Fr, 19. April 2019
26.03.2019 07:58

Wurde zum Mörder

Pflegekind ging 16 Jahre lang durch die Hölle

Jahrelang wurde Walfried Janka bei seiner Pflegemutter im steirischen Leibnitz gequält, eingesperrt, misshandelt. Außerdem wurde er als geistig schwerst behindert eingestuft, obwohl er hochintelligent ist. Der heute 53-Jährige, der später selbst zum Mörder wurde, kämpft jetzt um sein Recht auf Anerkennung und Entschädigung für seine dramatische Kindheit. Doch plötzlich verschwundene Akten sorgen für ein erneutes Aufleben der traumatischen Erlebnisse.

„Ich hätte so viel tun, so viel erreichen können. Diese Möglichkeit wurde mir genommen“, klagt der heute 53-jährige Walfried Janka. Seine Geschichte ging um die Welt, schockierte: Kurz nach seiner Geburt kam er zu einer Pflegemutter in Leibnitz, die ihr eigenes Kind umgebracht hatte.

Von da an durchlebte er ein 16 Jahre langes Martyrium, das einem durch Mark und Bein fährt: Gemeinsam mit anderen Pflegekindern verbrachte er die Nächte in einem finsteren Zimmer. Teilweise sogar gefesselt, weil „der Depperte“, wie die Pflegemutter ihn nannte, einmal versucht hatte, zu flüchten. Ständig wurden die Kinder grün und blau geschlagen, die Narben sind heute noch sichtbar, prägen den geschundenen Körper. Eines Tages riss die Pflegemutter dem neunjährigen, an einem Sessel gebundenen Walfried mit einer rostigen Zange fünf Milchzähne. Die Schmerzen - unerträglich, unvorstellbar! Und trotz aller Demütigung und Pein nahmen die Kinder „das Monster“, wie Janka die Frau heute nennt, in Schutz. Weil sie ihnen mit dem Umbringen drohte.

Immer wieder wurde er in die Psychiatrie für geistig schwer behinderte Kinder eingewiesen. Betrieben von den Kreuzschwestern. Und auch dort verging man sich an dem Jungen, der eigentlich so viel hätte lernen wollen, vor Wissbegierde nur so sprühte. Schließlich adoptierte ihn ein Pfleger. Zum ersten Mal feierte man mit ihm Geburtstag, Weihnachten, Ostern. Er erfuhr endlich, was Geborgenheit bedeutete.

Als das Opfer zum Täter wurde
Nur eines blieb ihm nach wie vor verwehrt: Bildung! Wer will schon einen Analphabeten bei sich arbeiten lassen, dafür auch noch Geld bezahlen? Die Trauer war groß, Walfried ertränkte sie in Alkohol. Und dann passierte es, dass der junge Mann, der sein Leben lang Opfer gewesen war, selbst zum Täter wurde - zum Mörder. Es traf einen Taxifahrer. Er sei rauschig gewesen, es habe Streit gegeben, und der sei eskaliert, erzählt Walfried heute. Aber es fällt ihm unendlich schwer. Es folgten 14 Jahre im Gefängnis. Er nutzte sie, indem er endlich lernte: Lesen, Schreiben, Mathe.

Wesentlicher Amtsvermerk fehlt
Nach seiner Entlassung begann er nachzuforschen. Und entdeckte seinen 270 Seiten umfassenden Akt. Seine Geschichte. Mit Amtsvermerk, dass seine Pflegemutter eine Kindesmörderin war. Und dass das Jugendamt davon gewusst hat. Alle 270 Seiten kopierte er. Sein Glück! Denn: Ausgerechnet diese beiden Seiten fehlen mittlerweile nach einem Kopiervorgang.

Monika Krisper
Monika Krisper

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