14.04.2019 11:00 |

Historischer Rückblick

Das Grazer Kultstadion Gruabn wird 100 Jahre alt

Kennst du eines, kennst du alle: So verhält es sich - überspitzt formuliert - mit modernen Fußballarenen. Wie anders war da die Gruabn. Bis 1997 spielte Sturm im 1919 eröffneten Kultstadion mitten in Graz-Jakomini. Zum 100-Jahr-Jubiläum wird mit einem Buch und einer Ausstellung im GrazMuseum zurückgeblickt.

„Die Gruabn, da denkt man von vorneherein an harte Bedingungen, Platznot und schwierige Bodenverhältnisse, an unmittelbaren Kontakt zwischen Spielern und Besuchern, grandios hitzige Stimmung, Fans, die auf Reklametafeln oder Hausdächer geklettert sind, um einen guten Blick auf das Spielfeld zu erhaschen“, beschreibt Martin Behr, neben Herbert Troger und Christian Wiedner Herausgeber des Jubiläumsbuchs (Sturm wird heuer auch 110 Jahre alt), das Stadion.

Und damit ist klar: Die Gruabn war nie politisch korrekt. Frauen waren in der absoluten Minderheit, viele Besucher bevorzugten das Freiluftklo, Bordelle schalteten Werbung, es wurde recht derb geschimpft, Gegner und Schiedsrichter konnten den Bierduschen von den Rängen kaum entgehen.

Schauermärchen für Herbert Prohaska
„Was habe ich nicht im Vorfeld alles für Schauermärchen über die Gruabn gehört?“, erinnert sich der Wiener Herbert Prohaska an sein Debüt als 17-Jähriger. „Bei einer Cornerfahne musste man von einem Hügel anlaufen, weil alles so beengt war.“ Auch die Gemeinschaftsdusche mit stets zu wenig Warmwasser war gewöhnungsbedürftig.

Der Nagel in der Kabine
Auch für Giuseppe Giannini. 1996 lotste Präsident Hannes Kartnig den römischen Star nach Graz, der wie alle Spieler in der Kabine seine Sachen an einem Nagel anstatt an einem Kleiderbügel aufhängen musste. „Ich fühlte mich in der Gruabn sehr wohl“, sagt er dennoch 23 Jahre später.

Kein Rasen für Techniker
Auch Kulttrainer Ivica Osim war nicht schockiert. „Solche Fußballplätze war ich aus meiner Heimat Bosnien gewöhnt.“ Schwierig war aber der unebene Rasen, der Technikern wie Ivo Vastic und Hannes Reinmayr nicht entgegenkam.

Einizigartiges Fotoarchiv
Das Buch umfasst viele Gesprächsprotokolle, von Fans bis zu Stars, vom Grazer Türsteher „Meky“ Aldrian, der eine Klofrau vor Wiener Dieben schützte, bis zum Journalisten und Linienrichter Hans Fenz, der vor einem Derby gegen den GAK sich bekreuzigend den Platz betrat.

Dazu kommen ein ausführlicher geschichtlicher Rückblick, ein Essay von Autor Gerhard Roth - und viele einzigartige Bilder von Friedrich Fischer. Er fotografierte von den 50ern bis zu den 80ern mit seiner Leica in der Gruabn, der Verein Sturm Graz hat sein Archiv mit 30.000 Negativen gekauft. Auch der Großteil der Fotos auf dieser Seite sind aus seinem Nachlass.

Holztribüne soll gerettet werden
Nach Sturms Umzug nach Liebenau verfiel die Gruabn lange Zeit in einen Dornröschenschlaf. Seit einigen Jahren kämpft aber eine junge Initiative für den Erhalt der 85 Jahre alten Holztribüne und brachte so die Gruabn wieder in die Köpfe der Grazer. 66.000 Euro wurden gesammelt, zur Zeit wird ein statisches Gutachten für das historische Tribünendach erstellt, noch im Jubiläumsjahr soll der Auftrag für die Sanierung gegeben werden.

Buch und Ausstellung
Das Jubiläumsbuch ist ab 10. Mai im Sturm-Fanshop erhältlich. Am 1. Mai (18.30 Uhr) gibt es ein Jubiläumsspiel gegen DSV Leoben. Die Ausstellung „Die Gruabn. Das Herz von Sturm“ in Graz (Museum Sackstraße 18) ist von 26. April bis 23. Juni zugänglich. Die Kuratoren sind Martin Behr, Emil Gruber, Otto Hochreiter und Martina Zerovnik. Zu sehen sind u. a. bisher unveröffentlichte Fotodokumente, Fan-Devotionalien und viele Original-Relikte.

Jakob Traby
Jakob Traby
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