20.04.2019 17:00 |

Blick in Geschichte

8000 Pilger kamen einst auf Grazer Kalvarienberg

Errichtet im 17. Jahrhundert, zogen die Kreuze im Grazer Norden einst die Pilgermassen an. Der Felsen diente im Zweiten Weltkrieg aber auch als Luftschutzstollen. Ein Blick in die Geschichtsbücher.

„Am 3. Mai 1637, einem Gedenktag der Kreuzauffindung, soll es am Kalvarienberg 8000 Pilger gegeben haben“, berichtet der Grazer Stadthistoriker Karl A. Kubinzky. Und: „Im Jahr 1667 wurden hier mehr als 900 Messen gelesen.“

Die ersten Kreuze wurden 1606 aufgestellt
Der Grazer Kalvarienberg - Austein war sein alter Name - zog einst also die Pilgermassen an. Heute blüht das Baujuwel, das Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet wurde, eher im Verborgenen. Schon 1606 ließ der Obersthofmeister Bernhard Walter auf dem Felsen drei Kreuze errichten. Die 1620 von Grazer Bürgern begründete Bruderschaft „Mariae Reinigung“ vollzog dann den Ausbau.

Der Konkurrenzkampf mit Maria Trost
Der Kalvarienberg, der neben dem Schloßberg die zweite Felsspitze im ansonsten flachen Grazer Feld ist, sollte Golgota nachbilden, den Kreuzigungshügel in Jerusalem. 
Kubinzky: „Dies war die erste Anlage dieser Art im Habsburgerreich. Mehr als 300 Jahre wurde sie geplant, gebaut und wieder verändert. Der Ausbau des Kalvarienbergs und seine Förderung als Wallfahrtsort hing auch mit der Wallfahrtskirche Mariatrost zusammen. Die beiden waren nämlich Konkurrenten.“

So wurde der Kalvarienberg einst von den Jesuiten betreut - in Mariatrost hingegen leiteten erst die Pauliner und dann die Franziskaner Kirche, Orden und die Wallfahrt.

Pilgerweg ausgehend von der Stadtmitte
Erwähnenswert sei, laut Kubinzky, auch der Pilger- und Prozessionsweg von der Stadtmitte zum einst völlig isoliert stehenden Kalvarienberg. „Bildstöcke in der Zeilergasse, bei der Grimmgasse und in der Kalvarienberggasse weisen heute noch den Weg.“

Kubinzky erklärt: "Die sieben Steinsäulen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind Symbol für die Schmerzen Mariens. Dass sie auf der linken Straßenseite stehen, hat mit dem damaligen Linksverkehr zu tun.“

Massiver Schutzbau für bis zu 3000 Grazer
#Im II. Weltkrieg war der Berg auch Schutzbau vor Fliegerangriffen. Im 314 Meter langen Stollen fanden 1944/45 bis zu 3000 Menschen Schutz vor den Bomben. Errichtet wurde der Stollen vom Personal des Heimatpferdelazaretts.

Gerald Richter
Gerald Richter
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