Di, 23. April 2019
23.03.2019 06:40

Das geht zu weit

Eklat: Grazer Tierärzte als Gestapo bezeichnet

Dafür fehlt einem völlig das Verständnis: Nachdem das Grazer Veterinärreferat auf der Internationalen Rassehundeausstellung mutig und beispielgebend  kontrolliert und acht  - unter mehr als  2000 -  Tiere ausgeschlossen hat, prasselte eine Beleidigungsflut ungeheuren Ausmaßes auf die Beamten nieder. Mit der Gestapo wurden sie verglichen, beschimpft, beleidigt. Ob die Chefin des Amtes sich davon einschüchtern lässt, hat uns Alexandra Gruber gesagt.

Diverse Reaktionen in sozialen Medien Ihnen und Ihren Kollegen gegenüber machen fassungslos. Haben Sie mit so etwas gerechnet?
Auf gar keinen Fall, mich entsetzt auch die vollkommen unsachliche Form. Wir Amtstierärzte haben Kontrollen nach dem Tierschutzgesetz durchgeführt und acht Hunde nicht antreten lassen, weitere Züchter verwarnt. Vorwiegend wegen Qualzuchtmerkmalen, also Problemen wegen des Atmens und des Bewegungsapparates. Das ist ja auch unsere Aufgabe!

(Bei acht Hunden haben die Amtstierärzte Anzeichen einer Qualzucht entdeckt. Eine französische Bulldogge hätte kaum atmen können, weil die Schnauze derart kurz war, dass sie in einer Ebene mit Augen und Kiefer lag. Basset Hounds hatten massiv hängende Augenlider, die entzündet waren, ebenso ein Mastino Napoletano. Ein Schäferhund hatte extrem abfallenden Rücken, Anm. der Redaktion) 

Das müsste ja dem Österreichischen Kynologenverband, dem ÖKV, der ja angeblich gegen Qualzucht steht, entgegenkommen. Doch auch der stellt sich gegen die Aktion der Veterinäre.
Das hat uns auch sehr befremdet, wir hatten eigentlich mit dem Gegenteil, mit Unterstützung, gerechnet. Ein Mitglied befeuert die Diskussion geradezu auf einem Niveau, das sprachlos macht.

Kritiker meinen, dass der ÖKV sich damit selbst disqualifiziert, seine Glaubwürdigkeit und Integrität verliert.
Ich will den Verband gar nicht werten. Aber dass es der grundsätzlichen Sache, nämlich dem Kampf gegen Qualzucht, nicht dienlich ist, liegt auf der Hand. Man wirft uns von Seiten des ÖKV Amtsmissbrauch und Willkür vor, dagegen verwehre ich mich aber entschieden. Ein Gespräch mit uns wurde gar nie gesucht.

Was haben Sie generell an Reaktionen erlebt?
Wir wurden in verschiedenen Foren verbal schwerst angegriffen, verunglimpft, unsere Namen veröffentlicht, ich bin selbst ja auch Züchterin und wurde auch auf dieser Ebene beschimpft. Meine Homepage wurde zu Anwürfen verlinkt. Bitte, da ist das Foto meines Kindes mit drauf! Das alles geht viel zu weit.

Muss man sich da fürchten?
Das ginge auch zu weit, aber das Ausmaß ist erschreckend. Mit Gestapo und Mafia verglichen zu werden, ist unter jeder Kritik.

Würden Sie angesichts dessen noch einmal solche Kontrollen durchführen?
Auf jeden Fall. Es geht hier um Tierwohl, das nehme ich ernst. 

Der politisch Verantwortliche, der Grazer Vizebürgermeister Mario Eustacchio, steht hinter Ihnen?
Absolut. Wir erhalten darüber hinaus auch viel Lob und Unterstützung für unsere Kontrollaktion.

Vorgeworfen wird Ihnen ja, sich gegen „seriöse“ Züchter zu stellen, statt gegen Vermehrer oder Schwarzzüchter.
Das Eine schließt das Andere ja nicht aus. Mit dem neuen Tierschutzgesetz ist es ja so, dass Zucht nur noch angemeldet, aber nicht mehr kontrolliert werden muss. Wir kontrollieren trotzdem nach Anmeldungen.

Ihre Conclusio?
Es steht ganz klar im Gesetz, dass nicht gezüchtet werden darf, wenn vorhersehbar ist, dass Schmerzen, Schäden, Leiden oder Angst Folgen sein könnten. Das nehmen wir ernst. Das kontrollieren wir. Wir lassen uns nicht einschüchtern.

Die Stellungnahme des ÖKV dazu:
Die aus dem Kreis der über 60.000 Verbandsmitglieder stammenden mitunter heftigen Reaktionen in den sozialen Medien sieht der ÖKV durchaus kritisch, sie stellen jedoch Einzelmeinungen von Privatpersonen dar und wurden nicht im Namen des ÖKV- Vorstandes getätigt.

Christa Bluemel
Christa Bluemel

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