicht. Und wenn ein Gutachten anderes ergibt, wird sofort ein (teures) Gegengutachten eingeholt, das dann „zufällig“ das Gegenteil besagt.

Spießrutenlauf für Betroffene
Schlichtungs- wie Gerichtsverfahren dauern oft Jahre, offenbar in der Hoffnung, dass den Gegnern - Patienten oder Angehörigen - einfach „die Luft ausgeht“. Und selbst dort, wo man sich mithilfe relativ geringer Summen bei der Schlichtungsstelle geeinigt hat, kommt es danach zu einem Spießrutenlauf bis zur Auszahlung.

Völliger Richtungswechsel
Aber jetzt die gute Nachricht: Damit wird bald Schluss sein! Während offiziell noch die Einrichtung eines ärztlichen Beirats für die KAGes-Rechtsabteilung im Raum steht, welche den Juristen die grundsätzliche Richtung - ist tatsächlich etwas falsch gelaufen oder nicht? - vorgibt, wird hinter den Kulissen an einem Paradigmenwechsel gebastelt, der sich gewaschen hat: Steht doch tatsächlich ein Abgehen vom derzeit geltenden „Nicht-Versicherungsprinzip“ der steirischen Krankenanstalten im Raum.

Bisher ist es nämlich so, dass zwar jeder Arzt eine Rechtsschutzversicherung hat, das Unternehmen aber für die finanziellen Folgen nachgewiesener Fehler selbst bezahlen muss. Worin wohl die Wurzel der Unkultur liegt, Fehler bis aufs Letzte abzustreiten.

Entschuldigung wäre Schuldeingeständnis
So berichten Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand, dass ihnen von den Juristen quasi verboten wird, sich für was auch immer zu entschuldigen, da dies als Schuldeingeständnis gewertet werden könnte: „Ist schon möglich, dass das rechtlich so ist, aber es verunmöglicht jeden normalen zwischenmenschlichen Umgang“, lautet die herbe Kritik. „Und das in einem Unternehmen, das ,Menschen helfen Menschen‘ als Motto hat.“

Gutes Geschäft für Versicherungen
Damit wäre es wohl vorbei, wenn sich die KAGes künftig - wie andere Spitalsträger - einer Versicherung anvertraut. Und dieser Paradigmenwechsel steht an. Dann wäre die Macht der Rechtsabteilung mit ihren 20 Mitarbeitern gebrochen, müsste ein stark verkleinertes Team neu ausgerichtet werden.

Womit aber wiederum ein Teil der Kosten für die Versicherung abgedeckt werden könnte: Liegen diese doch laut Experten-Schätzungen mit Sicherheit im zweistelligen Millionenbereich - pro Jahr wohlgemerkt! Die Assekuranzen können sich also durchaus die Hände reiben

Gerhard Felbinger
Gerhard Felbinger

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